<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000333-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Kuno Fischer</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>2.11.1901</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2618-51_7/0001</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0333" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000333-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1902-07-15">15.7.1902</date><date when="1901-11-02">2.11.1901</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/117100285">Eduard Schär</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118547739">Georg Wilhelm Friedrich Hegel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118615874">Martin Spahn</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118524844">René Descartes</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Kuno Fischer</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>2.11.1901</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2618-51_7/0001</ref></head></front><body><dateline>Strassburg, 2.11.01</dateline><salute><abbr>Ew.</abbr> Excellenz</salute><p>beehre ich mich, zum <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2105"/>Abschluss Ihres „Hegel“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2105"/> den herzlichsten und aufrichtigsten Glückwunsch auszusprechen und daran zugleich den Dank nicht nur für das Geschenk des grossen Jubiläumswerkes, sondern auch den allerpersönlichsten Dank für die hohe Freude zu knüpfen, mit der ich in dem abschließenden Bande die Erfüllung einer lang gehegten und öffentlich ausgesprochenen Sehnsucht begrüsse. Nun steht es fertig da, das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2106"/>Monumentum aere perennius<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2106"/> für die Geschichte der neueren Philosophie. Mit Stauen und Bewunderung haben wir den Fortgang dieser Ausgabe verfolgt: welch eine Riesenarbeit haben Sie seit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2107"/>dem Jubiläum<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2107"/> an diesem Werke voll<pb/>bracht, – eine Leistung wahrhaft jugendlicher Kraft und schöpferischer Energie! Wahrlich, wenn einmal ein Philologe versuchen sollte, die Reihenfolge dieser neun Bände nach ihrer Conception und ihrer Darstellung zu construiren, – er würde mit seiner Kunst scheitern; dieser <name>Hegel</name>band lässt nicht ahnen, dass 40 Jahre dahingegangen sind, seit ihr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2108"/>„<name>Kant</name>“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2108"/> zum ersten Male erschien, – fast fünfzig Jahre, seitdem das Werk mit dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2109"/>„<name>Descartes</name>“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2109"/> begann. Welch ein halbes Jahrhundert voll von edelster Arbeit und segenreichstem Erfolge! Sie sind darum zu beneiden und wir sind es nicht minder, die den Ertrag geniessen dürfen. Ihr „<name>Hegel</name>“ erfüllt alle Hoffnungen, die ich in ihn gesetzt habe: wenn <pb/> unsre Zeit noch irgendwie für das Wahre zu packen ist, so wird sie aus diesem Buche sich selbst verstehen lernen und den philosophischen Grundzug der Entwicklung, den sie nur in beschränkter und verschobener Form kannte, in seinem wahren Wesen begreifen. In diesem Buche steckt nicht der Versuch, nein die Kraft <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2110"/>„den Leser zum Verständnis zu zwingen“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2110"/>.</p><p>Für mich war dieses grosse wissenschaftliche Ereignis ausserdem noch ein Trost, eine wahre Erhebung aus dem Unmuth und dem Verdruss, den die traurigen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2111"/>Vorgänge an unserer Universität<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2111"/> während der letzten Zeit gebracht haben, aus den Sorgen um die Zukunft der deutschen Wissenschaft, die mich erfüllen, – eine Rettung aus dem Zeitlichen in das Bleibende und Echte. Gern hätte ich Ihnen <pb/> gleich geschrieben, nachdem ich am ersten Abende nach meiner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2112"/>Rückkehr aus Baden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2112"/>, am <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2113"/>Montag<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2113"/>, das Schlussheft vorgefunden und verschlungen hatte: aber die erste Semesterwoche stellte ihre gebieterischen Anforderungen. Genehmigen <abbr>Ew.</abbr> Excellenz deshalb auch jetzt den nochmaligen Ausdruck des Danks und der tiefen Verehrung, mit der ich – unter der Bitte, mich <abbr>Ew.</abbr> Excellenz hochverehrter Frau Gemahlin gehorsamst empfehlen zu dürfen getreulich verbleibe Ihr ergebenster</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2105"><lem>Abschluss Ihres „Hegel“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Kuno Fischer</name> vom 17.6.1900</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2106"><lem>Monumentum aere perennius</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Fischer</name> vom 17.6.1900</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2107"><lem>dem Jubiläum</lem><note>von Fischers Geschichte der neuern Philosophie, 1851<abbr>ff.</abbr></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2108"><lem>„<name>Kant</name>“</lem><note>als <abbr>Bd.</abbr> 3</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2109"><lem>„<name>Descartes</name>“</lem><note>als <abbr>Bd.</abbr> 1</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2110"><lem>„den Leser zum Verständnis zu zwingen“</lem><note>Zitat nach Hegel: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, Teil 4.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2111"><lem>Vorgänge an unserer Universität</lem><note>Anspielung auf den Fall <name>Spahn</name>, <abbr>vgl.</abbr><persName type="sent"> Windelband</persName> an <name>Kuno Fischer</name> vom <date>15.7.1902.</date></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2112"><lem>Rückkehr aus Baden</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Eduard Schär</name> vom 22.10.1901</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2113"><lem>Montag</lem><note>den 27.10.1901 (der 2.11.1901 war ein Sonntag)</note></app></listApp></back></text></TEI>