<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000317-9</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>25.7.1900</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>,<bibl type="pubPlace"> UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_30</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0317" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000317-9"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1900-07-25">25.7.1900</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/119034638">Bernhard Naunyn</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118782819">Fritz Medicus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118710532">Paul Hensel</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>25.7.1900</date>, <note>4 S., hs. 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Die Sache liegt so: ich stoße in der nächsten Zeit den Abschluß der 2. <abbr>Aufl.</abbr> der „Gesch<add>[ichte]</add> d<add>[er]</add> Ph<add>[ilosophie]</add>“ (bei Siebeck) und einige <pb/> leider übernommene Kleinigkeiten ab; dann gehe ich im October an <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2009"/>den Comte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2009"/> und hoffe ihn spätestens mit dem Wintersemester abzuschließen. Und dann soll es mit Volldampf an die Logik gehen: Reine Logik und Methodologie lassen sich wohl neben der Vorlesung druckfertig machen, schwerer ist es zu sagen, welche Arbeit noch die Erkenntnißtheorie verlangen wird, mit deren Gestaltung ich auch in diesem Semester noch nicht so recht zufrieden bin.</p><p>Das wäre nun Alles nicht so schlimm; das größte Bedenken macht mir – unter uns – eine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2010"/>betrübende Erfahrung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2010"/>, die ich in diesem Sommer gemacht habe: die Abnahme meiner Leistungsfähig<pb/>keit. Es ist mir doch nicht gelungen, den Abschluß der Gesch<add>[ichte]</add> d<add>[er]</add> Ph<add>[ilosophie]</add> zu erzielen; freilich hatte ich auch sehr mit Vorlesungen zu tun, über die ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2011"/>denn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2011"/> auch manche Freude gehabt habe, und freilich ist für die letzten Wochen die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2012"/>blödsinnige Hitze<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2012"/> ein tragfähiger Sündenbock: aber ich fühle doch, daß ich eher und mehr als sonst ermüde, und das macht mich besonders zaghaft im Versprechen und Terminbestimmen. ich kann <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2013"/>also<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2013"/> nur sagen, daß ich vom Frühjahr an mit aller verfügbaren Energie an die Logik gehen werde und daß ich dann hoffe, sie zum Herbst 1902 im Druck fertig zu haben. Aber mehr als diese Hoffnung kann ich gerade aus der Rücksicht auf meine Arbeitskraft, die mich im Semester ziemlich im Stich zu lassen <pb/> scheint, nicht mit Bestimmtheit versprechen.</p><p>Indessen meine ich, daß Sie deshalb unbesorgt die Sache für <name>Hensel</name> annehmen können, der ja wohl das <abbr>Ms.</abbr> erst in drei Jahren haben will. Wäre es nicht im Interesse der Sache, wenn Sie die Logik von Ihrer Auffassung aus in der Zeit nach dem hoffentlich baldigen Abschluß Ihrer <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2014"/>„Grenzen“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2014"/> zunächst ganz unabhängig entwürfen und ausführten, um dann vielleicht erst später Sich an der einen oder der andern Stelle mit mir auseinanderzusetzen? Sehen Sie doch einmal die Sache von dieser Seite an!</p><p>Hoffentlich sieht man sich in den Ferien einmal: Inzwischen mit den besten Wünschen und herzlichem Gruß von Haus zu Haus der Ihrige</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2007"><lem>Abschluß meiner Logik</lem><note>eine lang geplante Monographie Windelbands zur Logik ist nie erschienen.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2008"><lem>von ihm für die „Logik“ gewinnen</lem><note>eine Enzyklopädie der Philosophie (<abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Rickert</name> vom 17.3.1901) als Vorhaben <name>Paul Hensel</name>s ist nicht zustande gekommen. <name>Rickert</name> hat keinen Beitrag über Logik in einer von <name>Hensel</name> verantworteten Reihe geliefert. <abbr>U. U.</abbr> ist das Vorhaben später in die Hände von <name>Fritz Medicus</name> übergegangen, falls es sich bei der von ihm <abbr>hg.</abbr> Reihe mit gleichem Titel nicht um ein davon unabhängiges Vorhaben handelt. <abbr>Vgl.</abbr> Windelband: Einleitung in die Philosophie. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1914 (Grundriss der philosophischen Wissenschaften. In Verbindung mit Karl Joël, Erich Kaufmann, Eugen Kühnemann, Heinrich Maier, Adolfo Ravà, Heinrich Rickert, Wilhelm Windelband und anderen Fachgenossen <abbr>hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Fritz Medicus). Ohne Bandzählung, erschien als erster in der Reihe. Eine vertraglich vereinbarte </note><rdg>Wissenschaftslehre</rdg><note> hat <name>Rickert</name> für den Grundriss von <name>Medicus</name> nicht abgeliefert (<abbr>vgl.</abbr> den Vertrag vom 15.1.1910 im Verlagsarchiv Mohr/Siebeck, Staatsbibliothek Berlin, Nachl. 488, B1, 1, M.10; 445–452).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2009"><lem>den Comte</lem><note>zur Veröffentlichung ist es trotz Ankündigung nie gekommen. <abbr>Vgl.</abbr> die Verlagsankündigungen in: Ferdinand Tönnies: Hobbes. Leben und Lehre, Stuttgart 1896 (Frommanns Klassiker der Philosophie <abbr>Bd.</abbr> 2); Harald Höffding: Sören Kierkegaard als Philosoph, Stuttgart 1896 (Frommanns Klassiker der Philosophie <abbr>Bd.</abbr> 3); Harald Höffding: Rousseau und seine Philosophie, Stuttgart 1897 (Frommanns Klassiker der Philosophie <abbr>Bd.</abbr> 4).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2010"><lem>betrübende Erfahrung</lem><note>Schriftbild signifikant verändert</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2011"><lem>denn</lem><note>kann auch heißen: </note><rdg>dann</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2012"><lem>blödsinnige Hitze</lem><note>ein lebendiges Bild der Straßburger Sommerhitze zeichnen <name>Paul Hensel</name> für die Jahre seit 1888 (Elisabeth Hensel (<abbr>Hg.</abbr>): Paul Hensel. Sein Leben in seinen Briefen. Frankfurt <abbr>a. M.:</abbr> Societäts-<abbr>Vlg.</abbr> 1937 (identisch mit der Titelauflage Wolfenbüttel 1947), <abbr>S.</abbr> 401–402) und <name>Bernhard Naunyn</name> für 1888-1904 in <abbr>ders.</abbr>: Erinnerungen, Gedanken und Meinungen. München: J. F. Bergmann 1925, <abbr>S.</abbr> 479–480.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2013"><lem>also</lem><note>verbessert aus: </note><rdg>Analogie </rdg><note>(!)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2014"><lem>„Grenzen“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Rickert: Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung. Eine logische Einleitung in die historischen Wissenschaften. Tübingen/Leipzig: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1896. Der 2. Teil des Werkes erschien 1902.</note></app></listApp></back></text></TEI>