<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000316-3</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Kuno Fischer</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>17.6.1900</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2618-51_6/0001</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0316" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000316-3"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1900-06-17">17.6.1900</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118547739">Georg Wilhelm Friedrich Hegel</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Kuno Fischer</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>17.6.1900</date>, <note>4 S., hs. 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Immer von Neuem ist es mir dabei deutlich geworden, daß, was wir von wissenschaftlichem Verständniß der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2003"/>Gesammtentwicklung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2003"/> der sog<add>[enannten]</add> Universalgeschichte bis auf den heutigen Tag haben, in seinen begrifflichen Grundzügen und zugleich in der tiefdringenden Zeichnung des Individuellen wie des Zuständlichen – daß das Alles in <name>Hegel</name> schon beschlossen liegt. Den wunderbaren Reiz seiner Ineinanderwebung des Historischen und des Systematischen, worin der Triumph des philosophischen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2004"/>Entwicklungs<pb/>prinzips<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2004"/> liegt, haben Sie in Ihrer Analyse zu geradezu sonnenklarer Erscheinung gebracht. Durch die glücklichste Abstreifung des terminologischen Schematismus werden die Grundlinien der sachlich umfassenden Lehre so sicher und deutlich gezeichnet, daß man von dem Hefte in der Stimmung Abschied nimmt, worin man von dem überwältigenden Ausblick auf einen Alpengipfel scheidet. Und dabei mischen Sie in den Sonnenglanz auch die nötigen Schatten: sehr wertvoll war mir zu lesen, daß auch Ihnen <name>Hegel</name>ʼs eigenste aesthetische Leistung, seine Lehre <pb/> vom Humor nicht fertig und deutlich genug herausgearbeitet erscheint; auch ich habe gerade an dieser Stelle immer das abschließende Wort vermißt.</p><p>Nochmals also meinen innigen Dank für diesen Genuß. Es fehlt nun, soweit ich sehe, nur noch der letzte Meißelschlag zur Vollendung des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2005"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2006"/>monumentum aere perennius<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2005"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2006"/>, das Sie der großen Zeit der modernen Philosophie gesetzt haben: möge Ihnen dazu Kraft und Stimmung beschieden sein wie bisher!</p><p>Mit dem Ausdruck herzlicher Verehrung bin ich Euer Excellenz treu ergebenster</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2002"><lem>Ihres „Hegel“</lem><note>als <abbr>Bd.</abbr> 8 (in 2 Teilbänden) der Jubiläumsausgabe von Kuno Fischer: Geschichte der neuern Philosophie. Heidelberg: C. Winter 1901. Erschien offenbar in Lieferungen.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2003"><lem>Gesammtentwicklung</lem><rdg>Gesammtentwicklug</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2004"><lem>Entwicklungs<pb/>prinzips</lem><rdg>Entwicklungsprinips</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2005"><lem>monumentum aere perennius</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2006"><lem>monumentum aere perennius</lem><note><abbr>lat.</abbr> ein Denkmal dauernder als Erz; geflügeltes Wort nach den Oden des Horaz (Büchmann).</note></app></listApp></back></text></TEI>