<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000315-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Ulrich Stutz</persName> und <persName type="received">Elly Stutz, geb. Windelband</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>16.6.1900</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UA Zürich, PA 018</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0315" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000315-7"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1900-06-16">16.6.1900</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/1080249184">Elly Stutz, geb. Windelband</persName><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118757652">Ulrich Stutz</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116733330">Alexander Wilhelm Goette</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1183730527">Arthur Goette</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116804025">Dora Friedrich</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/174170394">Ernst Goette</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118790951">Erwin Rohde</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11733569X">Fritz Wichgraf</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118658085">Georg von Below</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1051475937">Johann Jacob Weber</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11696250X">Karl Johannes Neumann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118569015">Karl Lamprecht</name><name>Martin Wichgraf</name><name>Meta Windelband</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117122025">Otto Wallach</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118568442">Paul Laband</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118757652">Ulrich Stutz</name></note><note type="repository">Universitätsarchiv Zürich</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Ulrich Stutz</persName> und <persName type="received">Elly Stutz, geb. Windelband</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>16.6.1900</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UA Zürich, PA 018</bibl></head></front><body><dateline>Strassburg <abbr>iE.</abbr> 16/6 00</dateline><salute>Lieber Ulrich, liebe Elly,</salute><p>Herzlichen Dank zunächst für die treffliche „Raubthiervergnügung“, die ich sehr gelungen finde und über die auch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1984"/><name>Arthur Goette</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1984"/> eben seine helle Freude gehabt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1985"/>hat. Ich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1985"/> war schon von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1986"/><name>K. J. Neumann</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1986"/> auf diese <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1987"/>„glänzendste litterarische Abschlachtung der letzten Jahre“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1987"/> aufmerksam gemacht worden, und der wunderliche Sinn eines hiesigen Buchhändlers hatte ahnungsvoll dieses Monstrum von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1988"/>Ausstattungsbuch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1988"/> unter den Ansichtssachen für das philosophische Seminar geliefert!! ich kann also die vorzügliche Wendung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1989"/>deines Schlußsatzes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1989"/> ganz voll aus eigner Anschauung genießen; außerdem hatte ich etwas in den <pb/> stolzen Blättern geblättert, und die anfängliche Freude, einen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1990"/>Anti-<name>Lamprecht</name>ianer<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1990"/> zu finden, ging schnell in die Betrübniß über, daß ein solches Gefasel das beste Wasser auf die Mühle dieses Gegners ist. Hoffen wir, daß die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1991"/>„Illustrierte“ ihren schönen Satz<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1991"/> nicht mehr auf die Fortsetzung zu verschwenden Gelegenheit findet. –</p><p>Morgen geht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1992"/>Purzel<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1992"/> nach <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1993"/>Wasselnheim<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1993"/>, vielleicht kommt mit ihm am nachmittag <name>Meta</name> nach Haus. Dabei haben wir nun die Möglichkeit ins Auge gefaßt, daß, wenn es Euch paßte, das Pärchen am nächsten Sonnabend zu Euch käme und <name>Meta</name> dann die Woche bei Euch bliebe. In der ersten Julihälfte wäre das nicht gut möglich, weil dann <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1994"/><name>Ernst Goette</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1994"/><name/> hier sein wird. Paßt es Euch also besser, so wartet Meta mit ihrem Besuch bis etwa Mitte Juli, da mögt Ihr ganz nach Eurem Wunsch entscheiden.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1995"/>Nach Baden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1995"/> komme ich ganz bestimmt. Es ist am 1. Juli. Aber ich kann noch nicht ganz sicher sagen, ob meine ursprüngliche Absicht, schon am Sonnabend zuvor hinzureisen, in Ausführung kommt. Geht es nicht, so bitte ich Dich aber, l<add>[ieber]</add> <name>Ulrich</name>, herüberzukommen, hier zu schlafen, und mit mir zu fahren. Ein Vermittlungsvorschlag wäre vielleicht, daß wir am Sonnabend Nachm<add>[ittag]</add> um 4 Uhr <abbr>bzw.</abbr> ½ 4 Uhr fahren. Wir hätten dann den Nachmittag und könnten am Sonntag vor dem Frühschoppen baden.</p><p>An dem Sonnabend den 30 haben wir nämlich Dienstmädchenwechsel, und es ist vielleicht gut, wenn ich hier bin, wir haben heut eine Köchin gemiethet, die frisch und kräftig aussieht, eine Hanauerin Namens – <name>Dora Friedrich</name>; wir werden sie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1996"/>Frida nennen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1996"/>. Augenblicklich ist, nachdem der Eifersuchtszorn verrauscht, bei uns wieder so tiefer Friede, daß es (nach <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1997"/>Frau Grapp<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1997"/>) Mama nur ein Wort gekostet hätte, und Babette wäre geblieben, obwol sie schon einen neuen, verlockenden Dienst angenommen hat.</p><p>Anbei eine Karte <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1998"/>(mit der Bitte, sie zu zerreißen)<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1998"/> von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1999"/>Onkel Martin<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1999"/>, wonach es in W. sehr ernst zu stehen scheint. Es ist unsäglich traurig. – Die Euch vorenthaltenen Afrikabriefe schickt Mama, sobald sie von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2000"/>Frau Horn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2000"/> zurückkommen.</p><p>Mit herzlichstem Gruß von Haus zu Haus Euer</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2001"/>P.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2001"/></signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1984"><lem><name>Arthur Goette</name></lem><note>1874–1925, künftiger Ehemann (1902) von <name>Meta Windelband</name>, Lehrer in Berlin. Sohn von Windelbands Straßburger Kollegen, des Zoologen <name>Alexander Wilhelm Goette</name> (1840–1922; <ref type="link">www.geni.com</ref>; <abbr>NDB</abbr>). <abbr>Vgl.</abbr> <abbr>ADBR</abbr> Strasbourg, 13 AL 2481, Wissenschaftliche Prüfungscommission: Prüfung von <name>Arthur Goette</name> am 13.12.1899 für Deutsch, Geschichte, Philosophische Propädeutik und evangelische Religion. Der Vorsitzende Windelband ließ sich (wegen Befangenheit?) vertreten.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1985"><lem>hat. Ich</lem><rdg>hat ich</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1986"><lem><name>K. J. Neumann</name></lem><note><name>Karl Johannes Neumann</name> (1857–1917), Althistoriker, seit 1890 <abbr>Prof.</abbr> in Straßburg (<abbr>DBE</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1987"><lem>„glänzendste litterarische Abschlachtung der letzten Jahre“</lem><note>im Kontext der Polemik gegen <name>Karl Lamprecht</name> von <name>Georg von Below</name>: Die neue historische Methode. In: Historische Zeitschrift 81 (1898), <abbr>S.</abbr> 193–273, auch separat: München/Leipzig: R. Oldenbourg 1898. Lamprecht konterte: Die historische Methode des Herrn von Below. Eine Kritik. Berlin: R. Gaertner/Hermann Heyfelder 1899. Außerdem erschien von Lamprecht: Die kulturhistorische Methode. Berlin: R. Gaertner 1900. Der um Lamprecht tobende Methodenstreit der Historiker hatte sich an dessen mehrbändiger Deutscher Geschichte entzündet. Windelbands Straßburger Kollege <name>Paul Laband</name> gratulierte <name>Below</name> mit den Worten: </note><rdg>Ich habe mit großem Vergnügen die kritische Abschlachtung Lamprechts gelesen, er hat sie wohl verdient! Auch auf dem Gebiete der Rechtswissenschaft würden Exekutionen von dieser Art von Nutzen sein; ich könnte Ihnen die literarischen Sträflinge nennen</rdg><note> (<abbr>vgl.</abbr> Georg von Below. Ein Lebensbild für seine Freunde von Minnie von Below. Stuttgart: Kohlhammer 1930, <abbr>S.</abbr> 75).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1988"><lem>Ausstattungsbuch</lem><note>meint vermutlich <name>Lamprechts</name> mehrbändige Deutsche Geschichte.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1989"><lem>deines Schlußsatzes</lem><note>nicht ermittelt, vermutlich eines Schreibens Stutz an Windelband.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1990"><lem>Anti-<name>Lamprecht</name>ianer</lem><note>es bleibt unklar, ob hier ebenfalls <name>Georg von Below</name> gemeint ist.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1991"><lem>„Illustrierte“ ihren schönen Satz</lem><note>nicht aufgelöst. Weder die Werke <name>Lamprecht</name>s noch die <name>von Below</name>s erschienen im Leipziger Verlag u. Druckhaus <name>Johann Jacob Weber</name>s, der die Illustrierte Zeitung produzierte, falls dies gemeint sein sollte. Beiträge der Genannten in der Illustrierten Zeitung sind nicht nachgewiesen.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1992"><lem>Purzel</lem><note>nicht ermittelt. Lesung unsicher, womöglich Kosename einer der beiden Söhne (Sigfrid, Wolfgang) Windelbands.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1993"><lem>Wasselnheim</lem><note>Wasselone, im Elsaß.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1994"><lem><name>Ernst Goette</name></lem><note>1869–1945, ein Bruder <name>Arthur Goette</name>s (<ref type="link">www.geni.com</ref>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1995"><lem>Nach Baden</lem><note>Baden-Baden; zur Zusammenkunft der oberrheinischen Universitäten, <abbr>vgl.</abbr> <name>Erwin Rohde</name> an Windelband vom 18.5.1894.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1996"><lem>Frida nennen</lem><note>wegen ihres gleichen Vornamens wie Windelbands Tochter</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1997"><lem>Frau Grapp</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1998"><lem>(mit der Bitte, sie zu zerreißen)</lem><note>auf den Rand geschrieben</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1999"><lem>Onkel Martin</lem><note>gemeint ist wahrscheinlich <name>Martin Wichgraf</name> (1850–1924/25), der Zwillingsbruder Martha Windelbands, Regierungsrat, 1890–1920 Mitglied der Königlichen Eisenbahndirektion Berlin, <abbr>vgl.</abbr> <ref type="link">https://www.janecke.name/gaeste/wichgraf-in-potsdam </ref>(28.2.2018). Kontext der Anspielungen nicht näher ermittelt: W. = Windhuk, Namibia?  – dann wäre der Kontext u. U. einer der Übergriffe der deutschen Kolonialbesatzung gegen die einheimische Bevölkerung? <name>Otto Wallach</name> berichtet in seinen Lebenserinnerungen, daß der Bruder Martins und Marthas, <name>Fritz Wichgraf</name> (1853–1939), Maler, </note><rdg>bis zum Burenkrieg</rdg><note> (Erster Burenkrieg 1880–1881 oder Zweiter Burenkrieg 1899–1902) in Südafrika gelebt habe (Otto Wallach 1847–1931 Chemiker und Nobelpreisträger. Lebenserinnerungen: Potsdam, Berlin, Bonn, Göttingen. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> G. Beer <abbr>u.</abbr> H. Remane. Berlin: Verlag für Wissenschafts- und Regionalgeschichte Engel 2000, <abbr>S.</abbr> 35). Für <name>Fritz Wichgraf</name> findet sich jedenfalls von 1895–99 kein Eintrag in den Berliner Adreßbüchern; von ihm ein häufig reproduziertes patriotisches Gemälde: </note><rdg>Präsident Krüger empfängt im Ausführenden Rat eine Buren-Deputation</rdg><note> (1899, <abbr>vgl.</abbr> Hugh Solomon Pictorial Africana Collection der Bibliothek der Stellenbosch University Südafrika, <ref type="link">https://digital.lib.sun.ac.za/handle/10019.2/4381</ref>). <name>Fritz Wichgraf</name> war außerdem Amateur-Entomologe, von ihm erschien 1907–08 die Artikelserie: Entomologische Erinnerungen aus Südafrika. In: Entomologische Zeitschrift 21 (1907/08), S. 126–127, <abbr>S.</abbr> 132–133, <abbr>S.</abbr> 221–222 (<abbr>Nr.</abbr> 37 vom 11.1.1908), <abbr>S.</abbr> 225–226 (<abbr>Nr.</abbr> 38 vom 18.1.1908), <abbr>S.</abbr> 235–236 (<abbr>Nr.</abbr> 40 vom 1.2.1908), <abbr>S.</abbr> 242 <abbr>u.</abbr> 245–246 (<abbr>Nr.</abbr> 42 vom 15.2.1908), S. 251–252 (Volltext: <ref type="link">https://www.zobodat.at</ref>), derzufolge Übersiedelung </note><rdg>vor einer Reihe von Jahren aus gesundheitlichen Gründen</rdg><note> von Berlin über Lissabon, Las Palmas, Kongo-Mündung nach Durban, Pretoria, Johannesburg. Mehrjähriger Aufenthalt in Transvaal, mehrere Reisen durch andere südafrikanische Gebiete (nicht näher angegeben): </note><rdg>Ein Jahr nach unserer Rückkehr nach Johannesburg brach der Krieg mit England aus.</rdg><note> Anfang Mai (1906/07?): </note><rdg>An dem Tage brach zum erstenmal die Dysenterie [Ruhr] bei mir aus, die mich hart am Rande des Grabes vorbeiführte und nach einem halben Jahre als Rekonvaleszent die heimatlichen gesünderen Zonen wieder aufsuchen liess.</rdg><note> 1907 wieder in Berlin.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2000"><lem>Frau Horn</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2001"><lem>P.</lem><note>steht für: Papa</note></app></listApp></back></text></TEI>