<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000310-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Ulrich Stutz</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>14.1.1900</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UA Zürich, PA 018</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0310" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000310-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1900-01-14">14.1.1900</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118757652">Ulrich Stutz</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/119555883">Alfred Dove</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1183730527">Arthur Goette</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1235926583">August Wichgraf</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117350699">Conrad Varrentrapp</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/101152159">Hans Hoffmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116487380">Harry Bresslau</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11733829X">Hermann Siebeck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/128340975">Irmgard Stutz</name><name>Meta Windelband</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118594893">Platon</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118682555">Rudolf Eucken</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118757652">Ulrich Stutz</name></note><note type="repository">Universitätsarchiv Zürich</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Ulrich Stutz</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>14.1.1900</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UA Zürich, PA 018</bibl></head></front><body><dateline>Strassburg, 14.1.00</dateline><salute>Mein lieber Ulrich,</salute><p>Da stecken wir nun wieder mitten im Semester, und ich bin die ganze Woche nicht dazu gekommen, Dir zu schreiben. Nun aber zunächst herzlichen Dank für Deine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1949"/>„Lehen und Pfründe“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1949"/>: es hat mich weit über das persönliche Interesse hinaus gefesselt und befriedigt. Ein großer wissenschaftlicher <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1950"/>Lebensplan<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1950"/> tritt hervor, getragen von echter theoretischer Leidenschaft; und ich glaube gern, daß das im persönlichen Vortrag sich noch eindrucksvoller und unmittelbarer hat mitfühlen lassen. Was sodann die besondre Untersuchung anlangt, so stellt sie sich dem Laiengemüth in Deiner klaren und durchsichtigen Darstellung als sehr einleuchtend und concludent vor den Augen; ihre Tragweite frei<pb/>lich und ihre Zusammenhänge mit andern rechtshistorischen Problemen läßt sich für unser Einen dabei nur unbestimmt ahnen. Und leider habe ich jetzt, da <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1951"/><name>Bresslau</name> verreist ist, hier keine Quelle, aus der ich darüber nähere Belehrung schöpfen könnte. <name>Varrentrapp</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1951"/> sprach sich natürlich äußerst liebenswürdig, aber doch so aus, daß ich merkte, die Details lagen für den Gegenstand auch ihm nicht sehr nahe. Jedenfalls gratulire ich Dir herzlich zu dem schönen Erfolge und freue mich seiner mit. Was wird denn nun aus der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1952"/>Ausgabe bei <name>Siebeck</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1952"/>? Du scheinst ja von diesen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1953"/>Separatbögen aus der „Allg.“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1953"/> ziemlich umfangreich verschickt zu haben: kommt die Sache <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1954"/>dort ausführlicher, mit Apparat?<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1954"/> <pb/></p><p>Besten Dank auch für die Zustellung des Blatts mit der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1955"/>Besprechung meines <name>Platon</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1955"/>: sie hat besonderen Wert, weil sie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1956"/>von <name>Eucken</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1956"/><name/> <abbr>d. h.</abbr> wohl von dem berufensten aller Kritiker in diesem Falle, herrührt, darf ich das Exemplar behalten? ich schickte es gern dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1957"/>Großpapa<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1957"/>, der an so Etwas Freude hat.</p><p>Was macht Deine Rippe? heilt sie brav weiter? ich hoffe es, damit Du an dem, wie es scheint, neu beginnenden Schlittschuhvergnügen wieder teilhaben kannst: bei uns ist der erste See in der Orangerie schon wieder zugefroren. Von uns ist nichts zu melden, als daß wir alle in dem normalen Lebenslauf normal begriffen sind: für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1958"/>Arthur<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1958"/> besteht er in den wöchentlich acht, bald eilf Stunden, die er schon im Lyceum giebt. <pb/></p><p>Ueber <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1959"/><name>Meta</name>’s Reise<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1959"/> ist noch immer nichts bestimmt; ich wünschte, die Entscheidung käme, so oder so, nun bald; denn die Ungewißheit macht sie noch am meisten nervös. Was sagt man denn jetzt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1960"/>bei Kriens<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1960"/>; nachdem der Brief mit den unsäglich traurigen Nachrichten auch zu ihrer Kenntniß gelangt ist? ich habe danach, obwol man sich in Grunewald ohne Meta nötigenfalls behelfen wollte, doch im Interesse einer genügend langen Anwesenheit von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1961"/><abbr>Frl.</abbr> Else in Wernigerode<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1961"/> meinerseits Meta’s Reise doch zur Verfügung gestellt, und wir warten nun wieder. Peinlich ist es, weil wir nun mit Rücksicht darauf alle großen Gesellschaften absagen und sie noch immer hier ist.</p><p>Heut Abend haben wir Studenten bei uns; eben wird Eure weihnachtliche Käseplatte zur Einweihung hergerichtet! Das ganze Haus grüßt herzlich und erhofft bald wieder recht gute Nachrichten insbesondre auch von unserm lieben <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1962"/>Irmele<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1962"/>! Grüße <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1963"/>Weib<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1963"/> und Kind und behaltet lieb Euren</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1964"/>P.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1964"/></signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1949"><lem>„Lehen und Pfründe“</lem><note>Titel des Abdrucks einer Rede von <name>Ulrich Stutz</name> in der Beilage zur Allgemeinen Zeitung München vom 27. <abbr>u.</abbr> 28.12.1899. Auch separat erschienen, <abbr>s. u.</abbr></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1950"><lem>Lebensplan</lem><note><abbr>vgl.</abbr> fast gleichlautend <name>Alfred Dove</name> an <name>Stutz</name> <abbr>v.</abbr> 1.11.1899: </note><rdg>Sie haben vor sich einen weiten und hohen Weg. Es hat mich neulich ergriffen, wie Sie […] Ihre wissenschaftliche Gesamtabsicht darlegten – sachlich einleuchtend, daß die Verbindung von deutschem und Kirchenrecht eine Fülle neuer Tatsachen von großem Zusammenhang ans Licht bringen wird; persönlich beneidenswert: da ist mal wieder, sagte ich mir, ein Mensch mit einem geistigen Lebensplan</rdg><note> (zitiert in Alexander Hollerbach: Jurisprudenz in Freiburg. Beiträge zur Geschichte der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität. Tübingen: Mohr Siebeck 2007, S. 177).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1951"><lem>Bresslau … Varrentrapp</lem><note> <name>Harry Bresslau</name> und <name>Conrad Varrentrapp</name>, Windelbands Straßburger Historikerkollegen.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1952"><lem>Ausgabe bei <name>Siebeck</name></lem><note>die Rede erschien nicht im Verlag Mohr (Siebeck)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1953"><lem>Separatbögen aus der „Allg.“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Ulrich Stutz: Lehen und Pfründe. Eine akademische Rede. München: Buchdruckerei der Allgemeinen Zeitung 1899.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1954"><lem>dort ausführlicher, mit Apparat?</lem><note>unter dem selben Titel Lehen und Pfründe erschien von <name>Stutz</name> ein Aufsatz in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung 20 (1899), <abbr>S.</abbr> 213–247.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1955"><lem>Besprechung meines <name>Platon</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelbands Platon. In: Beilage zur Allgemeinen Zeitung München, <abbr>Nr.</abbr> 6 vom 9.1.1900, <abbr>S.</abbr> 7–8, gezeichnet mit </note><rdg>n.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1956"><lem>von <name>Eucken</name></lem><note>Autorschaft <name>Rudolf Eucken</name>s nur hier nachgewiesen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1957"><lem>Großpapa</lem><note>vermutlich gemeint: der Schwiegervater <name>August Wichgraf</name> (1811–1901).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1958"><lem>Arthur</lem><note><name>Arthur Goette</name>, Schwiegersohn Windelbands</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1959"><lem><name>Meta</name>’s Reise</lem><note>im Zusammenhang einer schweren Erkrankung <name>Arthur Goette</name>s, <abbr>vgl.</abbr> Windelband an Karl Dilthey vom 30.12.1904.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1960"><lem>bei Kriens</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1961"><lem><abbr>Frl.</abbr> Else in Wernigerode</lem><note>nicht ermittelt. Wernigerode war der Wohnsitz von Windelbands Schwager <name>Hans Hoffmann</name>, <abbr>vgl.</abbr> Korrespondentenverzeichnis.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1962"><lem>Irmele</lem><note><name>Irmgard Stutz</name>, <abbr>geb.</abbr> 6.6.1899 (Wer ist’s 1912, <abbr>S.</abbr> 1597).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1963"><lem>Weib</lem><note>Elly, <abbr>geb.</abbr> Windelband</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1964"><lem>P.</lem><note>steht für „Papa“</note></app></listApp></back></text></TEI>