<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000241-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Leo Koenigsberger</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>7.12.1895</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, acc. Darmst. 1922.87</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0241" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000241-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1895-12-07">7.12.1895</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116293802">Leo Koenigsberger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11855008X">Heinrich Hertz</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11854893X">Hermann Helmholtz</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116293802">Leo Koenigsberger</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11851136X">Otto von Bismarck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116875356">Werner von Melle</name></note><note type="repository">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1599"/><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Leo Koenigsberger</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>7.12.1895</date><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1599"/>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, acc. Darmst. 1922.87</bibl></head></front><body><dateline>Strassburg <abbr>iE.</abbr> 7.12.95</dateline><salute>Sehr verehrte Magnificenz,</salute><p>Herzlich dankbar bin ich Ihnen dafür, daß Sie meiner so gütig <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1600"/>weiter gedenken<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1600"/> und mir des zum Zeichen Ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1601"/>Abhandlung über <name>Helmholtz</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1601"/><name/> zum wertvollen Geschenk gemacht haben. Sie trifft mich gerade rechtzeitig zu wesentlicher Unterstützung bei meinem Studium der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1602"/><name>Hertz</name>’schen Mechanik<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1602"/>, das Sie mir <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1603"/>in Hamburg<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1603"/> anempfahlen, zu dem ich leider erst jetzt gekommen bin und bei dem mir doch manchmal die mathematische physikalische Puste ausgeht. Und dabei bin ich auf das äusserste interessiert dabei: denn den Logiker und Erkenntnistheoretiker geht auf das <pb/> allertiefste gerade die Schlußfrage an, welche in dem Titel von der – leider! – nicht mehr ausgeführten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1604"/>Rede von <name>Helmholtz</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1604"/> angedeutet ist. Es vollzieht sich offenbar etwas Aehnliches – aber ich spreche natürlich nur von der logischen Analogie! – wie vor 100 Jahren durch <name>Kant</name>’s dynamische Naturlehre: die Auflösung der Substanzen in Functionen und Bewegungen! Aber <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1605"/>welchein<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1605"/> Unterschied, wenn man die Argumente jenes Dynamismus mit dem Apparat der heutigen Mechanik vergleicht! Gerade Ihre Uebersicht über die gewaltige Reihe der <name>Helmholtz</name>schen Untersuchungen bringt mir das <pb/> zum lebendigen Bewusstsein, zugleich aber auch die beschämende Frage, ob es gelingen kann, durch diese gehäuftesten Schwierigkeiten hindurch den Weg zu ihrer philosophischen Verarbeitung zu finden. So wenig ich das hoffen kann, so herzlich dankbar bin ich Ihnen dafür, daß Sie mir mit so glücklich formulirtem Material und so lebhaftem Stachel eine Anregung von großer Energie gegeben haben.</p><p>Es ist mir noch immer schmerzlich, daß mir die Freude, Sie wiederzusehen, im Sommer durch mein thörichtes Knieleiden versagt wurde, das sich übrigens zu einer achtbaren Venen-Entzündung, welch mir viel Zeit raubte, <pb/> hinterher ausgewachsen hat. Hoffentlich erfreuen Sie Sich des besten Wohlergehens! Mit dem herzlichen Wunsche dazu bin ich Ihr verehrungsvoll ergebner</p><signed>Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1600"><lem>weiter gedenken</lem><note>Windelband und <name>Koenigsberger</name> hatten sich am 1.4.1895 bei der Feier zu <name>Bismarck</name>s 80. Geburtstag in Friedrichsruh kennengelernt. Windelband war in seiner Funktion als Rektor der Universität Straßburg, <name>Koenigsberger</name> als Rektor der Universität Heidelberg zur Feier geladen, <abbr>vgl.</abbr> Windelband: Jahresbericht. Erstattet von dem Prorector. In: Das Stiftungsfest der Kaiser-Wilhelms-Universität Strassburg am 1. Mai 1895. Strassburg: J. H. E. Heitz (Heitz &amp; Mündel) 1895, <abbr>S. </abbr>17; Koenigsberger: Mein Leben. Heidelberg: C. Winter 1919, <abbr>S. </abbr>192.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1601"><lem>Abhandlung über <name>Helmholtz</name></lem><note><abbr>vgl</abbr>. Leo Koenigsberger: Hermann von Helmholtz’s Untersuchungen über die Grundlagen der Mathematik und Mechanik. Rede zum Geburtsfeste des höchstseligen Grossherzogs Karl Friedrich und zur akademischen Preivertheilung am 22. November 1895 von Leo Koenigsberger, d. z. Prorektor der Grossh. Bad. Universität Heidelberg. Heidelberg: Hörning 1895.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1602"><lem><name>Hertz</name>’schen Mechanik</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Heinrich Hertz: Prinzipien der Mechanik. Leipzig 1895 (Gesammelte Schriften <abbr>Bd.</abbr> 3).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1603"><lem>in Hamburg</lem><note>Anlaß nicht ermittelt, womöglich im Zusammenhang des Hamburger Allgemeinen Vorlesungswesens, <abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Werner von Melle</name> vom 8.6.1908.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1604"><lem>Rede von <name>Helmholtz</name></lem><note>gemeint ist vermutlich der von <name>Koenigsberger</name> auf <abbr>S.</abbr> 51 seiner Rede erwähnte Vortrag von <name>Helmholtz</name> </note><rdg>Ueber dauernde Bewegungsformen und scheinbare Substanzen</rdg><note> (Wien 1894), </note><rdg>von dem sich im Nachlasse nur wenige Schriftseiten zu der Einleitung vorgefunden haben</rdg><note>.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1605"><lem>welchein</lem><note>so wörtlich</note></app></listApp></back></text></TEI>