<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000238-1</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Harry Bresslau</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>16.7.1895</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, Nachlass Bresslau</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0238" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000238-1"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1895-07-16">16.7.1895</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116487380">Harry Bresslau</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118650130">Aristoteles</name><name>Boetius</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117658847">Charles Jourdain</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118520814">Cicero</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1157685560">Ernst Ludwig Bresslau</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118595873">Porphyrius</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/7586293-1">Rhabanus Maurus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118522477">Victor Cousin</name></note><note type="repository">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Harry Bresslau</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>16.7.1895</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, Nachlass Bresslau</bibl></head></front><body><dateline>Str<add>[aßburg]</add> 16.7.95</dateline><salute>Verehrter Herr College,</salute><p>Soweit ich mir erlauben darf, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1578"/>in der Frage<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1578"/> mitzureden, halte ich auch die Identification von Priora commentaria in perihermeneias II mit Cathegor. periherm. et top. cum Porphyris uno Vol<add>[umen]</add> für ausgeschlossen, da im letzteren <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1579"/>garnicht<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1579"/> die ganzen damals üblichen logischen Schriften erwähnt sind, die Niemand a poteriori mit dem stets in zweiter Stelle stehenden perihermeneias allein bezeichnet haben würde. Aus dem selben Grunde ist sehr unwahrscheinlich die Identität mit (1) Glosse super Porphyr. und (2) Glosse super Porphyr.; dagegen durchaus möglich 3 und 4. Zwischen beiden erschien mir 4 als das wahrscheinlichere, indem editionis primae auf mora bezogen werden könnte, falls man, worüber <pb/> ich aber Nichts weiß, zwei Versionen des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1580"/>Commentars von Boetius<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1580"/> gehabt hat. Daß die Uebersetzung in dem ersten Titel Priora com. etc. nicht erwähnt ist, braucht kaum zu stören, erstens weil sie dem Raum nach sehr geringen Theil bildete, zweitens weil die Kerle mehr Commentare als Originale lasen, drittens weil der Titel einem zweiten: Posteriori com. etc., wenn ich mich recht erinnre, hat entsprechen sollen.</p><p>Herzlichen Dank für die Bücher, – <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1581"/>auch N.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1581"/> war schon so freundlich zu schicken.</p><p>Besten Glückwunsch zum <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1582"/>Examenserfolge Ihres Sohnes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1582"/>!</p><p>Mit collegialischem Gruß Ihr</p><signed>Windelband <pb/></signed><postscript><p><abbr>P. S.</abbr></p><p>Bei Betrachtung der Titel, deren Identität ausgeschlossen erscheint, erwächst eine andre Frage.</p><p>Aus welcher Zeit stammen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1583"/>Ihre Verzeichnisse<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1583"/>? <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1584"/>Nach <name>Jourdain</name> und <name>Cousin</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1584"/> nämlich wird angenommen, daß die Topik des <name>Aristoteles</name> (wie die Analytik) im Abendlande nicht vor 1128 bekannt war. Nun erscheint in allen zwei Titeln die Topik. Merkwürdig ist, daß bei <name>Porphyrius</name> ein Commentar zwar zu de categ. und zu de interpret. (perihermeneias), aber nicht ein solcher über die Topik erwähnt wird. Ebenso giebt es bei <name>Boetius</name> keinen Commentar über die Topik des <name>Aristoteles</name>, wohl aber einen solchen über die Topik des <name>Cicero</name>! Zudem scheint der eine Titel Cathegoria <abbr>etc.</abbr> den Text der Topik anzudeuten; in dem andern Titel müßte dann nach super Porphyrium ein Komma gesetzt werden. Es hat nämlich einen Commentar „super Porphyrium“ gegeben, den <pb/> <name>Cousin</name> veröffentlicht hat, und den man dem <name>Rhabanus Maurus</name> oder einem seiner Schüler zuschreibt. Danach müssen in (1) und (2) in uno vol<add>[umen]</add> diese Schrift und andere logische Werke vereinigt gewesen sein. Deshalb wäre mir interessant, die Zeit der Verzeichnisse zu wissen.</p><signed>W.</signed></postscript></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1578"><lem>in der Frage</lem><note>nicht ermittelt; <abbr>vgl.</abbr> zum Kontext Windelband: Geschichte der Philosophie, 1892, <abbr>S.</abbr> 213: </note><rdg>In den Kloster- und Hofschulen, welche die Stätten dieser neu beginnenden Cultur bildeten, musste Schritt für Schritt neben den für die Ausbildung der Kleriker nöthigsten Künsten die Erlaubniss zur Lehre der Dialectik erobert werden. Für diesen elementar-logischen Unterricht besass man jedoch in den ersten Jahrhunderten des Mittelalters nur die zwei wenigst bedeutenden Schriften des aristotelischen Organon, De categoriis und De interpretatione, in lateinischer Uebersetzung mit der Einleitung des Porphyrios und einer Anzahl von Commentaren der neuplatonischen Zeit, insbesondere denjenigen des Boethius.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1579"><lem>garnicht</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1580"><lem>Commentars von Boetius</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Boethius: Commentarium in Isagoge Porphyrii.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1581"><lem>auch N.</lem><note>Lesung unsicher</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1582"><lem>Examenserfolge Ihres Sohnes</lem><note>vermutlich das Abitur von <name>Ernst Ludwig Bresslau</name> (1877–1935), der 1895 sein Studium der Medizin und Zoologie an der Universität Straßburg aufnahm (<abbr>NDB</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1583"><lem>Ihre Verzeichnisse</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1584"><lem>Nach <name>Jourdain</name> und <name>Cousin</name></lem><note><name>Victor Cousin</name> und <name>Charles Jourdain</name> hatten <abbr>hg.</abbr>: Pertus Abaelardus opera hactenus seorsim edita, Paris 1849–59, enthaltend <abbr>u. a.</abbr> Kommentare zu Porphyrius, Aristoteles, Boethius.</note></app></listApp></back></text></TEI>