<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000225-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Georg Jellinek</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>11.7.1894</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift), Textverluste durch Aktenheftung</note>, <bibl type="pubPlace">Bundesarchiv Koblenz, Nachlass Georg Jellinek, N 1136/32</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0225" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000225-7"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1894-07-11">11.7.1894</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118711989">Georg Jellinek</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/117101281">Camilla Jellinek</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118790951">Erwin Rohde</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118515063">Franz Brentano</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name>Johann Kleemann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118637002">Robert (von) Zimmermann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119035030">Wilhelm von Hartel</name></note><note type="repository">Bundesarchiv Koblenz</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Georg Jellinek</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>11.7.1894</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift), Textverluste durch Aktenheftung</note>, <bibl type="pubPlace">Bundesarchiv Koblenz, Nachlass Georg Jellinek, N 1136/32</bibl></head></front><body><dateline>Strassburg 11/7 94</dateline><salute>Lieber Freund,</salute><p>Vergebens habe ich bisher darauf gehofft, von Dir und Deiner lieben <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1535"/>Frau<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1535"/>, von den weiteren Erfolgen Eurer Ferienreise, die mit dem uns so wertvollen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1536"/>Zusammentreffen in Baden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1536"/> begann, Weiteres zu hören. Die übliche <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1537"/>Badener Zusammenkunft<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1537"/> ist ja leider, weil Rohde bei Euch, wie er schrieb, auf zu geringe Teilnahme stieß, abgesagt worden. Nun wird mir aber die Frage brennend, was bei Euch zu <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1538"/>Kuno’s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1538"/> in 10 Tagen bevorstehendem 70. Geburtstage geschieht. Nach <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1539"/>Besprechungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1539"/>, die im Beginne des Semesters statt<pb/>fanden und über welche ich Dich zunä<add>[chst]</add> Schweigen zu bewahren bitte, würd<add>[en]</add> seine Fachcollegen von hier und von Freiburg bereit sein, persönlich zu erscheinen, sobald eine entsprechende Feier bei Euch abgehalten würde. Unter diesen Umständen bitte ich Dich, da ich die Sache angeregt habe und zu informiren hätte, mir nun baldmöglichst mitzuteilen, wie es damit steht. Sollte man sich bei Euch völlig zurückhalten, so behalten wir uns vor, was zu tun ist; veranstaltet Ihr irge<add>[nd]</add>etwas, woran wir uns beteiligen können, so bin ich und sind, wie ich hoffe, <pb/> auch die anderen nach wie vor gern dabei. Aber wir sollten’s nun recht bald wissen!!</p><p>Hierbei zugleich eine andre Mitteilung: <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1540"/>Wien ist tatsächlich an mich gekommen, und ich habe es abgelehnt.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1540"/> ich war selbst da, drei Tage lang. Welch eine herrliche Stadt, und was für liebenswürdige Menschen! Aber Du wirst begreifen, lieber Freund, daß ich, wie die Sachen einmal liegen, trotz der großen Verlockung, welche sachlich in dieser centralen und weitgreifenden Wirksamkeit lag, und welche mir namentlich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1541"/><name>Zimmermann</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1541"/><name/> als eine Pflicht im Interesse der philosophischen Sache darzulegen wußte, – daß ich trotzdem <pb/> das Wagniß dieser Stellung nur dann hätte unternehmen dürfen, wenn man meiner Familie eine zweifellos völlig gesicherte und ganz gute Stellung hätte gewähren können. Dazu aber schien das Ministerium trotz aller sonstigen Freundlichkeit nicht in der Lage, und so habe ich, ohne erst hier Gegenverhandlungen einzuleiten, als der<add>[en]</add> Erfolg ich doch mein Hierbleiben voraussah, sogleich abgelehnt. Das Nähere mündlich! Vorerst aber bitte ich Dich, dies streng vertraulich zu behandeln und Niemandem zu erzählen. Die Herrn in Wien waren in der Hinsicht der Oeffentlichkeit von begreiflich hoher Nervosität und baten wiederhol<add>[t,]</add> ich möchte es doch nicht in die Zeitungen kommen lassen. Auf die Dauer kann ich das natürlich, sobald es sich hier herumspricht, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1542"/>nicht verhindern<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1542"/>; aber ich tue alles dazu, um dies so lange als möglich aufzuhalten. Du nur sollst es natürlich vorher <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1543"/>wissen, Du wirst es ja bei Dir behalten! – Also <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1544"/>quod Kunonem<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1544"/> hoffe ich auf baldigen Bescheid.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1543"/></p><p>Mit treuem Gruß von Haus zu Haus Dein</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1535"><lem>Frau</lem><note><name>Camilla Jellinek</name></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1536"><lem>Zusammentreffen in Baden</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Jellinek vom 4.2.1894</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1537"><lem>Badener Zusammenkunft</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Erwin Rohde</name> an Windelband vom 18.5.1894</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1538"><lem>Kuno’s</lem><note><name>Kuno Fischer</name></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1539"><lem>Besprechungen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Heinrich Rickert</name> vom 3.5.1894</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1540"><lem>Wien … abgelehnt.</lem><note> als Nachfolger des demissionierten <name>Franz Brentano</name> (<abbr>vgl.</abbr> Hochschul-Nachrichten (Paul von Salvisberg) von Dezember 1894), <abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Wilhelm von Hartel</name> vom 20. <abbr>u.</abbr> 23.6.1894 sowie an Ministerialrat <name>Johann Kleemann</name> vom 21.6.1894. Mitteilung über die Ablehnung des Rufes durch Windelband in: Hochschul-Nachrichten Juli 1894.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1541"><lem><name>Zimmermann</name></lem><note><name>Robert (von) Zimmermann</name> (1824–1898), geadelt 1896, seit 1861 Professor der Philosophie an der Universität Wien (<abbr>BEdPh</abbr>). Windelband gehörte zu den offiziellen Gratulanten zu <name>Zimmermann</name>s 70. Geburtstag am 2.11.1894, <abbr>vgl.</abbr> die Meldung in: Die Presse, <abbr>Nr.</abbr> 301 vom 2.11.1894, <abbr>S.</abbr> 3–4 (<abbr>ANNO</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1542"><lem>nicht verhindern</lem><note><abbr>vgl.</abbr> neben den bereits zitierten Zeitungsberichten noch die Meldung in: Die Presse, <abbr>Nr.</abbr> 204 vom 27.7.1894, Abendblatt, <abbr>S.</abbr> 15 (<abbr>ANNO</abbr>) darüber, daß die Straßburger Studenten Windelband eine Ovation dargebracht hätten, weil er den Ruf nach Wien nicht angenommen habe. Auch die Allgemeine Zeitung München meldete die Ablehnung des Rufs.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1544"><lem>quod Kunonem</lem><note><abbr>lat.</abbr> was Kuno (Fischer) betrifft</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1543"><lem>wissen, … Bescheid</lem><note> auf dem Kopf der S., um 180° gedreht</note></app></listApp></back></text></TEI>