<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000216-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Julius Bergmann</persName>, <placeName type="sent">Strassburg</placeName>, <date>2.3.1894</date>, <note>3 S., hs. (dt. Schrift), mit Aktennotizen und Briefumschlag: </note><quote type="rdg">Herrn | Geh. Rat Prof. Dr. Bergmann | Universität / Marburg</quote><note>, Poststempel: </note><quote type="rdg">STRASSBURG | 2-3.94. 8–9 N. | * (ELSASS) 3b</quote><note>;</note><quote type="rdg"> MARBURG | 3-3.94. 10 11 V | * (BZ. Cassel) b</quote>, <note>Stempel über Klebelasche: </note><quote type="rdg">Prof. Windelband</quote>, <bibl type="pubPlace">UA Marburg</bibl><bibl type="pubPlace"> im Hessischen Staatsarchiv Marburg, 307d Nr. 140, Anlage 5</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0216" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000216-7"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1894-03-02">2.3.1894</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116133171">Julius Bergmann</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118540173">Albert Görland</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118616242">Baruch de Spinoza</name><name>Carsten Lind</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118519522">Ernst Cassirer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116634995">Ernst Laas</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118521411">Hermann Cohen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118763946">Hermann Usener</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116133171">Julius Bergmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117183857">Ludwig Busse</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117386693">Ludwig von Sybel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118615874">Martin Spahn</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118586548">Paul Natorp</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116988118">Theobald Ziegler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118525727">Wilhelm Dilthey</name></note><note type="repository">Universitätsarchiv Marburg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Julius Bergmann</persName>, <placeName type="sent">Strassburg</placeName>, <date>2.3.1894</date>, <note>3 S., hs. (dt. Schrift), mit Aktennotizen und Briefumschlag: </note><quote type="rdg">Herrn | Geh. Rat Prof. Dr. Bergmann | Universität / Marburg</quote><note>, Poststempel: </note><quote type="rdg">STRASSBURG | 2-3.94. 8–9 N. | * (ELSASS) 3b</quote><note>;</note><quote type="rdg"> MARBURG | 3-3.94. 10 11 V | * (BZ. 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Diesem Wunsche kann ich nun freilich nur in sehr beschränktem Maße nachkommen: ich kenne <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1501"/>Herrn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1501"/> <name>Busse</name> nicht persönlich, und habe weiter keine Beziehungen zu ihm als daß ich vor mehr als Jahresfrist einmal eine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1502"/>An<pb/>frage von ihm<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1502"/> brieflich beantwortet habe. Litterarisch ist er mir durch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1503"/>Aufsätze<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1503"/> in der Zeitschrift f<add>[ür]</add> Ph<add>[ilosophie]</add> u<add>[nd]</add> ph<add>[hilosophische]</add> Kr<add>[itik]</add> gut bekannt: diese (<name>Spinoza</name>na und <name>Kant</name>iana) haben mir einen durchaus tüchtigen und sachkundigen Eindruck gemacht. Nehme ich dazu den Umstand, daß er vor sonstigen Habilitanden eine mehrjährige Lehrpraxis voraushat und daß er durch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1504"/>Vertretung der Philosophie im Auslande<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1504"/>, wenn er ihr irgend gewachsen war, doch schon einigermaßen ein Verdienst um die deutsche Wissenschaft aufzuweisen hat, so würde mir dies für seine Habilitation eine günstige Vormeinung erwecken. <pb/> Ob nun dieser seine Persönlichkeit und seine Habilitationsleistung entspricht, kann ich natürlich nicht wissen: darüber aber haben doch Sie das competenteste Urtheil, das zweifellos auch für die Fakultät zuerst und entscheidend in’s Gewicht fällt. Wenn also, wie er schreibt, Sie warm für ihn eintreten, so ist ja die Sache in den besten Händen: und dann wünsche ich nicht nur, sondern erhoffe auch sicher dafür den besten Erfolg.</p><p>Gern benütze ich die Gelegenheit, Sie, verehrter Herr College, der vorzüglichen Hochachtung zu versichern, mit der ich bin Ihr collegial ergebener</p><signed>Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1500"><lem><name>Busse</name></lem><note><name>Ludwig Busse</name> (1862–1907; Studium an den Universitäten Leipzig, Innsbruck und Berlin, 1885 Promotion in Berlin, Professor in Tokio (1887–1892), 9.5.1894 Habilitation in Marburg, Professuren in Rostock (1896–1898), Königsberg (1898–1904), Münster (1904–1907) <abbr>u.</abbr> Halle (1907); seit 1902 Leiter der Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik; <abbr>NDB</abbr>, <abbr>BEdPh</abbr>), dessen Habilitation in der Philosophischen Fakultät der Universität Marburg nicht nur zwischen <name>Hermann Cohen</name> und <name>Paul Natorp</name> auf der einen sowie <name>Julius Bergmann</name> auf der anderen Seite umstritten war, sondern auch den Bruch in der Fakultät endgültig besiegelte. <name>Cohen</name> und <name>Natorp</name> wiesen die Habilitationsschrift <name>Busse</name>s als ungenügend ab, während <name>Bergmann</name> sich lobend äußerte. Das Schreiben Windelbands trug, von <name>Cohen</name> und <name>Natorp</name> als unbefugte Einmischung empfunden, zur Verschärfung der Situation bei: Der Passus, daß <name>Bergmann</name>s Urteil (der zu dieser Zeit bereits emeritiert war) zuerst und entscheidend ins Gewicht falle, findet sich zitiert in der Dienstaufsichtsbeschwerde, die <name>Cohen</name>, <name>Natorp</name> <abbr>u.</abbr> <name>Ludwig von Sybel</name> am 26.4.1894 beim preußischen Kultusministerium einreichten (<abbr>vgl.</abbr> Helmut Holzhey: Cohen und Natorp <abbr>Bd.</abbr> 1. Basel/Stuttgart: Schwabe 1986, <abbr>S.</abbr> 16–18; <abbr>dass.</abbr> <abbr>Bd.</abbr> 2, <abbr>S.</abbr> 223–230 <abbr>u.</abbr> 500–504; Ulrich Sieg: Aufstieg und Niedergang des Marburger Neukantianismus. Die Geschichte einer philosophischen Schulgemeinschaft. Würzburg: Königshausen &amp; Neumann 1994, <abbr>S.</abbr> 190–195). Der Ruf Windelbands war innerhalb der Marburger Schule damit nachhaltig beschädigt. Der Versuch <name>Cohen</name>s, <name>Ernst Cassirer</name> als Habilitand bei Windelband in Straßburg unterzubringen, wurde trotz Windelbands vermeintlicher Stellung gegen die Marburger unternommen. Die Ablehnung <name>Cassirer</name>s aus vorgeschoben erscheinenden konfessionellen Gründen – Windelband stand mitten in den Querelen um den Fall <name>Spahn</name> – ist der letzte nachgewiesene Kontakt zwischen Windelband und <name>Cohen</name> (<abbr>vgl.</abbr> Cohen an Cassirer vom 19.2.1902 in: Ernst Cassirer Nachlassausgabe <abbr>Bd.</abbr> 17, <abbr>S.</abbr> 170–174). <abbr>Vgl.</abbr> Holzhey <abbr>Bd.</abbr> 2, <abbr>S.</abbr> 329, <name>Natorp</name> an <name>Albert Görland</name>, 24.9.1904: </note><rdg>Windelband schreibt zu Ehren Fischers eine Darstellung der Philos[ophie] d[er] Gegenwart – eine seltsame und sehr tadelnswerte Manie heutzutage, vide Riehl, Külpe – in dieser ist jeder kleine Mann erwähnt und freundlich gewürdigt – Marburg existiert überhaupt nicht. Freilich, wie darf es existieren – in einer Festschrift für Kuno! Denn entweder lebt Cohen, oder Kuno ist tot. Das ist des Pudels Kern</rdg><note>; <abbr>dass.</abbr>, <abbr>S.</abbr> 389, <name>Natorp</name> an <name>Görland</name>, 1.1.1911: </note><rdg>Windelband ist immer ein hochmütiger Herr gewesen – woraufhin eigentlich?</rdg><note> – dies aber bereits als späte Nachwehen der Ablehnung, die sich bereits im Urteil Cohens über Windelbands Habilitationsschrift ankündigt (gegenüber August Stadler vom 1.7.1873, vgl. Hermann Cohen: Briefe an August Stadler. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Hartwig Wiedebach. Basel: Schwabe 2015, <abbr>S.</abbr> 25) Ein ähnliches Urteil über Windelband als </note><rdg>egoistischen Streber</rdg><note>, der <name>Theobald Ziegler</name> nur deswegen als Nachfolger von <name>Ernst Laas</name> neben sich dulde, weil <name>Ziegler</name> eine geeignete Marionette sei, fällte <name>Wilhelm Dilthey</name> (gegenüber <name>Hermann Usener</name> im Januar 1886: Wilhelm Dilthey Briefwechsel <abbr>Bd.</abbr> 2 1882–1895. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> G. Kühne-Bertram <abbr>u.</abbr> H.-U. Lessing. Göttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht 2015, <abbr>S.</abbr> 121).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1501"><lem>Herrn</lem><rdg>Hrn</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1502"><lem>Anfrage von ihm</lem><note> nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1503"><lem>Aufsätze</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <abbr>z. B.</abbr> Ludwig Busse: Beiträge zur Entwicklungsgeschichte Spinozas, 5 Teile. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 10 (1886) sowie in: Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik 90/91 (1887), 92 (1888), 96 (1889).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1504"><lem>Vertretung der Philosophie im Auslande</lem><note>Busse lehrte 1887–92 an der Universität Tokio</note></app></listApp></back></text></TEI>