<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000174-5</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Siebeck</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>18.4.1889</date>, <note>Text nach einer </note><note>Transkription von Klaus Christian Köhnke</note><note>, Umfang und Besonderheiten nicht bekannt</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0174" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000174-5"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1889-04-18">18.4.1889</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/117338354">Paul Siebeck</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118586548">Paul Natorp</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117338354">Paul Siebeck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1080776788">Wilhelm Enoch</name></note><note type="repository">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Siebeck</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>18.4.1889</date>, <note>Text nach einer </note><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1320"/><note>Transkription von Klaus Christian Köhnke</note><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1320"/><note>, Umfang und Besonderheiten nicht bekannt</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488</bibl></head></front><body><dateline>Strassburg <abbr>i/E.</abbr> 18.4.89</dateline><salute>Sehr verehrter Herr Siebeck,</salute><p>Fürchten Sie nicht, daß ich Ihnen alle meine Doctoren aufhängen will, wenn ich Ihnen heut schon wieder mit einem ähnlichen Antrage komme, wie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1321"/>in Betreff <name>Rickert</name>’s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1321"/>! Wenn aber eine Arbeit vorliegt, die mir wirklichen Werth zu haben scheint, so kommt es mir wie eine Art von Verpflichtung vor, das Meinige dazu zu thun, daß sie unter gute Flagge geräth.</p><p>Es handelt sich in diesem Falle um eine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1322"/>Arbeit von Wilh. <name>Enoch</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1322"/> „Der Begriff der Wahrnehmung. Eine psychologische Studie“. Im <name>Rickert</name>-Format etwa gute 4 Bogen. Feinsinnige Analyse, wirklich reife, sehr langsam ausgereifte Gedankenarbeit. Verfasser seit fünf Jahren in still grüblerischer Weise hier bei mir darüber thätig. Eine Sache, an der <abbr>m. E.</abbr> kein Psychologe wird vorübergehen können.</p><p>Doctor-Arbeit. Wünsche analog dem Fall <name>Rickert</name>.</p><p>Meine Anfrage ist natürlich ganz unvorgreiflich. Ich bitte ausdrücklich, Ihre Entscheidung nicht durch persönliche Rücksicht auf mich zu bestimmen. Wenn es Ihnen paßt, so würde ich mich sehr freuen, wenn nicht, so weiß ich ja, daß Sie genug in Anspruch genommen sind. Dem Mann und der Arbeit wünschte ich es.</p><p>Mit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1323"/><name>Natorp</name>’s Einleitung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1323"/> berührt sich die Dissertation an einigen Punkten, ohne dadurch ihre Selbständigkeit einzubüßen (sie ist ihrer Anlage nach älter), oder damit in starken Widerspruch zu treten. Beide sind sachlich sehr gut neben einander möglich; in gewissem Sinn ist auch <name>Enoch</name>’s Arbeit eine Einarbeitung in die Psychologie.</p><p>Sollten Sie also nicht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1324"/>a limine<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1324"/> abgeneigt sein, so schreiben Sie mir gütigst, ob ich den Herrn anweisen darf, Ihnen das Manuskript zu schicken, – was Sie ja noch nicht binden würde.</p><p>Wollte der gütige Himmel, auch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1325"/>mein Manuskript<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1325"/> wäre so weit! Es stecken verteufelte „Tücken“ in diesem „Objekt“. Aber die Hauptsache liegt jetzt seit Wochen klar und fest geordnet vor mir, und so wird denn wohl das Fleisch und Blut um dies Gerippe so schnell wachsen können, wie ich es voraussetzte. Ich hoffe es wenigstens.</p><p>Mit hochachtungsvollem Gruße Ihr treulich ergebner</p><signed>Windelband.</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1321"><lem>in Betreff <name>Rickert</name>’s</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Paul Siebeck</name> vom 11.6.1888</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1322"><lem>Arbeit von Wilh. <name>Enoch</name></lem><note>die Dissertation von <name>Wilhelm Enoch</name> aus Hannover erschien Ende 1889 mit eingedruckter Jahreszahl 1890 bei H. Carly in Hamburg <abbr>u. d. T.</abbr>: Der Begriff der Wahrnehmung. Eine Studie zur Psychologie und Erkenntnistheorie. Das Widmungsexemplar mit <abbr>hs.</abbr> Widmung an Windelband befindet sich im Besitz der Universitätsbibliothek Köln (Signatur P7/288): </note><rdg>Seinem hochverehrten Lehrer | Herrn | Professor Dr W. Windelband | in dankbarer Ergebenheit | überreicht | vom Verfasser. | Strassburg October 1889</rdg><note>.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1323"><lem><name>Natorp</name>’s Einleitung</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Natorp: Einleitung in die Psychologie nach kritischer Methode. Freiburg i. B.: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1888.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1324"><lem>a limine</lem><note><abbr>lat.</abbr> von vornherein („an der Schwelle“)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1325"><lem>mein Manuskript</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Paul Siebeck</name> vom 28.1.1889</note></app></listApp></back></text></TEI>