<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000173-9</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Natorp</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>22.2.1889</date>, <note>2 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Marburg, Autographenslg. Hs 831:1164</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0173" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000173-9"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1889-02-22">22.2.1889</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118586548">Paul Natorp</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600826">Alois Riehl</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118801554">Gustav Teichmüller</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118521411">Hermann Cohen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118785281">Hugo Münsterberg</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116813032">Ivo Bruns</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118507222">Jan Niecislaw Baudouin de Courtenay</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118586548">Paul Natorp</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116386827">Richard Falckenberg</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11863562X">Wilhelm Wundt</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Marburg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Natorp</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>22.2.1889</date>, <note>2 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Marburg, Autographenslg. Hs 831:1164</bibl></head></front><body><dateline>Strassburg <abbr>iE</abbr>, 22.2.89.</dateline><salute>Sehr geehrter Herr College,</salute><p>Gestatten Sie mir gütigst, eine Frage an Sie zu richten, für welche ich Ihre volle Diskretion in Anspruch nehme und sicher darauf rechne.</p><p>Von Dorpat aus hat man mir die Ehre erwiesen, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1313"/>anzufragen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1313"/>, ob ich nicht einen Philosophen wisse, der bereit sei, dort <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1314"/><name>Teichmüller</name>’s Professur<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1314"/> zu übernehmen, welche an Gehalt 2400 und an Collegiengeldern <abbr>ca.</abbr> 1500–2000 Rubel eintrage.</p><p>Da nun für unsre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1315"/>freiwerdenden Professuren<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1315"/> in erster Linie auch Sie in Betracht kommen, so will ich nicht versäumen, vor meiner Antwort bei Ihnen anzufragen. Zwar verberge ich mir nicht, daß der Umstand, der vorhergehenden <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1316"/>Berufung <name>Falckenberg</name>’s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1316"/> Sie nicht geneigter machen kann, auf eine solche Anfrage einzugehen. Ebenso ist, da Sie wie ich höre verheiratet sind, <pb/> zu bedenken, ob man einem Deutschen zumuten soll, in jetziger Lage mit Familie nach Dorpat überzusiedeln. Da ich indessen Ihre gegenwärtige Stellung nicht kenne, so möchte ich doch bei Ihnen anfragen, ob ich eventuell den Herrn dort schreiben darf, Sie seien nicht abgeneigt, in Verhandlungen einzutreten. Ein bestimmtes Versprechen habe ich natürlich nicht zu erbitten. Sondern meine Frage ist mehr negativ: – ob Sie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1317"/>a limine<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1317"/> dagegen sind? In letzterem Falle würde ich Sie nicht erst nennen.</p><p>Für möglichst eingehende Antwort wäre ich in Bezug auf meinen Brief dahin dankbar. Den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1318"/>Band von <name>Kuno Fischer</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1318"/> darf ich wohl erwarten?</p><p>Mit besten Gruß Ihr</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1319"/>Windelband<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1319"/></signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1313"><lem>anzufragen</lem><note><abbr>vgl</abbr>. die parallele Anfrage über <name>Ivo Bruns</name> durch <name>Jan Niecislaw Baudouin de Courtenay</name> an <name>Wilhelm Wundt</name> aus Dorpat vom 17.2.1889 (Auszug): </note><rdg>Seit dem Tode Teichmüller’s ist unser einziger Lehrstuhl für Philosophie und Pädagogik vacant und wir sind gezwungen ihn zu besetzen. Der von uns zu erwählende ist einziger Repräsentant beider Fächer, müßte also ziemlich vielseitig sein. Die Hauptdisciplinen aber, in welchen er officiell am meisten thätig sein muß, sind 1) vorzugsweise die Logik und 2) die Geschichte der Philosophie. Officiell nicht so wichtig, aber ihrem Wesen nach unentbehrlich ist die Psychologie. […] Einige unserer Collegen, in erster Reihe classische Philologen, schlagen als den einzigen Candidaten den Herrn Ivo Bruns in Kiel vor und behaupten, es sei sonst kein passender Candidat zu finden. Mir aber und noch einigen anderen scheint Bruns zu einseitig philologisch zu sein […]. In Anbetracht dessen habe ich mich entschlossen, Sie, als einen der hervorragendsten Vertreter der Philosophie in Deutschland, mit der zudringlichen Bitte zu belästigen, mir baldmöglichst auf folgende Fragen zu antworten: 1) Halten Sie Bruns für einen der oben erwähnten Anforderungen vollkommen entsprechenden Candidaten? 2) Könnte man nicht für den einzigen philosophischen Lehrstuhl einen wirklichen Philosophen finden, welcher deutsch vortragen könnte und bereit wäre, einem etwaigen Rufe nach Dorpat Folge zu leisten? Er würde als Ordinarius 2400 Rubel jährlich erhalten. Von Collegiengeldern kann der Philosoph in Dorpat, wenn ich nicht irre, ungefähr 1500–2000 Rubel haben. Nach den russischen Gesetzen muß ein Professor einer der christlichen Confessionen angehören</rdg><note> (NA Wundt/III/1001-1100/1096/453–456; <ref type="link">https://histbest.ub.uni-leipzig.de/content/estate_wundt.xed</ref>). Eine ähnliche Anfrage erging auch an <name>Kuno Fischer</name>, der <name>Hugo Münsterberg</name> ins Auge faßte, <abbr>vgl</abbr>. <name>Münsterberg</name> an <name>Wundt</name> vom 22.5.1889.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1314"><lem><name>Teichmüller</name>’s Professur</lem><note><name>Gustav Teichmüller</name>, seit 1871 Professor für Philosophie an der Universität Dorpat, war am 22.5.1888 verstorben (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1315"><lem>freiwerdenden Professuren</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <abbr>z. B.</abbr> die Anfrage von <name>Alois Riehl</name> aus Freiburg an <name>Wilhelm Wundt</name> vom 7.10.1889, ob Windelband in Halle vorgeschlagen sei, wo er selbst in Frage käme (NA Wundt/III/1301-1400/1386/389-392; <ref type="link">https://histbest.ub.uni-leipzig.de/content/estate_wundt.xed</ref>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1316"><lem>Berufung <name>Falckenberg</name>’s</lem><note><name>Richard Falckenberg</name> (1851–1920), 1889 nach Erlangen berufen (<abbr>BEdPh</abbr>). – <name>Natorp</name> war mehrfach im Gespräch für philosophische Lehrstühle, wurde jedoch nie aus Marburg wegberufen. <name>Natorp</name>s Nähe zur Sozialdemokratie und seine kollegiale und freundschaftliche Bindung an <name>Hermann Cohen</name> erwiesen sich als Karrierehindernis (<abbr>vgl.</abbr> Helmut Holzhey: Cohen und Natorp <abbr>Bd.</abbr> 1/2. Basel, Stuttgart: Schwabe 1986).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1317"><lem>a limine</lem><note><abbr>lat.</abbr> von vornherein („an der Schwelle“)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1318"><lem>Band von <name>Kuno Fischer</name></lem><note>gemeintes Werk nicht ermittelt, Bezug unklar. Weitere Korrespondenz Windelbands mit Natorp ist nicht nachgewiesen.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1319"><lem>Windelband</lem><note>folgen Bleistiftnotizen auf <abbr>Bl</abbr>. 2<abbr>v</abbr>, vermutlich von <name>Natorp</name>s Hand (Gehaltsberechnungen): </note><rdg>4000 2,25 9000 | 2400 2,25 5400 | 4500 9900 | 2000 2.25</rdg></app></listApp></back></text></TEI>