<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000171-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>28.1.1889</date>, <note>3 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_4</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0171" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000171-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1889-01-28">28.1.1889</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116530707">Heinrich Edwin Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118710532">Paul Hensel</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>28.1.1889</date>, <note>3 S., hs. 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Daß Sie Sich in der Pflege Ihrer verehrten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1296"/>Frau Gemahlin<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1296"/>, der ich mich unbekannterweise zu empfehlen bitte, so wohl befinden, macht mir sehr große Freude, und ich wünsche Ihnen in Ihrem häuslichen Behagen den besten Fortgang! <pb/></p><p>Wie Ihre Arbeit nun so fertig vorliegt, habe ich wieder dasselbe große Wohlgefallen daran: wenn auch Manches noch nicht ausgeführt ist und in der Ausführung vielleicht noch große Schwierigkeiten bringen würde, so ist doch die Hauptsache wesentlich gefördert, und der allgemeine Gesichtspunct, zu dem Sie gelangt sind, wird sich – wenn auch vielleicht noch mit der einen der andern Verschiebung – als außerordentlich günstig und zu weiteren Einsichten geeignet erweisen. Haben Sie diese Gedanken inzwischen noch weiter verfolgt? Es würde mich sehr freuen, und ich würde hoffen, daß Sie mir dabei auch ferner begegnen würden!</p><p>Man sagt, daß Sie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1297"/>in Berlin<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1297"/> Sich philosophisch etwas vereinsamt fühlen: ich glaube das gern. Wir treiben hier in der Provinz noch etwas altfränkische Philosophie, zu der sind Sie leider durch jahrelange Gewöhnung <pb/> auch angekränkelt worden, und da haben Sie gewiß noch nicht den rechten Sinn für die Actualität der hauptstädtischen Entwicklung mit ihrem naturwissenschaftlichen Empirismus und Positivismus und mit ihrer Strenge einzelforschender Akribie! Da werden Sie nun sehen müssen, wie Sie mit diesen Modernsten auskommen. Gott schenke Ihnen noch eine lange, segensreiche Einsamkeit!</p><p>Mit treuem Gruße der Ihrige</p><signed>Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1294"><lem>Ihres Büchleins</lem><note>Rickert: Zur Lehre von der Definition, 1888.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1295"><lem>Hensel</lem><note><name>Paul Hensel</name> (1860–1930), Straßburger Studienkollege und Freund <name>Rickert</name>s (Elisabeth Hensel (<abbr>Hg.</abbr>): Paul Hensel. Sein Leben in seinen Briefen. Frankfurt <abbr>a. M.</abbr>: Societäts-<abbr>Vlg.</abbr> 1937 (identisch mit der Titelauflage Wolfenbüttel 1947), <abbr>S. </abbr>51–52 <abbr>u.</abbr> 404–405), 1888 bei Windelband habilitiert, 1895 zum <abbr>ao. Prof.</abbr> ernannt, 1898 in Heidelberg, 1902 <abbr>o. Prof.</abbr> in Erlangen (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1296"><lem>Frau Gemahlin</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Rickert an Windelband vom 5.7.1888</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1297"><lem>in Berlin</lem><note>wo Rickerts Vater <name>Heinrich Edwin Rickert</name> (1833–1902) seit 1874 Reichtagsabgeordneter war (<abbr>NDB</abbr>).</note></app></listApp></back></text></TEI>