<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000167-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>24.6.1888</date>, <note>3 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_2</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0167" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000167-7"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1888-06-24">24.6.1888</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118614258">Christoph Sigwart</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11733829X">Hermann Siebeck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118617583">Heymann Steinthal</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116133171">Julius Bergmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118795619">Wilhelm Schuppe</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>24.6.1888</date>, <note>3 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_2</ref></head></front><body><dateline>Strassburg <abbr>iE.</abbr> 24.6.88</dateline><salute>Lieber Herr <name>Rickert</name>,</salute><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1277"/>Ihr Manuskript<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1277"/> ist an Herrn <name>Siebeck</name> abgegangen und nach seiner heutigen Anzeige bei ihm angekommen; inzwischen werden Sie mit ihm über den Modus des Verlags einig geworden sein.</p><p>Die Absendung hatte ich einige Tage verzögert, weil ich Ihre Schrift noch mit meinen Notizen und Exzerpten verglich; nicht ohne Erfolg: denn ich fand, daß Sie dem Wortlaut nach Sich doch mehr, als mir in Erinnerung war, mit <name>Schuppe</name>, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1278"/>Erkenntnistheoretische Logik<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1278"/>, berühren. Die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1279"/>Ansicht<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1279"/>, daß der Begriff „Product“ von Urtheilen sei und diese in sich enthalte, ist dort in der desultorischen Manir des Verfassers gelegentlich, wie viele andre, hingeworfen: § 33 <abbr>f.</abbr>, <abbr>S.</abbr> 117 <abbr>ff.</abbr>; auch § 29. Doch hat er gerade die Beziehung zur Definition, welche dieser Einfall <pb/> gewinnen konnte, absolut nicht gesehen: <abbr>cf.</abbr> <abbr>S.</abbr> 121 f. Nun ist aber Herr <name>Schuppe</name> der Plagiatriecher <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1280"/><span type="el">κατ΄ εξοχήν</span><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1280"/>. Sein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1281"/>absolut formloses Buch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1281"/> enthielt neben vielem Unnöthigen auch viele sehr gute Gedanken, die aber bei ihm eben nur Einfälle, gelegentliche Bemerkungen sind. Darum aber ist er im Stande gewesen, sobald <name>Sigwart</name>, <name>Bergmann</name> <abbr>u. A.</abbr> eine gute Theorie aufstellten, sogleich zu schreien: das habe ich ja auch gesagt! Und so würde es Ihnen sicher auch gehen. Ich bitte deshalb, daß Sie Sich die Mühe geben, seine Rhapsodie nach den obigen Zahlen nachzulesen und Sich mit ihm kurz in einer <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1282"/>Anmerkung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1282"/> auseinander zu setzen. Dieselbe fügt sich Ihrem Manuskript bequem auf <abbr>pag.</abbr> 103 oder 111 ein; ich habe im Manuskript Bleistiftkreuze gemacht, wo ich den <pb/> Ort für passend halte. Bis der Druck bis dahin gediehen ist, werden Sie <name>Schuppe</name> lesen und zu ihm Stellung nehmen können. Da ich diese Zeilen noch auf gut Glück an Ihre Münchner Adresse schicke, so bitte ich, mir kurz darauf zu antworten.</p><p>Mit bestem Gruß Ihr</p><signed>Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1277"><lem>Ihr Manuskript</lem><note>von: Zur Lehre von der Definition</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1278"><lem>Erkenntnistheoretische Logik</lem><note>erschienen Bonn: Weber 1878.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1279"><lem>Ansicht</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Rickert: Zur Lehre von der Definition, Abschnitt IV/2: Begriff und Urteil.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1280"><lem><span type="el">κατ΄ εξοχήν</span></lem><note><abbr>gr.</abbr> kat’exochen: im eigentlichen Sinne, schlechthin</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1281"><lem>absolut formloses Buch</lem><note>Windelband ist über <name>Schuppe</name>s Buch eine Rezension schuldig geblieben, <abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Heymann Steinthal</name> vor 5.10.1885</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1282"><lem>Anmerkung</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Rickert vom 5.7.1888</note></app></listApp></back></text></TEI>