<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000158-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>7.10.1885</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, VI. HA Nl Althoff, F. T. Nr. 1020</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0158" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000158-7"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1885-10-07">7.10.1885</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Theodor Althoff</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116634995">Ernst Laas</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Theodor Althoff</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/101568355">Jacob Freudenthal</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/101568355">Jakob Freudenthal</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117353965">Wilhelm Studemund</name></note><note type="repository">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>7.10.1885</date>, <note>4 S., hs. 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Nr. 1020</bibl></head></front><body><dateline>Strassburg <abbr>iE.</abbr> 7 Oct<add>[ober]</add> 85.</dateline><p>Vertraulich.</p><salute><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1235"/>Hochverehrter Herr Geheimerath!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1235"/></salute><p>Im Vertrauen auf Ihre oft bewährte Liebenswürdigkeit nehme ich mir heute die Freiheit, Sie meinerseits mit einer Orientirungsfrage zu behelligen.</p><p>Bei einer gestrigen Unterredung gab <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1236"/>Herr<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1236"/> Coll<add>[ege]</add> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1237"/><name>Studemund</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1237"/> seinem lebhaften Interesse dafür Ausdruck, daß bei Besetzung unserer <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1238"/>philosophischen Professur<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1238"/> möglichst Herr <abbr>Prof.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1239"/><name>Freudenthal</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1239"/><name/> in Breslau in Betracht gezogen werden möchte. Diesem Wunsche kann ich insofern durchaus nur beitreten, da ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1240"/>Herrn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1240"/> <name>Freudenthal</name> – den ich persönlich nicht kenne – als Gelehrten ganz außerordentlich hoch schätze und <pb/> auch über seine Persönlichkeit sowie seine Lehrthätigkeit mir von competentester Seite ein äußerst empfehlender Bericht zugegangen ist. So sehr ich daher wünschte, daß dem verdienten Manne die schuldige Anerkennung zu Theil werde, so muß ich doch leider bezweifeln, daß in diesem Falle eine Berufung desselben an unsre Universität möglich sein wird. Zwar seine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1241"/>Confession<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1241"/> würde ihm weder bei mir noch, wie ich glaube, bei der großen Mehrzahl der Fakultät im Wege sein: aber die Sache liegt diesmal aus andern Gründen für ihn verhältnißmäßig ungünstig. Die Commission, die ihre Arbeit beinah abgeschlossen hat, konnte sich der Einsicht nicht verschließen, daß im Allgemeinen der Wunsch vorwalte, bei den diesmaligen Vorschlägen hauptsächlich zwei Puncte in Bedacht zu nehmen: einmal, daß man eine Persönlichkeit finde, welche in möglichst vielfältiger Weise ihre akademische und auch ihre lite<pb/>rarische Thätigkeit den theoretischen Fächern zugewandt habe, und zweitens daß dieselbe in guter Fühlung mit den Naturwissenschaften, besonders auch der physiologischen Psychologie sei. In beiden Hinsichten aber tritt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1242"/>Herr<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1242"/> <name>Freudenthal</name> hinter einer Anzahl von Ordinarien andrer Fakultäten doch soweit zurück, wie er andrerseits in erster Linie stünde, wenn man mehr eine historische und an die classische Philologie sich anlehnende Besetzung wünschte.</p><p>Indessen möchte ich nun gern wissen, ob nicht doch irgendwelche Details aus der Vorbildung und der Lehrthätigkeit des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1243"/>Herrn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1243"/> Fr<add>[eudenthal]</add> sich in den erwähnten Beziehungen günstiger, als ich bisher darüber berichtet bin, für ihn gestalten und bei der definitiven Beschlußfassung zu seinen Gunsten von mir geltend gemacht werden könnten. Und da ich bei den sehr geringen Aussichten auf einen jetzigen Erfolg darüber nicht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1244"/>nach Breslau<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1244"/> schreiben <pb/> möchte, so würden Sie mich, verehrter Herr Geheimerath, ganz außerordentlich verbinden, wenn Sie die Güte haben könnten, mich weiterhin darüber aufzuklären, welche Aussichten, speciell in dieser Hinsicht, für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1245"/>Herrn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1245"/> Fr<add>[eudenthal]</add> bestehen.</p><p>Im <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1246"/>voraus<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1246"/> dankend, verbleibe ich mit bester Empfehlung an Ihre verehrte Frau Gemahlin als Ihr ganz ergebner</p><signed>Windelband</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-1235"><lem>Hochverehrter Herr Geheimerath!</lem><note>links oben von <name>Althoff</name>s <abbr>Hd</abbr>. mit Bleistift: </note><rdg>Windelband: Freudenthal | Ø. | II.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1236"><lem>Herr</lem><rdg>Hr.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1237"><lem><name>Studemund</name></lem><note><name>Wilhelm Studemund</name> (1843–1889), Philologe, 1864 Promotion in Halle, 1864–1868 Forschungsaufenthalte in Italien, 1868 ao. Prof. in Würzburg, 1869 <abbr>o. Prof.</abbr>, 1870 in Greifswald, 1872 in Straßburg, 1885 in Breslau (<abbr>ADB</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1238"><lem>philosophischen Professur</lem><note>zur Nachfolge von <name>Ernst Laas</name></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1239"><lem><name>Freudenthal</name></lem><note><name>Jacob Freudenthal</name>, vgl. Windelband an <name>Althoff</name> vom 7.9.1883. <name>Freudenthal</name> wurde nicht berufen.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1240"><lem>Herrn</lem><rdg>Hrn</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1241"><lem>Confession</lem><note>so wörtlich – <name>Freudenthal</name> war Jude.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1242"><lem>Herr</lem><rdg>Hr</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1243"><lem>Herrn</lem><rdg>Hrn</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1244"><lem>nach Breslau</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Althoff vom 27.9.1883</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1245"><lem>Herrn</lem><rdg>Hrn.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1246"><lem>voraus</lem><note>so wörtlich</note></app></listApp></back></text></TEI>