<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000157-1</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heymann Steinthal</persName>, <placeName type="sent">o. O.</placeName>, <date>vor 5.10.1885</date>, <note>nach Mitteilung von Steinthal an Gustav Glogau vom 5.10.1885 zitiert, </note><bibl type="pubPlace">abgedruckt in: Ingrid Belke (Hg.): Moritz Lazarus und Heymann Steinthal. Die Begründer der Völkerpsychologie in ihren Briefen Bd. 2/1. Mit einer Einleitung. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1983, S. 185.</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0157" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000157-1"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>o. O.</placeName><date notAfter="1885-10-05">vor 5.10.1885</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118617583">Heymann Steinthal</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118547739">Georg Wilhelm Friedrich Hegel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116666781">Gustav Glogau</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118617583">Heymann Steinthal</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118795619">Wilhelm Schuppe</name></note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heymann Steinthal</persName>, <placeName type="sent">o. O.</placeName>, <date>vor 5.10.1885</date>, <note>nach Mitteilung von Steinthal an Gustav Glogau vom 5.10.1885 zitiert, </note><bibl type="pubPlace">abgedruckt in: Ingrid Belke (Hg.): Moritz Lazarus und Heymann Steinthal. Die Begründer der Völkerpsychologie in ihren Briefen Bd. 2/1. Mit einer Einleitung. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1983, S. 185.</bibl></head></front><body><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1234"/>ich möchte einen Aufsatz schreiben über ‚Psychologie, Logik und Erkenntnistheorie‘, eine principielle Auseinandersetzung, in der ich <name>Glogau</name> in erster Linie, zugleich aber auch, eine alte Schuld einlösend, auf <name>Schuppe</name> recurriren würde.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1234"/></p></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1234"><lem>ich … würde.</lem><note> der auf dieses Zitat bezügliche Brieftext <name>Steinthal</name>s lautet: </note><rdg>Wegen Besprechung Ihrer Psychologie [</rdg><note>Glogau: Grundriß der Psychologie. Breslau 1884</note><rdg>] habe ich mich an Windelband gewandt und Zusage erhalten. Ich habe Ihnen schon geschrieben, daß mir Schuppe nicht zusagt, und daß mir Windelband lieber wäre. Wort wird er diesmal auch halten, aber er schreibt: „</rdg><note>ich möchte einen Aufsatz schreiben über ‚Psychologie, Logik und Erkenntnistheorie‘, eine principielle Auseinandersetzung, in der ich Glogau in erster Linie, zugleich aber auch, eine alte Schuld einlösend, auf Schuppe recurriren würde.“</note><rdg> Er sollte mir ja Schuppe’s erkenntnistheoretische Logik recensiren. Das hat er nicht getan, und es sollte also jetzt nebenbei geschehen. Damit war ich einverstanden und schrieb ihm dies. Jetzt erfahre ich zufällig, daß Schuppe eine Arbeit Windelbands über Logik angegriffen hat. Wenn nur dieser Umstand Ihnen nicht schadet. Windelband könnte jetzt, fürchte ich, Schuppe’s Sache zur Haupt- und die Ihrige zur Nebensache machen. Und doch weiß ich nicht, ob ich Windelband schreiben und deswegen anfragen soll. Solche Anfrage könnte gerade das veranlassen, was ich verhüten möchte</rdg><note> (Ingrid Belke (Hg.): Moritz Lazarus und Heymann Steinthal. Die Begründer der Völkerpsychologie in ihren Briefen <abbr>Bd.</abbr> 2/1. Mit einer Einleitung. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1983, <abbr>S.</abbr> 184–185). <name>Glogau</name> antwortete am 8.10.1885: </note><rdg>Daß Windelband – dem ich übrigens 1 Exemplar der Psychologie selbst geschickt habe – in einer principiellen Auseinandersetzung auf mich näher eingehen will, freut mich – wenn er es thut! Seit über 1½ Jahren ist er mir, obwohl ich ihn vor 7 Monaten einmal erinnert habe, einen heilig versprochenen Brief schuldig, der unsere Differenzen behandeln sollte. Wenn Sie nun wegen Schuppe’s Angriff an ihn schrieben, könnte ihm das wieder das Concept verschieben. So meine ich auch, daß Sie es besser lassen</rdg><note> (<abbr>ebd.</abbr>, <abbr>S.</abbr> 190; <abbr>vgl.</abbr> auch <name>Glogau</name> an <name>Steinthal</name> vom 21.12.1885 <abbr>u.</abbr> 8.4.1886, in denen <name>Glogau</name> die ausstehende Besprechung seiner Psychologie reklamiert). Auf <name>Glogau</name>s letzte Reklamation vom 20.7.1886 antwortete <name>Steinthal</name>: </note><rdg>An Windelband habe ich vor den Osterferien geschrieben; geantwortet hat er nicht. Ich will ihn in diesen Tagen mahnen, obwol weder mit Lust noch Hoffnung</rdg><note> (<abbr>ebd.</abbr>, <abbr>S.</abbr> 226). Diese Mahnung blieb ohne Antwort Windelbands, <abbr>vgl.</abbr> <name>Steinthal</name> an <name>Glogau</name> vom 26.9.1886, so dass Steinthal schließlich Glogau am 26.1.1887 berichtete: </note><rdg>An Windelband habe ich […] geschrieben, daß ich ein diesmaliges Schweigen als ein Zeichen des Bruches zwischen ihm und mir ansehen würde. Er hat auch darauf kein Lebenszeichen von sich gegeben. Also auf Ihn können wir nicht mehr zählen</rdg><note> (<abbr>ebd.</abbr>, <abbr>S.</abbr> 231). Drei Jahre später berichtete <name>Steinthal</name> an <name>Glogau</name> (3.10.1890) über einen Ferienaufenthalt auf dem Falkenfluh bei Thun (Schweiz): </note><rdg>Zuerst Windelband, der meine Vorwürfe nicht abwartete, sondern sich sogleich entschuldigte </rdg><note>(<abbr>ebd.</abbr>, <abbr>S.</abbr> 304). Eine Rezension von <name>Glogau</name>s Grundriß der Psychologie von Windelband ist nicht nachgewiesen. In der Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft hat Windelband seit 1874 nicht mehr veröffentlicht. Windelband rezensierte allerdings <name>Glogau</name>s Abriss der philosophischen Grundwissenschaften 1. Teil (Die Form und die Bewegungsgesetze des Geistes), 1880 sowie <abbr>dass.</abbr>, <abbr>Bd.</abbr> 2, 1891 in: Deutsche Litteraturzeitung, <abbr>Nr.</abbr> 6 <abbr>v.</abbr> 10.2.1883, <abbr>Sp.</abbr> 187–188 (davon ein Sonderdruck in <name>Glogau</name>s Besitz) <abbr>u.</abbr> in <abbr>Nr.</abbr> 41 <abbr>v.</abbr> 14.10.1893, <abbr>Sp.</abbr> 1286–1287. Der Ton dieser Besprechungen ist höflich distanziert – neben der zu großen Nähe zu <name>Steinthal</name> (und <name>Hegel</name>s Logik) bemängelt Windelband <abbr>v. a.</abbr> die hermetischen Formulierungen <name>Glogau</name>s. <name>Glogau</name> konterte mit einer Rezension von Windelbands Präludien. Aufsätze und Reden zur Einleitung in die Philosophie, 1884, in: Deutsche Litteraturzeitung, <abbr>Nr.</abbr> 9. <abbr>v.</abbr> 1.3.1884, <abbr>Sp.</abbr> 307–309, worin er mit einiger Polemik die logisch-psychologischen Auffassungen Windelbands zum </note><rdg>Normalbewusstein</rdg><note> mit seinen eigenen kontrastiert.</note></app></listApp></back></text></TEI>