<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000153-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>18.10.1883</date>, <note>3 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, VI. HA Nl Althoff, F. T. Nr. 1020</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0153" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000153-7"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1883-10-18">18.10.1883</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Theodor Althoff</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/104197072">Carl Ledderhose</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Theodor Althoff</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11855008X">Heinrich Hertz</name></note><note type="repository">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>18.10.1883</date>, <note>3 S., hs. 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Gestern früh erschien bei mir unser Herr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1213"/>Kurator<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1213"/> und bot mir, ohne daß ich irgendwelche Forderungen formulirt hätte, für den Fall meines Verzichts auf weitere Verhandlungen wegen Uebernahme der Breslauer Professur Folgendes an: 1) eine Gehaltserhöhung im Betrage von jährlich 1800 <abbr>Mk.</abbr> 2) Gewährung der Mittel für eine im Interesse meiner Geschichte der neueren Philosophie wünschenswerthe Reise nach London (ein Punct, der bei meiner Berufung in unbestimmte Aussicht genommen worden war), 3) Zusicherung des Eintritts in die Prüfungscommission bei nächster Neubildung derselben, 4) Versprechen eines <pb/> Arrangements, vermöge dessen mir die Mitdirection des Seminars zu übertragen wäre.</p><p>Diesen Anerbietungen gegenüber, deren Details ich Ihnen ganz vertraulich mittheilen zu dürfen bitte, sah ich mich in schwieriger Lage.</p><p>Ich konnte mir nicht verhehlen, daß damit die Anforderungen, die ich vernünftigerweise hier stellen kann, vollständig erfüllt sind. Mit einer Besoldung von 8400 <abbr>Mk.</abbr> habe ich eine auskömmliche Existenz; ich erhalte so die Mittel, welche unter den hiesigen Verhältnissen erforderlich sind, um auf die Studentenschaft zu wirken, und ich bin so gestellt, daß ich ohne Nebenrücksichten meine Lehrthätigkeit ganz nach meinen pädagogischen Auffassungen einrichten kann; ich sehe mich in der Lage, mit Freudigkeit, weil mit Aussicht auf Erfolg, an der schwierigen Aufgabe zu arbeiten, die mir hier gestellt ist.</p><p>Auf der andern Seite befand ich mich in völliger Ungewißheit darüber, ob und in welchem Grade es unter den gegenwärtigen Umständen Ihrem persönlichen Wunsche entsprechen würde, wenn ich hiesige Anerbietungen in der Absicht, eine etwaige Breslauer Berufung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1214"/>à tout prix<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1214"/> anzunehmen, ausschlüge: Ihre liebenswürdigen Mittheilungen haben mir stets die von mir mit dem herzlichsten Danke empfundene Absicht ausgesprochen, mich für das Ausbleiben der Breslauer Berufung durch eine Verbesserung meiner hiesigen Position zu <pb/> entschädigen; und vielleicht habe ich nicht geirrt, wenn ich in dem Vorgehen des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1215"/>Herrn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1215"/> Kurators die Wirkung derjenigen Schritte zu sehen glaubte, welche Sie – Ihrem letzten gütigen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1216"/>Schreiben an mich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1216"/> zufolge – auf Ihrer nicht zur Ausführung gelangten Reise hier zu meinen Gunsten zu thun beabsichigten. Dazu kam, daß ich – <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1217"/>wol<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1217"/> mit Recht – bezweifeln zu müssen glaubte, ob die Bedingungen, welche mir hätten in Breslau gewährt werden können, (wo ich nach den Mittheilungen des Herrn Dekan ein Gehalt von 6000 <abbr>Mk</abbr>. und Zulage von 600 <abbr>Mk</abbr>. erwarten dürfte) denjenigen gleichkommen würden, die mir hier vorgelegt wurden.</p><p>Verzeihen Sie gütigst, hochverehrter Herr Geheimerath, daß ich Sie mit dieser ausführlichen Darlegung belästigt habe, um Ihnen die Gründe zu unterbreiten, aus denen ich mich heut entschlossen habe, die hiesigen Bedingungen zu acceptiren und damit auf die Annahme einer etwaigen Berufung nach Breslau zu verzichten. Mit der sofortigen Mittheilung davon verbinde ich den Ausdruck meines innigen Dankes: ich weiß sehr wohl und werde es nie vergessen, in wie hohem Maße ich Ihrer gütigen Einwirkung diese werthvolle Verbesserung meiner hiesigen Stellung verdanke, und daß ich es Ihrem dauernd bethätigten Wohlwollen schulde, wenn ich die lebhaft gehegten Wünsche nun erfüllt sehe. Genehmigen Sie, verehrter Herr Geheimerath, mit diesem Ausdruck aufrichtigsten Dankes die Bitte, mich Ihrer verehrten Frau Gemahlin bestens empfehlen zu dürfen, und die Versicherung der treuen Verehrung, mit der ich verbleibe Ihr ergebenster</p><signed>Windelband</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-1210"><lem>Hochverehrter Herr Geheimerath!</lem><note>links oben von <name>Althoff</name>s <abbr>Hd</abbr>. mit Bleistift: </note><rdg>Windelband.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1211"><lem>Herrn</lem><rdg>Hrn.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1212"><lem><abbr>Prof.</abbr> <name>Hertz</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Althoff vom 27.9.1883</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1213"><lem>Kurator</lem><note><name>Carl Ledderhose</name></note></app><app type="philological" corresp="#ED-1214"><lem>à tout prix</lem><note>in <abbr>lat</abbr>. Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1215"><lem>Herrn</lem><rdg>Hrn.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1216"><lem>Schreiben an mich</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1217"><lem>wol</lem><note>so wörtlich</note></app></listApp></back></text></TEI>