<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000149-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Karl Dilthey</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>23.7.1883</date> bzw. <date>29.7.1883</date>, <note>3 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Niedersächsische Staats- und UB Göttingen, Dilth. 141</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0149" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000149-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1883-07-23">23.7.1883</date><date when="1883-07-29">29.7.1883</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116128194">Karl Dilthey</persName></correspAction><note type="mentioned"><name>Dora Windelband</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119130882">Ferdinand Frankenhäuser</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118633600">Johann Joachim Winckelmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116857498">Rudolf Schöll</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116382813">Victor Ehrenberg</name></note><note type="repository">Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Karl Dilthey</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>23.7.1883</date> bzw. <date>29.7.1883</date>, <note>3 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Niedersächsische Staats- und UB Göttingen, Dilth. 141</bibl></head></front><body><dateline>Strassburg <abbr>i/E.</abbr> 23 Juli 83</dateline><dateline>ist doch wieder der 29. geworden.</dateline><salute>Liebster Karlo,</salute><p>In dem wenig berauschenden Rausch des Semesters hat wieder einmal Stunde um Stunde geschlagen, ohne daß ich Pflicht und Neigung erfüllt hätte Dir zu schreiben. – Dir zu danken für die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1152"/>Winkelmann-Rede<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1152"/>, die ich, obwol ich den Grund davon absolut nicht einsehe und meinerseits innigste Freude daran hatte, doch Deinem Wunsche gemäß verschwiegen habe, – zu danken für Deine Glückwünsche zu der Umsiedlung auf die Reichsuniversität, und Dir auszusprechen, wie sehr ich wünschte, daß Sie berechtigter wäre. Es geht mir wie Dir: wenn man einem Idyll Valet gesagt hat, so frißt Einem rückwärtsgekehrte Sehnsucht lang am Herzen. Und von Straßburg – <pb/> schweigen wir, um zu erzählen!</p><p>Zu erzählen aber, denke ich, in wenig Tagen. Denn sicher fast bin ich, daß Du, sei es im Purpur der Delegation, sei es als Du selbst ebenso <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1153"/>nach Zürich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1153"/> kommst wie ich: und fest hoffe ich, daß, wie ich, Du in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1154"/><name>Frankenhäuser</name>s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1154"/> gastfreiem Hause wohnen wirst. Eine herrliche Aussicht – die mich tröstet für Mancherlei, dort also auf frohes Wiedersehen, dem ich viel abzugewinnen hoffe.</p><p>Sollte aber doch irgend ein Dämon Dich fern halten, so sei Dir verrathen, daß ich vom 7. Aug<add>[ust]</add> bis etwa 20 Oct<add>[ober]</add> wieder mit Familie in Freiburg (Dreisamstr<add>[aße]</add> 7) wohne! Dann bitte ich, wenn Du durchreisest, um Rast, deren ich sehr bedarf, – wenn auch das nicht, so schreibe ich Dir einmal ausführlich.</p><p>Daß wir <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1155"/><name>Schöll</name> behalten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1155"/>, wirst Du wissen. Es ist ein wunderlich Ding, um diese „Universität“ des Reichs: ich habe viel zu <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1156"/>beichten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1156"/>.</p><p>Meiner Frau geht es gut, mein Junge gedeiht. Deine Freundin <name>Dora</name> beginnt schulweise zu werden. Hab’ ich Dir das Bild von den Dreien geschickt?</p><p>Lieber Freund, es sind dissolute Monate, die ich verlebte: Sohn geboren; <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1157"/>mein Bruder gestorben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1157"/>; in dies wunderliche hiesige Wesen – nicht eingelebt. – Drum sei nicht böse, daß ich in mehr als einer Sprache geschwiegen.</p><p>Meine Frau grüßt Dich! In alter Treue Dein</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1152"><lem>Winkelmann-Rede</lem><note>gemeint ist vermutlich Karl Dilthey: Festrede [über die Entwicklung der Vorstellungen vom antiken Kunst-Ideal, <abbr>u. a.</abbr> über <name>Johann Joachim Winckelmann</name>] im Namen der Georg-Augusts-Universität zur Akademischen Preisvertheilung am 14. Juni 1882. Göttingen: Dieterich 1882, 36 <abbr>S.</abbr></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1153"><lem>nach Zürich</lem><note>zur 50jährigen Gründungsfeier der Universität, <abbr>vgl.</abbr> Die Hochschule Zürich in den Jahren 1833–1883. Festschrift zur fünfzigsten Jahresfeier ihrer Stiftung von Georg von Wyss. Zürich: Zürcher und Furrer 1883.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1154"><lem><name>Frankenhäuser</name>s</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Karl Dilthey vom 20.4.1877</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1155"><lem><name>Schöll</name> behalten</lem><note><name>Rudolf Schöll</name> (1844–1893), Klassischer Philologe, seit 1875 in Straßburg, ab 1885 in München (<abbr>NDB</abbr>).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1156"><lem>beichten</lem><note>kann auch </note><rdg>berichten</rdg><note> heißen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1157"><lem>mein Bruder gestorben</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Rudolf Schöll</name> vom 22.4.1883. Näheres zum Bruder nicht ermittelt, <abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Victor Ehrenberg</name> vom 18.11.1873.</note></app></listApp></back></text></TEI>