<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000139-2</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>21.12.1882</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, VI. HA Nl Althoff, F. T. Nr. 1020</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0139" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000139-2"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1882-12-21">21.12.1882</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Theodor Althoff</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/104197072">Carl Ledderhose</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116634995">Ernst Laas</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/12460143X">Friedrich Heinrich Geffcken</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Theodor Althoff</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117003646">Otto Liebmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11851136X">Otto von Bismarck</name></note><note type="repository">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>21.12.1882</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, VI. HA Nl Althoff, F. T. Nr. 1020</bibl></head></front><body><dateline>Strassburg <abbr>i/E.</abbr> 21. Dec<add>[ember]</add> 1882</dateline><salute><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1067"/>Verehrtester Herr Geheimerath,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1067"/></salute><p>Indem ich mir erlaube, von Ihrer gütigen Erlaubniß Gebrauch zu machen und auf meine eigne Angelegenheit zurückzukommen, bitte ich, eine kurze Bemerkung vorausschicken zu dürfen. Mit besonderer Freude und Genugthuung begrüße ich es, daß Sie, wie schon früher, so von Neuem zu meinen Gunsten ein Wort bei dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1068"/>Herrn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1068"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1069"/>Kurator<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1069"/> einlegen wollen. Aber ich müßte es sehr bedauern, wenn bei diesem auch nur der Verdacht entstünde, ich hätte mich hinter Ihr Wohlwollen gesteckt, und wenn er nicht zweifellos davon überzeugt sein würde, daß Ihre Fürsprache aus Ihrer eignen, liebenswürdigen Initiative hervorgeht. Denn innerhalb der Grenzen, welche ihm die, wie es scheint, <pb/> mit der Zeit immer knapper sich gestaltende Finanzlage auferlegte, ist er mir <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1070"/>mit großer Freundlichkeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1070"/> entgegengetreten und hat auch versprochen, dafür zu wirken, daß ich „so bald als möglich“ in die Prüfungscommission berufen würde. Und ich befinde mich ja bei dieser ganzen Gelegenheit durchaus nicht in der Position, formelle Ansprüche erheben oder etwas fordern zu können: ich muß vielmehr jede Anerkennung begrüßen, mit welcher man von den Verhältnissen Notiz zu nehmen für gut findet.</p><p>Was geschehen ist, läßt sich sehr einfach zusammenfassen. Bei meiner Berufung wurde (mit Rücksicht auf die damals schon sehr prekäre Geldlage, von der ich durch <name>Liebmann</name> wußte) stipulirt, daß ich am 1 Oct<add>[ober]</add> 1882 mit einer Besoldung von 6000 <abbr>Mk.</abbr> eintreten, daß aber diese vom 1 Oct<add>[ober]</add> 1883 an auf 6600 <abbr>Mk.</abbr> erhöht werden sollte. Jetzt ist nun verfügt worden, daß meine Besoldung schon vom 1 Oct<add>[ober]</add> 82 an auf 6600 <abbr>Mk.</abbr> erhöht sei. Der Vortheil besteht also, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1071"/>wie ich <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1072"/>schrieb<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1071"/>, nur in dem einmaligen Plus von 600 <abbr>Mk.</abbr> für dies erste Jahr; vom nächsten October an bleibt die Sache dieselbe.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1072"/></p><p>Ob nun der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1073"/>Herr<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1073"/> Kurator im Stande sein würde, mir mehr materielle Vortheile zu gewähren, muß ich dahingestellt sein lassen: eine formelle Besserung meiner Stellung läge wesentlich darin, wenn es in irgend einer Form möglich wäre, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1074"/>mich zum, wenn auch nur nominellen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1075"/>Mitdirector<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1074"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1075"/> des Seminars zu machen: ich finde es wenigstens nicht hübsch, daß ich meine Seminarzuhörer zum Collegen <name>Laas</name> schicken soll, um sich ihm vorzustellen. – –</p><p>Eine Neuigkeit, die Sie gewiß interessiren wird, möchte ich Ihnen bei dieser Gelegenheit mittheilen. Die Ernennung von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1076"/>Geffken<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1076"/> zum Geh<add>[eimen]</add> Just<add>[iz]</add> Rath hat hier um so mehr Staub aufgewirbelt, als man sie für den Vorläufer weiterer Titulaturen hielt. Da wir nun hier durchweg der Ansicht sind, daß, wenn wir einmal den Vorzug haben, diese Klas<pb/>senunterscheidungen bisher <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1077"/>nicht zu kennen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1077"/>, es nicht erwünscht sei, sie einzuführen, zumal da eine jetzt erfolgende Massenernennung zahlreiche persönliche Rivalitäten aufrühren könnte, so wird in diesen Tagen dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1078"/>Herrn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1078"/> Kurator ein Schriftstück überreicht werden, welches die Bitte ausspricht, diese Einrichtung von uns fern zu halten. Die medicinische, philosophische und naturwissenschaftliche Fakultät haben fast einstimmig, die Theologen zum größten Theil unterzeichnet. Die Juristen nahmen an einem Passus Anstand, den ich auch anders gewünscht hätte, und werden einen der Absicht nach gleichlautende Gesammterklärung abgeben. Was mich persönlich betrifft, so hätte ich aus formellen Gründen, da ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1079"/>badischer Hofrath<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1079"/> bin, gewünscht, daß es mir nicht vorgelegt würde, und hatte diesen Wunsch mehreren Collegen ausgesprochen: da es mir trotzdem unterbreitet wurde, konnte ich meine Zustimmung nicht versagen. Man darf nun wol begierig sein, welche Aufnahme diese Bitte finden wird.</p><p>Mit dem Wunsch eines fröhlichen Weihnachtsfestes empfehle ich Ihnen und Ihrer verehrten Frau Gemahlin meine Frau und mich, Ihren dankbarst ergebnen</p><signed>Windelband</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-1067"><lem>Verehrtester Herr Geheimerath,</lem><note>links oben von <name>Althoff</name>s <abbr>Hd</abbr>., unterstrichen: </note><rdg>Windelband.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1068"><lem>Herrn</lem><rdg>Hrn.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1069"><lem>Kurator</lem><note>der Universität Straßburg: <name>Carl Ledderhose</name></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1070"><lem>mit großer Freundlichkeit</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Kommentar zu Windelband an <name>Althoff</name> vom 30.11.1882.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1071"><lem>wie ich schrieb</lem><note> <abbr>vgl</abbr>. Windelband an <name>Althoff</name> vom 30.11.1882</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1072"><lem>schrieb … dieselbe.</lem><note> am Rand mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1073"><lem>Herr</lem><rdg>Hr.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1074"><lem>mich … Mitdirector</lem><note> am Rand mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1075"><lem>Mitdirector</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Carl Ledderhose</name> vom 15.5.1885</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1076"><lem>Geffken</lem><note><name>Friedrich Heinrich Geffcken</name> (1830–1896), Diplomat, Politiker (in Opposition zu <name>Bismarck</name>), Jurist, seit 1872 <abbr>Prof.</abbr> in Straßburg (<abbr>NDB</abbr>); <abbr>vgl</abbr>. Windelband an <name>Althoff</name> vom 30.11.1882.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1077"><lem>nicht zu kennen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Friedrich Paulsen: Die deutschen Universitäten und das Universitätsstudium. Berlin: A. Asher &amp; Co. 1902, <abbr>S.</abbr> 126: </note><rdg>An den preussischen Universitäten ist der Geheimrat […] nun freilich so gewöhnlich, dass die philosophischen Fakultäten sich vielfach […] als Geheimratskollegien darstellen. Das Strassburger Professorenkollegium hat es abgelehnt diese Verwandlung durchzumachen; ich denke nicht zum Schaden seiner Vornehmheit und Unabhängigkeit</rdg><note>; sowie die Mitteilung der Hochschul-Nachrichten (Paul von Salvisberg), <abbr>Nr.</abbr> 4 von Januar 1899, <abbr>S.</abbr> 75: </note><rdg>Die Privatdocenten an der Universität Strassburg. […] Die Universität Strassburg kennt keine Titel; es giebt dort keinen „Hofrat“ und keinen „Geheimrat“; es fehlt ebenso der „Charakter-Professor“, wie er z. B. in Preussen an Privatdocenten verliehen wird; als Zwischenstufe […] existieren nur „Extraordinarien“, teils mit, teils ohne Gehalt und Lehrauftrag, aber […] mit gleichen Rechten, u. a. dem der Stimmabgabe bei der Rektorwahl.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1078"><lem>Herrn</lem><rdg>Hrn.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1079"><lem>badischer Hofrath</lem><note>seit 27.1.1881, <abbr>vgl.</abbr> <abbr>UA</abbr> Freiburg, B 24/4190 Personalakte Windelband.</note></app></listApp></back></text></TEI>