<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000125-1</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Karl Dilthey</persName>, <placeName type="sent">Freiburg i. Br.</placeName>, <date>20.7.1881</date>, <note>3 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Niedersächsische Staats- und UB Göttingen, Dilth. 141</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0125" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000125-1"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Freiburg i. Br.</placeName><date when="1881-07-20">20.7.1881</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116128194">Karl Dilthey</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118711989">Georg Jellinek</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116666781">Gustav Glogau</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118574574">Hermann Lotze</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116088524">Julius Baumann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117338354">Paul Siebeck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116382813">Victor Ehrenberg</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118525727">Wilhelm Dilthey</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117040096">Wilhelm Nokk</name></note><note type="repository">Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Karl Dilthey</persName>, <placeName type="sent">Freiburg i. Br.</placeName>, <date>20.7.1881</date>, <note>3 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Niedersächsische Staats- und UB Göttingen, Dilth. 141</bibl></head></front><body><dateline>Freiburg <abbr>i B.</abbr> 20 Juli 1881</dateline><salute>Liebster Carlo!</salute><p>Den besten, innigsten Dank für Deinen Brief, den ich sofort, wenn auch deshalb in Eile beantworte! Deine liebenswürdige Aufforderung, bei Dir zu wohnen, nehme ich mit herzlichem Danke an, – schon aus dem Grunde, weil ich auf diese Weise von Dir, um dessen willen ich überhaupt in G<add>[öttingen]</add> Rast mache, am meisten habe. Du darfst mich also bestimmt Samstag 6 Aug<add>[ust]</add> Nachm<add>[ittags]</add> 2h 25m <abbr>resp.</abbr> via Bebra 2h 27m erwarten. Hast Du Examen, so benutze ich die Zeit zu meinen Besuchen: ich erbitte nur, für den Fall, daß Du am Bahnhof zu sein irgendwie verhindert wärst oder es unbequem fändest, eine Notiz auf Karte, welches Deine Wohnung ist.</p><p>Jene Besuche werden sich nach Deinen Mitteilungen vielleicht um einen verringern, – um denjenigen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-978"/>B.’s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-978"/>. Was über jene wunderliche Historie hierher gedrungen ist, war gerade so widerspruchsvoll und unglaublich, wie – das Resultat! Das Wenige, was Du schriebst, enthielt für mich eine große Beruhigung. Nach Mitteilungen, die nicht exact gewesen zu sein scheinen, mußte ich meinen, daß B. sich meiner von andrer Seite her partirten Erwähnung von Anfang an widersetzt habe, und <pb/> mußte ich fürchten, daß der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-979"/>Mann<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-979"/>, den ich in wissenschaftlicher Hinsicht am meisten und weit über allen andren verehrte und dessen Urtheil mir in dieser Hinsicht durchaus werthvoll war, aus dem Leben geschieden sei, ehe ich Gelegenheit hatte, ihm den Irrthum, als hüte ich bei den Positivisten und Sensualisten die Schweine, auszureden – ein Gefühl, das seit den letzten Wochen als der Schmerz um ein Unwiederbringliches mich tief ergriff. Du wirst danach verstehen, wie lieb es mir war, von Dir zu vernehmen, daß er, solange er nicht fremden Einflüssen nachgab, anfänglich mich in erster Linie genannt hat!</p><p>Doch von all dem mündlich! Nur dies vorher! Du darfst, liebster Freund, nicht meinen, daß ich nicht von Anfang an und in voller Ausdehnung die sonderbare Position, in der Du Deinem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-980"/>Bruder<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-980"/> und mir gegenüber warst, begriffen hätte! nicht meinen, daß ich sie nicht völlig wie Du beurtheilt hätte! nicht meinen also, daß dadurch sich irgend etwas zwischen uns geschoben hätte!</p><p>Daß ich Dir wegen meiner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-981"/>Frühjahrsreise<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-981"/> nicht geschrieben, <pb/> hing wesentlich daran, daß ich von Anfang an sehr zweifelhaft war, ob ich überhaupt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-982"/>nach England<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-982"/> kommen würde: in der That bin ich auch nicht dahin gekommen, sondern bin die ganze Zeit über nur in Paris gewesen. Der Londoner Plan steht noch aus und braucht vielleicht garnicht in Erfüllung zu gehen, falls ich im Herbst in Berlin genug finde!</p><p>Und nun also auf ein frohes Wiedersehen! Meine Frau grüßt Dich herzlichst! Mit treuem Gruß Dein alter</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-978"><lem>B.’s</lem><note>die Rede ist von <name>Julius Baumann</name> (1837–1916), <abbr>Prof.</abbr> der Philosophie in Göttingen, Schüler <name>Lotze</name>s wie Windelband (<abbr>BEdPh</abbr>). Der Kontext von Windelbands Schreiben ist die schwebende Nachfolgefrage <name>Lotze</name>s, der am 1.7.1881 verstorben war, und für die auch Windelband noch zu Lebzeiten Lotzes im Gespräch war (<abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Wilhelm Nokk</name> vom 4.12.1880).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-979"><lem>Mann</lem><note><name>Hermann Lotze</name></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-980"><lem>Bruder</lem><note><name>Wilhelm Dilthey</name></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-981"><lem>Frühjahrsreise</lem><note><abbr>u. a.</abbr> nach Paris, <abbr>vgl.</abbr> darüber Windelband an <name>Wilhelm Nokk</name>; an <name>Georg Jellinek</name> vom 9.10.1880, an <name>Paul Siebeck</name> vom 7.3.1881, an <name>Victor Ehrenberg</name> vom 16.3.1883 und an <name>Jellinek</name> vom 22.3.1883.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-982"><lem>nach England</lem><note>erst im Frühjahr 1884 unternahm Windelband eine Reise nach Oxford, deren Daten nicht genau bekannt sind (Abreise <abbr>ca.</abbr> 8.3.1884), <abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Gustav Glogau</name> vom 6.3.1884.</note></app></listApp></back></text></TEI>