<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000078-3</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Gottlieb Ziegler</persName>, <placeName type="sent">Zürich</placeName>, <date>20.1.1877</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsarchiv des Kantons Zürich</bibl><bibl type="pubPlace">, U 103.4.40, Bl. 17</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0078" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000078-3"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Zürich</placeName><date when="1877-01-20">20.1.1877</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/140303499">Gottlieb Ziegler</persName></correspAction><note type="mentioned"><name>Florian Christen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/140303499">Gottlieb Ziegler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117748773">Johann Karl Kappeler</name></note><note type="repository">Staatsarchiv des Kantons Zürich</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Gottlieb Ziegler</persName>, <placeName type="sent">Zürich</placeName>, <date>20.1.1877</date>, <note>4 S., hs. 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Der sich diesen Verhältnissen gegenüber zunächst empfehlende Gedanke, den Vortrag dieser pädagogischen Fächer für das Polytechnikum und die Lehramtsschule zu combiniren, scheint jedoch nach der Unterredung, welche ich mit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-674"/>Herrn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-674"/> <name>Kappeler</name> hatte, keine Wahrscheinlichkeit der Durchführung zu haben: denn <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-675"/>Herr<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-675"/> <name>Kappeler</name> ging von der Ansicht aus, daß der Standpunct derjenigen Zuhörer, welche er für meine <pb/> Thätigkeit im Auge hat, der Schüler der sechsten, mathematisch-naturwissenschaftlichen Abtheilung des Polytechnikums, von demjenigen der Lehramtskandidaten so wesentlich verschieden sei, daß ein gemeinsamer Vortrag für beide nicht gut denkbar erscheine: es sei zu befürchten, daß, wenn derselbe wesentlich für die Polytechniker eingerichtet wäre und die Tendenz auf die Entwickelung der mathematisch-physikalischen Methoden nähme, die Interessen der Lehramtsschule zu kurz kämen, umgekehrt, daß, wenn auf diese Rücksicht genommen werde, wieder die Polytechniker keine Frucht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-676"/>davon<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-676"/> hätten. Ich weiß nicht, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-677"/>in wie weit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-677"/> diese Annahme eines so weiten Abstandes beider Standpuncte begründet ist: für mich aber handelte es sich hauptsächlich darum, daß, wenn ich ein Arrangement eingehen sollte, welches mich an beiden Anstalten gleichzeitig mit einer Professur beehrte, die Verhältnisse so klar und zweifellos geordnet sein müßten, daß ich nicht zu befürchten hätte, zwischen den berechtigten Anforderungen beider Behörden inʼs Gedränge zu kommen.</p><p>Sollte man aber diese Schwierigkeit dadurch zu <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-678"/>ver<pb/>meiden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-678"/> suchen, daß, wie angedeutet wurde, die beregten Fächer für beide Anstalten gesondert von mir vorzutragen wären, so würde dadurch meine Zeit und Arbeit von der pädagogischen Thätigkeit in einem Grade absorbirt werden, welche den Charakter meiner hiesiegen Stellung als eines Professors der Philosophie bedenklich in Frage stellte: und ich darf nicht verschweigen, daß ich auf die Erhaltung derselben ebensoviel Gewicht lege, wie auf die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-679"/>Verbesserung meiner äußerlichen Stellung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-679"/>, für welche Sie, hochverehrter Herr, in so außerordentlich liebenswürdiger und verdankenswerther Weise bemüht sind.</p><p>Herr Präsident <name>Kappeler</name> sagte, daß er vermutlich am Montag mit Ihnen über diese Angelegenheit conferiren werde: gleichwohl verfehle ich nicht, Ihnen diese meine Auffassung der Lage mitzutheilen, von welcher ich Sie ersuche, auch dem Herrn <name>Kappeler</name> gegenüber Gebrauch zu machen.</p><p>In vorzüglichster Hochachtung Ihr ergebenster</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-672"><lem><name>Kappeler</name></lem><note><name>Johann Karl Kappeler</name> (1816–1888), Jurist, nach Studium in Zürich, Heidelberg und Berlin 1839 Thurgauer Anwaltspatent, 1843–1857 Thurgauer Kantonsrat (1850–52 u. 1856–57 Präsident), 1850–57 Präsident des Thurgauer Obergerichts, 1848–81 Ständerat (1851–52, 1845–55, 1872, 1881 Präsident), 1854–57 Mitglied des Bundesgerichts, 1857–88 Präsident des eidgenössischen Schulrats und damit Vorsteher des Polytechnikums in Zürich (Historisches Lexikon der Schweiz).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-673"><lem>Herrn</lem><rdg>Hrn.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-674"><lem>Herrn</lem><rdg>Hrn.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-675"><lem>Herr</lem><rdg>Hr</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-676"><lem>davon</lem><note>kann auch heißen: </note><rdg>daran</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-677"><lem>in wie weit</lem><rdg>in weit</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-678"><lem>ver<pb/>meiden</lem><rdg>ver|den</rdg><note> Verlust des Wortteils durch Seitenwechsel</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-679"><lem>Verbesserung meiner äußerlichen Stellung</lem><note><abbr>vgl.</abbr> in derselben Akte <abbr>Bl.</abbr> 15 das Schreiben <name>Gottlieb Ziegler</name>s an den Regierungsrat, Zürich 22.1.1877: </note><rdg>Die Erziehungsdirection berichtet: A. Dem Herrn Dr. Windelband Professor der inductiven Philosophie an der Zürcher Hochschule ist eine Professur für Philosophie an der Universität Freiburg angetragen worden und er hat die Absicht kund gegeben, diesem Ruf, aus Gründen der Rücksichtnahme für seine Familie zu folgen, wenn seine ökonomischen Anstellungsbedingungen hier nicht angemessen verbessert werden könnten. Die Erziehungsdirection und der Erziehungsrath würden den Verlust dieses Lehrers sehr bedauern, welcher in der kurzen Zeit seiner hiesigen Wirksamkeit in Beziehung auf Lehrtalent und Wissen sich ungetheilte Anerkennung zu erringen gewußt hat und der beim gegenwärtigen Stand der philosophischen Fachwissenschaft nur schwer zu ersetzen wäre. Es hat deshalb die Erziehungsdirection in der Absicht, Herrn Windelband das Verbleiben an unserer Hochschule zu ermöglichen, mit dem Präsidenten des Schweizerischen Schulrathes, Herrn Kappeler unter beiderseitigem Vorbehalt der Gutheißung durch die zustehenden Behörden das Abkommen getroffen, daß Herr Windelband als Professor der Pädagogik und der Geschichte der Pädagogik mit einem Gehalt von 2000 Frk [</rdg><note>Franken</note><rdg>] und der Verpflichtung zu 4 wöchentlichen Vorlesungsstunden angestellt und diese Vorlesungen in die Stundenzahl, zu welcher er gegenwärtig der Hochschule gegenüber verpflichtet ist, eingerechnet werden. Zugleich wird beantragt, seine Besoldung an der Hochschule von 4000 auf 4500 Frk zu erhöhen.</rdg><note> Diesem Antrag wurde nicht stattgegeben, <abbr>vgl.</abbr> die Ablehnung durch den Regierungsrat vom 3.3.1877 auf demselben <abbr>Bl.</abbr> unten; auf <abbr>Bl. </abbr>16 die Stellungnahme <name>Johann Karl Kappeler</name>s.</note></app></listApp></back></text></TEI>