<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000055-3</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Victor Ehrenberg</persName>, <placeName type="sent">Leipzig</placeName>, <date>13.12.1872</date>, <note>2 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL Ehrenberg acc. Darmst. 1924.138</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0055" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000055-3"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Leipzig</placeName><date when="1872-12-13">13.12.1872</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116382813">Victor Ehrenberg</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118711989">Georg Jellinek</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116382813">Victor Ehrenberg</name></note><note type="repository">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Victor Ehrenberg</persName>, <placeName type="sent">Leipzig</placeName>, <date>13.12.1872</date>, <note>2 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL Ehrenberg acc. Darmst. 1924.138</bibl></head></front><body><dateline>Leipzig. 13.12.72</dateline><salute>Lieber Freund!</salute><p>Ihren so <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-460"/>freundlich theilnehmenden Zeilen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-460"/> hätt’ ich schon längst geantwortet, wenn nicht das geringe Maaß dessen, was mir zu schreiben noch immer räthlich war, vollkommen von durchaus nothwendiger Correspondenz in Anspruch genommen gewesen wäre. Mußt’ ich doch hin und her schreiben, da alle Welt mir rieth, mich den grausamen Plänen zu unterwerfen, welche die Aerzte mit mir nun einmal vorhaben. Und so hat denn auch schließlich deren Logik über die Wünsche meines Herzens triumphirt: in acht Tagen werde ich unterwegs sein, um den Rest des Winters <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-461"/>in Italien<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-461"/> zuzubringen! Eine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-462"/>Tante<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-462"/> wird mich begleiten, da nach solchen ärztlichen Befehlen meine Familie sich von der Vorstellung meiner als eines gewiß <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-463"/>schwer Kranken<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-463"/> und sehr Schwachen nicht losmachen kann. Das ist die Welt, von der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-464"/>Fichte behauptete, daß sie nur ein Ausfluß der Freiheit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-464"/> sei!</p><p><name>Jellinek</name> machte mir Hoffnung, daß Sie in ein paar Tagen hier sein und ich somit noch die Freude haben würde, Sie wiederzusehen. Das wäre herrlich: denn ich würde mich gern persönlich davon über<pb/>zeugen, daß Sie mir in der Genesung ein gut Stück vorauf sind! Sollte das nicht eintreffen, so sind diese Zeilen bestimmt, Ihnen ein herzliches, inniges Lebewohl zu sagen und Sie zu bitten, daß nicht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-465"/>letheische Fluthen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-465"/> während so langer Zeit Ihre Freundschaft für mich hinwegspülen mögen!</p><p>Für die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-466"/>freundliche Büchersendung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-466"/> besten Dank! ich kann nun leider doch keinen Gebrauch mehr davon machen.</p><p>Leben Sie wohl, leben Sie täglich wöhler und genießen Sie das Recht, in der Heimat bleiben zu dürfen! Mit bestem Gruße Ihr</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-460"><lem>freundlich theilnehmenden Zeilen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Ehrenberg</name> an <name>Jellinek</name> aus Braunschweig vom 2.12.1872: </note><rdg>Du lieber Mensch, ich bin Dir recht, recht, dankbar, daß Du mir so ausführlich Nachrichten giebst, wäre nur die eine böse nicht darunter! Ich habe an Windelband gleich ein paar Worte geschrieben und lege sie ein; Du bist wohl so gut, sie ihm zu überbringen</rdg><note> (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt <abbr>a. M.</abbr>: Klostermann 2005, <abbr>S.</abbr> 168).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-461"><lem>in Italien</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Ehrenberg</name> an <name>Jellinek</name> aus Braunschweig vom 15.12.1872: </note><rdg>Von Windelband hatte ich heute Brief; ich begreife doch nicht, wie die Ärzte ihm in dieser Jahreszeit eine so weite Reise gestatten können, mir wurde es streng verboten. Jedenfalls hoffe ich, den Freund dort noch zu sehen</rdg><note> (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt <abbr>a. M.</abbr>: Klostermann 2005, <abbr>S.</abbr> 171).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-462"><lem>Tante</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-463"><lem>schwer Kranken</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Jellinek</name> an <name>Ehrenberg</name> aus Leipzig vom 1.12.1872: </note><rdg>Vor vierzehn Tagen ungefähr wurde Windelband plötzlich krank. Ein heftiges Fieber, oft von Delirien begleitet, hatte ihn ergriffen. Anfangs glaubte man, daß es ein Nervenfieber wäre, bald aber stellte sich heraus, daß es die Folge einer Brustfellentzündung sei, die mit ungewöhnlicher Stärke auftrat. Er wurde alsbald ins Spital transportirt, wo er die beste und gründlichste Pflege hat. Seit einigen Tagen geht es ihm entschieden besser. An seine Vorlesungen darf er natürlich diesen Winter nicht mehr denken, und so kannst Du immerhin noch sein erster Famulus werden. Bardeleben meinte, es wäre für ihn sehr gut, wenn er einige Zeit in einem südlichen Klima zubrächte. So wäre es denn auch möglich, daß Euch ein leider nicht glücklicher Zufall wieder zusammenführte. Während seiner Krankheit hat er sich immer nach Dir erkundigt, einmal sogar in stärkstem Fieber.</rdg><note> (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt <abbr>a. M.</abbr>: Klostermann 2005, <abbr>S.</abbr> 165–166).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-464"><lem>Fichte … Freiheit</lem><note> Anspielung auf Johann Gottlieb Fichtes Vorlesungen über die Tatsachen des Bewußtseins (1810/11).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-465"><lem>letheische Fluthen</lem><note>Anspielung auf Lethe, den mythischen Fluß des Vergessens</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-466"><lem>freundliche Büchersendung</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Jellinek</name> an <name>Ehrenberg</name> aus Leipzig vom 1.12.1872: </note><rdg>Er wollte Dir längst schreiben und Dich um die Rücksendung des Kuno Fischer, den er nothwendig braucht, ersuchen</rdg><note> (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt <abbr>a. M.</abbr>: Klostermann 2005, <abbr>S.</abbr> 165–166). Gemeinte Werke <name>Kuno Fischers</name> nicht ermittelt.</note></app></listApp></back></text></TEI>