<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000049-2</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Georg Ebers</persName>, <placeName type="sent">Potsdam</placeName>, <date>18.12.1871</date>, <note>3 S., hs. (dt. Schrift), am Briefkopf gedrucktes Signet: zwei ineinandergeschlungene W-Versalien in einem von einem geschlossenen Gürtel gebildeten Ring, darüber eine fünfzackige Krone, auf der Rückseite der 3. Briefseite nicht zugehörige Notizen von anderer Hand (Georg Ebers) zu den Inhalten einzelner Kapitel der drei Bände von Ebersʼ Roman Eine ägyptische Königstochter (1864)</note>, <bibl type="pubPlace">Morgan Library &amp; Museum New York, MA 7045</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0049" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000049-2"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Potsdam</placeName><date when="1871-12-18">18.12.1871</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118681559">Georg Ebers</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/119555883">Alfred Dove</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116329017">Antonie Ebers</name><name>Friederike Windelband</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118580140">Friedrich Meinecke</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118670743">Georg Curtius</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118681559">Georg Ebers</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118535455">Gustav Freytag</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11875968X">Julian Schmidt</name></note><note type="repository">Morgan Library &amp; Museum New York</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Georg Ebers</persName>, <placeName type="sent">Potsdam</placeName>, <date>18.12.1871</date>, <note>3 S., hs. (dt. Schrift), am Briefkopf gedrucktes Signet: zwei ineinandergeschlungene W-Versalien in einem von einem geschlossenen Gürtel gebildeten Ring, darüber eine fünfzackige Krone, auf der Rückseite der 3. Briefseite nicht zugehörige Notizen von anderer Hand (Georg Ebers) zu den Inhalten einzelner Kapitel der drei Bände von Ebersʼ Roman Eine ägyptische Königstochter (1864)</note>, <bibl type="pubPlace">Morgan Library &amp; Museum New York, MA 7045</bibl></head></front><body><dateline>Potsdam 18.12.71.</dateline><salute>Hochgeehrter Herr Professor!</salute><p>Wenn ich mir gestatte, Ihre Güte für mich in Amspruch zu nehmen, so geschieht das nicht nur in der Erinnerung an die freundliche Liebenswürdigkeit, deren ich mich von Ihrer Seite während meiner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-425"/>Jenenser Studienzeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-425"/> erfreuen durfte, sondern auch im Anschluß an die Mittheilung meines Freundes <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-426"/>G<add>[ustav]</add> <name>Freytag</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-426"/><name/>, wonach Sie noch jetzt eine gütige Erinnerung an mich und ein Interesse an meinen Plänen bewahrt haben. Es liegt allerdings in meiner Absicht, mich sobald als möglich zu habilitieren, und nach Allem, was ich gehört, würde sicher Leipzig der beste Boden für mich sein. Denn Ihre Universität ist sicherlich auf dem besten Wege, die erste unseres Vaterlandes zu werden, wenn sie es nicht in vielen Beziehungen schon ist, und ich denke mir, daß der Character Leipzigʼs, in dem sich die Vortheile der großen Stadt mit denjenigen einer nicht allzu großen Ausdehnung verbinden, gerade für die Regsamkeit und die Behaglichkeit des geistigen Lebens ein gleich günstiger ist. Dazu kommt, daß, soviel ich weiß, an philosophischen <pb/> Vorlesungen und namentlich an solchen über Geschichte der Philosophie, die ich wohl zunächst behandeln würde, augenblicklich bei Ihnen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-427"/>kein Ueberfluß<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-427"/> ist, wenigstens nicht im Verhältniß zu der sonst so überaus günstigen Frequenz der Universität: und wenn auch der Sinn für specifisch philosophische Gegenstände in unserer Generation nicht gerade stark vertreten ist, so ist doch noch immer in verschiedenen Fächern das Bedürfniß nach philosophischer Bildung und namentlich nach historischer Kenntniß der Philosophie unzweifelhaft vorhanden. Somit würde ich mich wohl unzweifelhaft für Leipzig entscheiden, wenn ich hoffen dürfte, daß die dortigen Verhältnisse und Einrichtungen mir nicht allzu große Schwierigkeiten in den Weg legen würden; und wenn ich es nach dem, was mir <name>Freytag</name> schreibt, nicht für zu unbescheiden halten darf, Ihre Zeit für mich in Anspruch zu nehmen, so würden Sie mich allerdings außerordentlich verbinden, wollten Sie mir über diese Verhältnisse einige Mittheilungen machen. Die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-428"/>gedruckten Habilitationsbedingungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-428"/> sind mir bereits früher durch die Güte des Herrn <abbr>Prof.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-429"/><name>Curtius</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-429"/> zugegangen. Jedenfalls werde ich im Anfang nächsten Jahres persönlich in Leipzig erscheinen und die Freude haben, eine so angenehme Bekanntschaft zu erneuern.</p><p>Indem ich Sie bitte, hochgeehrter Herr Professor, diese Appellation an Ihre gütige Erinnerung zu entschuldigen und <pb/> das Exemplar meiner Promotionsschrift, das ich die Ehre habe, Ihnen zu gleicher Zeit durch meinen Verleger zugehen zu lassen, freundlich aufzunehmen, ersuche ich Sie, mich Ihrer verehrten Frau <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-430"/>Gemahlin<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-430"/> gehorsamst zu empfehlen, und verbleibe mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebner</p><signed>W. Windelband</signed><postscript><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-431"/>Potsdam</p><p>Holzmarktstr<add>[aße]</add> 18.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-431"/></p></postscript></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-425"><lem>Jenenser Studienzeit</lem><note><abbr>WS</abbr> 1766/67–<abbr>SS</abbr> 1867. <name>Georg Ebers</name> (1837–1898), Ägyptologe, habilitierte sich 1865 in Jena, 1869 <abbr>ao. Prof.</abbr> daselbst; 1870 <abbr>ao. Prof.</abbr>, 1875 <abbr>o. Prof.</abbr> an der Universität Leipzig (<abbr>NDB</abbr>). Zum Schicksal der Korrespondenz Ebers’ mit Windelband <abbr>vgl.</abbr> Karl Ernst Henrici: Autographen aus Literatur und Wissenschaft. Der Sammlungen Georg Ebers, Auguste Pattberg, Wottke, Giersberg u. a. m. erster Teil. Besichtigung: Sonnabend, 29. Mai 1926. Versteigerung: Montag, 31. Mai 1926. Berlin 1926 (Katalog Nr. 108), <abbr>S.</abbr> 10 (<abbr>UB</abbr> Heidelberg, Auktionskataloge digital, 29.8.2016).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-426"><lem>Gustav Freytag</lem><note> 1816–1895, Schriftsteller, 1848–61 <abbr>u.</abbr> 1867–70 Schriftleitung (mit <name>Julian Schmidt</name>) der Wochenschrift </note><rdg>Die Grenzboten</rdg><note>, Leipzig, danach Mitarbeiter der neugegründeten Zeitschrift </note><rdg>Im Neuen Reich</rdg><note>, deren Schriftleiter Windelbands Freund <name>Alfred Dove</name> war (<abbr>NDB</abbr>; Gustav Freytag: Karl Mathy./Erinnerungen aus meinem Leben. Leipzig: S. Hirzel <abbr>o. J.</abbr> [<abbr>ca.</abbr> 1920] (Gustav Freytag Gesammelte Werke. Neue wohlfeile <abbr>Ausg.</abbr> 2. Serie 8. <abbr>Bd.</abbr>), <abbr>S.</abbr> 565–591). Der gleichnamige Neffe Gustav Freytags gehörte seit Schülerzeiten zum Bekanntenkreis Windelbands, <abbr>vgl.</abbr> Otto Wallach 1847–1931 Chemiker und Nobelpreisträger. Lebenserinnerungen: Potsdam, Berlin, Bonn, Göttingen. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> G. Beer <abbr>u.</abbr> H. Remane. Berlin: Verlag für Wissenschafts- und Regionalgeschichte Engel 2000, <abbr>S.</abbr> 35.<abbr> Vgl.</abbr> Dove an <name>Friedrich Meinecke</name> <abbr>v.</abbr> 24.10.1915: </note><rdg>Gustav Freytag erklärte einst ihm und mir seinen Namen als eigentlich „Windelbald“, d. h. „kühn wie ein Vandale“. Davon aber hatte er doch nichts abbekommen; sondern er war ein grundgescheiter, fröhlicher, das Leben und die Welt leicht und hell nehmender Gesell, bis ihn das Bewußtsein schwerer Krankheit umflorte. Ich seh’ und hör’ ihn noch vor mir, wie er zu Pfingsten 1872 mit mir von Leipzig durch den Südharz wanderte – listig und lustig wie ein Hermes</rdg><note> (Alfred Dove. Ausgewählte Briefe. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>u.</abbr> eingeleitet <abbr>v.</abbr> Oswald Dammann. München: Bruckmann 1925 (Alfred Dove. Ausgewählte Aufsätze und Briefe <abbr>Bd.</abbr> 2. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> F. Meinecke <abbr>u.</abbr> O. Dammann), <abbr>S.</abbr> 309; <abbr>vgl.</abbr> Friedrich Meinecke: Alfred Dove. In: Historische Zeitschrift 116 (1916), <abbr>S.</abbr> 69–100, Briefzitat auf <abbr>S.</abbr> 96). <abbr>Vgl.</abbr> Windelband an Gustav Freytag vom 12.7.1872.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-427"><lem>kein Ueberfluß</lem><note>im <abbr>SS</abbr> 1871 wurden an der Universität Leipzig angekündigt: </note><rdg>I. Allgemeine Studien. I. Philosophische Wissenschaften. 1. Geschichte der Philosophie. Uebersichtliche Darstellung der Hauptsysteme in der Geschichte der Philosophie: Strümpell. Geschichte der Philosophie: Hermann. Geschichte der alten Philosophie mit einer Einleitung über die Philosophie des Orients: Seydel. Ueber die Fundamente von Kant’s Moralphilosophie: Drobisch. Ueber die Entwickelung der neuesten speculativen Theologie und Religionsphilosophie (seit Schleiermacher) für die Studirenden aller Facultäten: Fricke.</rdg><note> Im <abbr>WS</abbr> 1871/72: </note><rdg>I. Allgemeine Studien. I. Philosophische Wissenschaften. 1. Geschichte der Philosophie. Geschichte der alten Philosophie (für Studirende der Philologie): Strümpell. Geschichte der Philosophie der Griechen und Römer: Seydel. Geschichte der griechischen Philosophie nebst Erklärung der loci classici nach Preller-Ritters historia philosophiae Graeco-Romanae: Fritzsche. Vergleichende Darstellung der wichtigsten neueren philosophischen Systeme: Hermann. Historische Einleitung in die Metaphysik: Drobisch. Ueber Hegels Philosophie der Geschichte: Hermann. Ueber Schleiermachers Leben u. Lehre (für die Studirenden aller Facultäten): Fricke </rdg><note>(<ref type="link">http://histvv.uni-leipzig.de/vv/1871s.html</ref>; <ref type="link">http://histvv.uni-leipzig.de/vv/1871w.html</ref>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-428"><lem>gedruckten Habilitationsbedingungen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <abbr>UA</abbr> Leipzig, Phil. Fak. A 2/2004 Bd. 2b, 35a: Regulativ für die Habilitation der Privatdocenten bei der philosophischen Facultät der Universität Leipzig, genehmigt vom königlichen Ministerium des Cultus und öffentlichen Unterrichts am 4. Februar 1870. Leipzig: Druck von Alexander Edelmann, Universitäts-Buchdrucker. 6 <abbr>S.</abbr>: § 1 über den zu stellenden Antrag des Kandidaten inklusive Nachweis dreijähriger Studienzeit (akademischen Triennium) und daß das Studienende mindestens 2 Jahre zurückliegt, sowie, daß die Promotion an einer deutschen Universität abgelegt worden ist. Beilage: Doktordiplom und Dissertationsschrift. § 2: die Kommission setzt sich aus drei Mitgliedern der Fakultät unter Vorsitz des Dekans zusammen. § 3: eine wissenschaftliche Abhandlung ist zur Begutachtung einzureichen. § 4: Abhaltung eines fachwissenschaftlichen Kolloquiums, bei dem das Ergebnis zu protokollieren ist, § 5: danach Beschlußfassung der Fakultät über Zulassung zum öffentlichen Vortrag. Die Habilitationsschrift ist auf eigene Kosten zu drucken: </note><rdg>Auf dem Titel derselben ladet der Candidat zu einem von ihm öffentlich zu haltenden Vortrage ein.</rdg><note> Der Termin ist vom Dekan vorher zu bestimmen; Abgabe von 250 Exemplaren der Habilitationsschrift an die Fakultät. § 6: Einreichung von drei Themenvorschlägen für den öffentlichen Vortrag, Auswahl durch die Kommission. § 7: </note><rdg>Mit der Haltung des öffentlichen Vortrags sind die von dem Candidaten geforderten Habilitationsleistungen geschlossen und erhält derselbe nunmehr, – nachdem er noch einen Revers unterzeichnet hat, in welchem er darauf aufmerksam gemacht wird, daß ihm aus seiner Habilitation ein Anrecht auf Renumeration oder künftige Beförderung nicht erwachse – eine Bescheinigung über die ihm ertheilte venia legendi, wobei das Fach oder die Fächer namhaft gemacht werden, auf welche sich die venia legendi erstreckt. </rdg><note>§ 8: Kosten der Habilitation: 20 Taler, zu entrichten bei Einreichung der Abhandlung, keine Erstattung (auch nicht bei Zurückweisung nach § 3).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-429"><lem><name>Curtius</name></lem><note><name>Georg Curtius</name> (1820–1885), klassischer Philologe, seit 1862 <abbr>Prof.</abbr> in Leipzig, 1869/70 Dekan der philosophischen Fakultät (Professorenkatalog der Universität Leipzig).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-430"><lem>Gemahlin</lem><note><name>Antonie Ebers</name> (1838–1913), verwitwete Lösevitz (<abbr>NDB</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-431"><lem>Potsdam Holzmarktstraße 18.</lem><note> letzte nachgewiesene Potsdamer Adresse von <name>Friederike Windelband</name>, <abbr>geb.</abbr> Gerloff, der Mutter Windelbands, <abbr>vgl.</abbr> <ref type="link">www.janecke.name gaeste/wichgraf-in-potsdam</ref> (2.2.2017).</note></app></listApp></back></text></TEI>