<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000020-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Carl Ledderhose</persName> an <orgName type="received">Karl (von) Hofmann</orgName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>30.5.1882</date>, <note>3 S., eigenhändiger Briefentwurf</note>, <bibl type="pubPlace">ADBR Strasbourg, 103 AL 260 Bl. 65-66</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0020" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000020-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/104197072">Carl Ledderhose</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1882-05-30">30.5.1882</date></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600826">Alois Riehl</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/104197072">Carl Ledderhose</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116634995">Ernst Laas</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11908127X">Karl (von) Hofmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11908127X">Karl Hofmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117003646">Otto Liebmann</name></note><note type="repository">Archives Departementales du Bas-Rhin Strasbourg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Carl Ledderhose</persName> an <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-148"/><orgName type="received">Karl (von) Hofmann</orgName><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-148"/>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>30.5.1882</date>, <note>3 S., eigenhändiger Briefentwurf</note>, <bibl type="pubPlace">ADBR Strasbourg, 103 AL 260 Bl. 65-66</bibl></head></front><body><dateline>Straßburg 30/5 82</dateline><salute>An den H<add>[errn]</add> Staatssekretär</salute><salute>Sofort!</salute><p>Nachdem der ordentl<add>[iche]</add> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-149"/>Professor<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-149"/> an der philos<add>[ophischen]</add> Facultät der hiesigen Universität die ihm zugegangene Berufung an die Universität Jena angenommen und um Entlassung gebeten hat, habe ich die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-150"/>gedachte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-150"/> Facultät zur Abgabe der erforderlichen Vorschläge wegen Wiederbesetzung der mit dem Schlusse dieses Semesters hier zur Erledigung kommenden Lehrstuhles aufgefordert. Hierauf hat die Facultät in der beigeschlossenen Eingabe vom 23. d<add>[es]</add> M<add>[onats]</add> „in gleicher Weise“ die Professoren: Hofrath <abbr>Dr.</abbr> Windelband zu Freiburg i/Br. und <abbr>Dr.</abbr> <name>Riehl</name> zu Graz in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-151"/>Vorschlag<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-151"/> gebracht.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-152"/>p<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-152"/> Windelband gehört als Lehrer der Philosophie der als conservativ und gemäßigt zu bezeichnenden Richtung an, wie sie seither durch den <abbr>Prof.</abbr> <name>Liebmann</name> im Gegensatz zu der nach der radicalen Seite neigenden Richtung des Professors <name>Laas</name> Vertretung an der hies<add>[igen]</add> Universität gefunden hat. p <name>Riehl</name> ist zwar von katholischer Confession, gilt aber für emancipirt in seinem Verhältniß <pb/> zur Kirche und steht in philosophischen Fragen auf der Seite der Schule, welcher p <name>Laas</name> angehört. Vom politischen wie vom wissenschaftlichen Standpuncte erscheint es angezeigt, der letzteren Schule nicht ausschließlich das Feld an der Universität zu überlassen, sondern das bewährte Gegengewicht, welches in der Person und Lehre des <abbr>Prof.</abbr> <name>Liebmann</name> seine Stütze fand, nach dessen Abgang durch eine gleichartige Kraft wieder herzustellen.</p><p>Nach eingeholter Entscheidung seiner Excellenz des Herrn Statthalters bin ich deshalb mit Hofrath Windelband wegen Übernahme der hiesigen Professur in persönliches Benehmen getreten. Das Ergebniß ist in der hier <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-153"/>beigefügten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-153"/>, mit ihm aufgenommenen Verhandlung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-154"/>d. d.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-154"/> Freiburg d<add>[en]</add> 29. d<add>[es]</add> M<add>[onats]</add> niedergelegt. Danach ist p Windelband bereit, an die hies<add>[ige]</add> Universität unter Bedingungen überzutreten, welche im Vergleich zu der Bedeutung dieses Gelehrten und zu den Vortheilen der Stellung, die er in Freiburg aufgiebt, als mäßig bezeichnet werden dürfen. Die Zusage seiner Besoldung von jährlich 6600 M vom 1.October 1883 ab gründet sich auf ein Compromiß, ohne welches die Berufung <pb/> voraussichtlich gescheitert sein würde. Die gedachte Summe stellt den Preis dar, durch dessen Angebot <abbr>Prof.</abbr> <name>Liebmann</name> nicht bewogen werden konnte, in seiner Stellung an der hies<add>[igen]</add> Universität zu verbleiben, obwohl ihm der volle Betrag seiner Besoldung nicht erst nach Jahresfrist sondern alsbald bewilligt werden sollte.</p><p>Die Persönlichkeit des <abbr>Prof.</abbr> Windelband macht einen durchaus günstigen Eindruck, und nehme ich an, daß durch seine Berufung eine für die Univers<add>[ität]</add> sehr günstige Wahl getroffen sein würde.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-155"/><abbr>Ew.</abbr> Exc<add>[ellenz]</add><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-155"/> bitte ich deshalb gehors<add>[amst]</add>, die Berufung des <abbr>Prof.</abbr> <abbr>Dr.</abbr> Windelband als ordentl<add>[ichen]</add> Professor an der philos<add>[ophischen]</add> Facultät der hies<add>[igen]</add> Univ<add>[ersität]</add> zum 1. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-156"/>October<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-156"/> l<add>[aufenden]</add> J<add>[ahres]</add> unter den in der anliegenden <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-157"/>Verhandlung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-157"/> weiter bezeichneten Bedingungen geneigtest <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-158"/>herbeizuführen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-158"/>.</p><p>D<add>[er]</add> C<add>[urator]</add> d<add>[er]</add> U<add>[niversität]</add></p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-159"/>Le<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-159"/></p></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-149"><lem>Professor</lem><note>die Rede ist von <name>Otto Liebmann</name></note></app><app type="philological" corresp="#ED-150"><lem>gedachte</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>philos.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-151"><lem>Vorschlag</lem><note><abbr>vgl.</abbr> noch am 17.6.1882 die Meldung in: Neue Freie Presse, <abbr>Nr.</abbr> 6395, Abendblatt, <abbr>S.</abbr> 1, daß Windelband und Riehl in Straßburg </note><rdg>pari loco</rdg><note> vorgeschlagen seien.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-152"><lem>p</lem><note>wie p. p. (prämissis praemittendis: unter Voraussetzung des Vorauszusetzenden) als Hinweis auf die hier fortgelassenen Titel</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-153"><lem>beigefügten</lem><note><abbr>vgl.</abbr> das Protokoll der Übereinkunft zwischen dem Kurator der Universität <name>Ledderhose</name> und Windelband vom 29.5.1882.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-154"><lem>d. d.</lem><note>de dato (mit Datum vom)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-155"><lem>Ew. Excellenz</lem><note> <abbr>vgl.</abbr> Rudolf Iherings Anmerkung über Regeln der Höflichkeitssprache in <abbr>ders.</abbr>: Der Zweck im Recht <abbr>Bd.</abbr> 2. Leipzig: Breitkopf <abbr>u.</abbr> Härtel 1886, <abbr>S.</abbr> 720: </note><rdg>Man spricht Euere oder lhre Majestät, Excellenz, dagegen schreibt man Ew. Majestät, Excellenz, niemals: Ihre oder (ausgeschrieben) Euere […]. Auch in Ew. Wohlgeboren u. s. w. hat sich die zweite Person erhalten, in der Ueberschrift des Briefes bedient man sich der zweiten, um dann sofort mit „Ihren Brief, Antrag u. s. w. habe ich erhalten“ in die dritte überzugehen!</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-156"><lem>October</lem><rdg>Octbr</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-157"><lem>Verhandlung</lem><rdg>Verhandlg</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-158"><lem>herbeizuführen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> in derselben Akte <abbr>Bl.</abbr> 71 die Abschrift der Antwort <name>Karl Hofmann</name>s vom 13.6.1882, darin die Mitteilung, daß Windelband zu den ausgehandelten Konditionen berufen sei.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-159"><lem>Le</lem><note>eigenhändiges Namenskürzel, darunter von anderer Hand: </note><rdg>ab 30/5</rdg></app></listApp></back></text></TEI>