<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000018-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl>Fakultätsvorschlag zur Besetzung der Nachfolge Otto Liebmann an der Universität Straßburg, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, vor <date>24.5.1882</date>, <note>zwei verschiedene Schreiber</note><note>, 2 Überarbeitungsstufen (Tinte/Bleistift)</note>, <bibl type="pubPlace">ADBR Strasbourg, 62 AL 3 (Dekanat Georg Gerland 1882/83), Nr. 38, Anlage 1</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0018" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000018-7"><correspAction type="sent"><placeName>Straßburg</placeName><date when="1882-05-24">24.5.1882</date></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600826">Alois Riehl</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/104197072">Carl Ledderhose</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116678666">Emil Heitz</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116634995">Ernst Laas</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/140129421">Ernst Martin</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118547739">Georg Wilhelm Friedrich Hegel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118574574">Hermann Lotze</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117003646">Otto Liebmann</name></note><note type="repository">Archives Departementales du Bas-Rhin Strasbourg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head>Fakultätsvorschlag zur Besetzung der Nachfolge Otto Liebmann an der Universität Straßburg, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-131"/>vor <date>24.5.1882</date><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-131"/>, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-132"/><note>zwei verschiedene Schreiber</note><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-132"/><note>, 2 Überarbeitungsstufen (Tinte/Bleistift)</note>, <bibl type="pubPlace">ADBR Strasbourg, 62 AL 3 (Dekanat Georg Gerland 1882/83), Nr. 38, Anlage 1</bibl></head></front><body><p>a) <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-133"/>Den<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-133"/> ordentlichen Professor der Philosophie <abbr>Dr.</abbr> Wilhelm Windelband an der Universität Freiburg. Derselbe steht in dem Lebensalter von 36 bis 37 Jahren, ist ein selbständig denkender Schüler <name>Lotze</name>’s, wurde, nachdem er sich zu Anfang der siebziger Jahre in Leipzig habilitirt hatte, 1876 nach Zürich und von dort 1877 nach Freiburg im Breisgau berufen, wo er bis jetzt eine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-134"/>als anregend und ersprießlich allgemein anerkannte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-134"/> Lehrthätigkeit entfaltet. Seinen litterarischen Leistungen nach gehört Windelband unzweifelhaft unter die besten und gediegensten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-135"/>der ihm gleichalterigen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-135"/> philosophischen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-136"/>Autoren<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-136"/>, indem er <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-137"/>eingehende Kenntnisse im Gebiet der exacten Wissenschaften mit historischer Bildung und Gelehrsamkeit vereinigt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-137"/> und ein sehr umfangreiches Wissen mit scharfem und feinem Urtheil beherrscht. Unter seinen zahlreichen wissenschaftlichen Publicationen, deren auch geist- und geschmackvolle Darstellung nachgerühmt werden muß, sind zunächst zwei systematische Abhandlungen – „Die Lehren vom Zufall“ (Berlin, 1870) und „Über die Gewißheit der Erkenntniß“ (Berlin, 1873) – hervorzuheben. Hinzu gesellt sich die größere Anzahl in verschiedenen Zeitschriften publicirter Artikel geschichtlichen, kritischen und systematischen Inhalts. Die umfangreichste unter den bisherigen Publicationen Windelband’s ist eine auf drei starke Bände berechnete: „Geschichte der neueren Philosophie“. Hiervon ist der 1t Band, den Zeitraum von der Renaissance bis auf <name>Kant</name> umfassend, 1878, und der 2te Band, welcher von <name>Kant</name> bis zu <name>Hegel</name> reicht, 1880 erschienen. Beide behandeln <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-138"/>ein schon von manchem Gelehrten in verschiedenem Sinne berührtes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-138"/> Gebiet unter <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-139"/>Einführung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-139"/> zahlreicher neuer Gesichtspuncte in origineller und gedankenreicher <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-140"/>Weise<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-140"/>. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-141"/>Der 3te, in der Vor<pb/>bereitung begriffene Band wird, auf Grund sehr umfangreicher Quellenstudien des Verfassers, die deutsche, französische und englische Philosophie der Gegenwart behandeln und verspricht Bedeutendes. Zugleich hat Windelband ein systematisches Werk über Logik<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-141"/> unter der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-142"/>Feder.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-142"/></p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-143"/>Seine bisherige Lehrthätigkeit sich über sämmtliche systematischen Fächer der Philosophie und über alle Theile der Geschichte der Philosophie erstreckt.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-143"/></p></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-133"><lem>Den</lem><note>danach mit Bleistift <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>großherzoglich badischen Hofrath,</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-134"><lem>als anregend und ersprießlich allgemein anerkannte</lem><note>Selbstkorrektur des 1. Schreibers, statt <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>allgemein anerkannte</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-135"><lem>der ihm gleichalterigen</lem><note>Einfügung vom 2. Schreiber</note></app><app type="philological" corresp="#ED-136"><lem>Autoren</lem><note>danach <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>seiner Alterskategorie</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-137"><lem>eingehende … vereinigt</lem><note> für <name>Alois Riehl</name> wird weitaus stärker hervorgehoben (Anlage 2, diese in Reinschrift von anderer Hand, <abbr>vgl.</abbr> auch die <abbr>gestr.</abbr> Passagen des Gutachtens über Windelband!): </note><rdg>Nach Allem was vorliegt, scheint sein Hauptinteresse nach der Seite der Erkenntnißtheorie und Ethik zu liegen; in ersterer Beziehung hat er die bewährtesten und abgeklärtesten Prinzipien der modernen Philosophie, insbesondere der kantischen, mit den Methoden und Ergebnissen der positiven Wissenschaften, insbesondere der Naturwissenschaft, in einen fruchtbaren Kontakt gebracht. </rdg><note>Das heißt: <name>Ledderhose</name> beruft sich nicht auf das Fakultätsgutachten, das erkennbar <name>Riehl</name> bevorzugt. <abbr>Vgl.</abbr> in derselben Akte Nr. 63: Abschrift der Mitteilung des Kurator an den Rektor über die Berufung Windelbands (17.6.1882). Diese Abschrift geht am 20.6.1882 vom Rektor an den Dekan, die </note><rdg>Allerhöchste Bestallung</rdg><note> erfolgt am 7.6.1882.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-138"><lem>ein schon von manchem Gelehrten in verschiedenem Sinne berührtes</lem><note>Einfügung vom 2. Schreiber statt <abbr>gestr.</abbr>:</note><rdg> ein von vortrefflichen Vorarbeiten durchackertes</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-139"><lem>Einführung</lem><note>Einfügung vom 2. Schreiber statt <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>Herbeiziehung</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-140"><lem>Weise</lem><note>Einfügung vom 2. Schreiber mit Bleistift statt <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>Darstellungsform</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-141"><lem>Der 3te … Logik</lem><note> diese Werke sind nicht erschienen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-142"><lem>Feder.</lem><note>danach mit Bleistift <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>Indem er mit so fruchtbarer litterarischer Thätigkeit ein höchst ansprechendes Lehrtalent vereinigt, würde die Berufung des Professors Windelband an unserer Universität eine sehr wünschenswerthe und günstige Acquisition in Aussicht stellen.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-143"><lem>Seine … erstreckt</lem><note> von der <abbr>Hd.</abbr> des 2. Schreibers</note></app></listApp></back></text></TEI>