Paul Siebeck an Windelband, Tübingen, 23.12.1914, 2 S., Ts.-Durchschlag mit eigenhändiger Unterschrift, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488 A 0362,3
23. Dez[ember] 1914.
W.-n. 2. A.[1] Herrn Geheimen Rat Professor Dr. W. Windelband Heidelberg. Landfriedstr. 14.
Hochverehrter Herr Geheimrat, am 14. Oktober erlaubte ich mir, anzufragen[2], was Sie von einem unveränderten Abdruck Ihrer Rede „Fichtes Idee des deutschen Staates“, eventuell unter Beifügung eines auf die Gegenwart gestimmten Nachworts, halten. Da ich eine Antwort hierauf noch nicht erhielt, vermute ich, dass Ihnen der Gedanke nicht sympathisch ist. Immerhin möchte ich nicht unterlassen, nochmals auf jenen Brief hinzuweisen, da die gegenwärtigen postalischen Verhältnisse die Möglichkeit offen lassen, dass der Brief nicht in Ihre Hände kam.
Der Krieg hat leider auch das Schicksal der Encyclopädie[3] besiegelt[4], da die französische, | russische und englische Ausgabe für absehbare Zeit in Wegfall kommen. Ich habe deshalb bei Herrn Dr. Ruge, der die Notwendigkeit dieses Schrittes einsieht, die Auflösung des Verlagsvertrags beantragen müssen. Es tut mir aufrichtig leid, dass das Unternehmen nun nicht über den ersten Band hinausgekommen ist.
Mit den besten Wünschen und herzlichen Grüssen verbleibe ich Ihr aufrichtig ergebener
P. Siebeck.[a]