Windelband an Karl Hampe, Heidelberg, 23.9.1914, 2 S., hs. (lat. Schrift), Briefkopf Akademie der Wissenschaften| Stiftung Heinrich Lanz | Philos.-Histor. Klasse. | Heidelberg, den …, UB Heidelberg, digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhsIIIA_449-4
23 Sept[ember] 1914
Hochgeehrter Herr Kollege,
Es kann m. E. gar keine Frage sein, dass die Akademie die für Herrn Dr. Bätghen[1] beschlossene Remuneration[2] unverändert weiter zahlt: formell schon deshalb nicht, weil dafür gar keine Bedingung hinsichtlich des tatsächlichen Fortgangs der Arbeit gemacht worden ist und weil lediglich die Frage, wie lange die Remuneration in das Jahr 1915 hinein andauern soll, von Ihrem seinerzeit zu gebenden Bericht[3] und Antrag abhängig sein wird[a], – sachlich aber erst recht, wenn eine Verzögerung der Arbeit und eine Hinausschiebung ihres Abschlusses durch eine Tätigkeit herbeigeführt wird, wie Sie Herr Bätghen jetzt im Dienst des Vaterlandes[4] ausübt. Wenn also durch diese Verhältnisse die Dauer der Remuneration schliesslich um einige Monate verlängert werden sollte, so dürfen wir bedenken, dass infolge der Kriegslage andere von unserer Klasse beschlossene Aufwendungen ebenfalls hin|ausgeschoben, z. T. vielleicht sogar aufgehoben werden und dass somit Mittel genug vorhanden sein werden. Ich glaube, dass diese Ueberlegungen für die Beantwortung Ihrer Frage in meinem Sinne auch in der Klasse massgebend sein werden, wenn ich sie – bei erster Gelegenheit, wahrscheinlich allerdings nicht vor November – in der Sitzung zur Sprache bringe. Vorerst sehe ich keinen Anlass, an der schon im voraus erteilten Anweisung irgend eine Aenderung eintreten zu lassen.
Mein Gichtanfall, der meine Frau und mich von der kurzen Erholung auf dem Kohlhof[5] nach Hause trieb, ist glücklich wieder gehoben. Ich hoffe, dass Sie und die Ihrigen sich wohl befinden. Wie gut, dass Sie jetzt nicht nach Frankfurt[6] umzuziehen brauchen!
Mit herzlichem Gruss von Haus zu Haus hochachtungsvoll der Ihrige
W Windelband