Windelband an Paul Siebeck, Heidelberg, 23.2.1914, 3 S., hs. (lat. Schrift), Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488 A 0362,3
Heidelberg, 23.2.14[a]
Hochgeehrter Herr Doctor,
Anbei nun das Manuscript des Registers zu meiner Einleitung[1]!
Wenn nun das Semester zu Ende ist, will ich nächste Woche mir das „Negative Urteil“ ansehen, ob ich’s zur zweiten Auflage ausarbeiten kann, und dann auch die Sache mit dem „Zufall“[2] regeln.
Gestern berichtete mir Dr. Ruge, dass er den zweiten Band der Encyclopädie[3] noch nicht zusammen hat. Es fehlt der Franzose: und es muss zuge|standen werden, dass, wenn man nur Leute ersten Ranges nehmen will, man sie langsamer zusammenbekommt, als wenn man an junge Autoren geht, die gleich zugreifen. Haben Sie also noch etwas Geduld!
Gleichzeitig erzählt mir Ruge, dass auch von ihm jetzt eine „Einführung in die Philosophie“[4] fertig ist, ein Band aus den Katechismus-Büchern des Leipziger Verlags Weber (Illustr[ierte] Zeit[un]g) à 3 Mk. Er hats aber doch auf | 16 Bogen ausgedehnt. Es soll im März erscheinen. Ein komisches Zusammentreffen; ich wollte es Ihnen doch mitteilen. Die beiden Bücher werden sich ja vermutlich keine Konkurrenz machen, da jene aus dem Weber-Verlag sehr[b] populär veranlagt sind.
Verzeihen Sie die Form des Briefs[5]! ich benutze die Fasching-Tage[6], um dem Arzt zuliebe und vorsichtshalber im Bett zu bleiben, und grüsse Sie mit herzlicher Hochachtung wie stets als Ihr ergebner
W Windelband