Windelband an Karl Jaspers, Heidelberg, 19.10.1913, 1 S., hs. (lat. Schrift), Deutsches Literaturarchiv Marbach/Neckar, A:Jaspers

Sehr geehrter Herr Doctor,

Es hat mir sehr leid getan, dass Sie mich vergebens aufsuchten: ich hatte einen leichten Gichtanfall, aber da er im Knie sass, war es am besten, ihn im Bett abzuwarten. Es ist nun zwar nicht unbedingt nötig aber doch recht wünschenswert, dass wir vor der officiellen Einleitung Ihrer Habilitation[1] Einiges besprechen, und ich bitte Sie deshalb an einem der nächsten Vormittage etwa ½1 Uhr mich zu besuchen[2]; bis dahin pflege ich morgens zu diktieren[3].

Inzwischen mit hochachtungsvollem Gruss der Ihrige

W Windelband

Kommentar zum Textbefund

aHeidelberg ] Hdbg

Kommentar der Herausgeber

1officiellen Einleitung Ihrer Habilitation ] am 7.11.1913, vgl. das Gutachten Windelbands über Jaspers im Abschnitt Dokumente der vorliegenden Edition.
2besuchen ] zu den Besuchern Windelbands Anfang des WS 1913/14 gehörte auch Helmuth Plessner, der im Sommer ein Manuskript eingereicht hatte, um die Chancen einer Promotion bei Windelband auszuloten. Windelbands Reaktion entmutigte Plessner, so daß er sich über Hans Driesch an Edmund Husserl wandte (vgl. Driesch an Husserl vom 3.1.19016, in: Edmund Husserl Briefwechsel Bd. 6. Philosophenbriefe, S. 57–59).
3zu diktieren ] u. a. für die Einleitung in die Philosophie, vgl. Windelband an Paul Siebeck vom 28.8.1913.