Windelband an Paul Siebeck, Heidelberg, 7.2.1912, Text nach einer Transkription von Klaus Christian Köhnke[1], Umfang und Besonderheiten nicht bekannt, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488
Heidelberg, 7. Febr[uar] 1912
Hochgeehrter Herr Doctor,
Anbei übersende ich Ihnen den Rest des Manuskripts für die 6. Aufl. meines Lehrbuchs. Wie den Titelhalbbogen, so habe ich jetzt auch die Register zurückbehalten, die ja erst nach dem Satz umzuarbeiten sind, und dazu noch die letzten, auf demselben Bogen stehenden Textseiten, in denen nichts Wesentliches zu ändern ist.
Indem ich sodann mit bestem Dank den Empfang des Logosheftes II,2[2] bestätige, füge ich nach einer Konferenz mit Herrn Dr. Ruge, den ich erst eben sprechen konnte, in der Angelegenheit der Encyklopädie[3] Folgendes hinzu: Dr. Ruge, energisch und optimistisch wie immer, will sich anheischig machen, mit den Uebersetzern die Sache so zu beschleunigen, dass der Band im Anfang des Sommersemesters erscheinen kann. Es soll also 1) der Satz ununterbrochen fortgeführt werden, 2) die Uebersetzungen aus dem Italienischen, Französischen und Englischen hier unter seiner Aufsicht angefertigt werden, 3) für das Erscheinen der Originale in der betreffenden Sprache Sorge getragen werden, indem für jedes Land einsprachige Ausgaben veranstaltet werden, deren Besorgung er mit den Verlegern in Ihrem Auftrage vermittelt, 4) alles dies so beschleunigt werden, dass die deutsche Ausgabe im Anfang des Sommersemesters[4] ausgegeben wird. – Unter diesen Bedingungen bin ich, weil Sie es wünschen und weil Ruge sich dazu glaubt anheischig machen zu können, mit der vorgeschlagenen Veränderung einverstanden, obwohl ich nicht verbergen kann[5], dass mir der ursprüngliche Plan eigenartiger und wertvoller scheint und mir mehr gefallen haben würde,– und dass ich die Aenderung, weil sie die Erfüllung sehr vieler Bedingungen, der Leistungsfähigkeit und Pünktlichkeit der Uebersetzer, der Zustimmung der Autoren, der Arrangements mit den ausländischen Verlegern etc. zur Voraussetzung hat, noch immer für ein Risico, für eine Gefährdung des Unternehmens halte.
Eine persönliche Bitte füge ich hinzu: dass wenigstens der Satz meines Beitrages ununterbrochen zu Ende geführt wird; ich habe heute nichts erhalten. ich habe mich mit meiner Arbeit darauf eingerichtet, bei der äusserst gedrängten Darstellung bedarf es auch sachlich genauer Nachprüfung, ich bin jetzt darin, und ich müsste von vorn anfangen, wenn ich erst später die Fortsetzung zu korrigieren bekäme.
Mit vorzüglicher Hochachtung wie stets der Ihrige
W Windelband