Windelband an Eduard Schwartz, Heidelberg, 21.11.1908, 1 S., hs. (lat. Schrift), Bayerische Staatsbibliothek München; Autographensammlung, Schwartziana II A
Heidelberg, 21.11.08
Lieber Freund und verehrter Kollege,
Mit grosser Befriedigung habe ich eben bei unserm Jahresfeste[1] aus dem Munde des Ministerialreferenten gehört, dass er in der Freiburger Frage[2] bereits an Sie geschrieben hat. ich gratuliere also von ganzem Herzen Ihnen und hoffentlich auch Freiburg! Sie werden einen sehr feinen und liebenswürdigen Unterhändler an Geheimrat[a] Böhm finden! er fürchtet die geringen Frequenzen, die bisher die „alten Herrn“ in Freiburg für die philologischen Kollegien erzielt haben, möchten auf Sie abschreckend wirken; er hofft aber, Sie persönlich davon zu überzeugen, dass es bei Ihnen sehr schnell besser werden wird! Was ich selbst bestimmt glaube.
Die Stellung im Oberschulrat[3] ist – ich habe mich schon vorher erkundigt – dem Heidelberger neuen Kollegen Boll[4] übertragen, der übrigens ein sehr netter Mann zu sein scheint. Daher wird vermutlich, weil Freiburg schon seinen Mathematiker im Oberschulrat hat, zunächst in dieser Hinsicht nichts zu machen sein. Aber ich hoffe, dass man Ihnen eine solche Position schaffen kann, die Ihnen genügt und Sie zu uns zieht: quod dii bene vertant[5]!
Die Stunde des Festmahls schlägt; ich habe nur die kurze Pause benutzen wollen, Ihnen und Ihrer verehrten Frau sogleich meinen Glückwunsch und den Ausdruck meiner hohen Freude zu schicken! Meine Frau schliesst sich mit besten Wünschen und Grüssen an, und so bleibe ich getreulich der Ihrige
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