Windelband an Hugo Münsterberg, Heidelberg, 2.2.1908, Text nach einer Transkription von Klaus Christian Köhnke[1], Umfang und Besonderheiten nicht bekannt, mit gedrucktem Briefkopf: III. Internationaler Kongress | für Philosophie Heidelberg 1908 | Präsident: Dr. Windelband, | Landfriedstrasse 14. Heidelberg, den …, Boston Public Library, Hugo Münsterberg Collection, MS Acc 1501-2500: Series 7, Box 51, Folder 750
Heidelberg, den 2 Febr[uar] 08
Hochgeehrter Herr College,
Trotz des officielen[a] Kopfes und Anlasses, womit ich Ihnen schreibe, habe ich doch zunächst das lebhafte Bedürfnis, Ihnen auf das herzlichste für das wertvolle Geschenk zu danken, mit dem Sie mich erfreut haben, und Ihnen den aufrichtigsten Glückwunsch zur Vollendung Ihres neuen Werkes[2] auszusprechen. Sie wissen, wie bedeutsam mir der Gegenstand ist, den Sie in grossen Linien aus dem innersten Wesen der Sache heraus untersucht haben, – wie ich darin den Kern der Aufgabe für unsre heutige Philosophie sehe. Sie vollenden damit, was nach Ihren Grundzügen der Psychologie[3] als Ihre philosophische Leistung zu erwarten war. Einen Teil Ihres Werks habe ich im Zusammenhang mit meiner ethischen Vorlesung dieses Semesters[4] bereits genossen, – mit entschiedner Zustimmung zu Ihrem Aufbau der Wertschichten, aber zur Bewältigung des Ganzen bin ich leider unter dem Druck grosser Arbeitslast nicht gekommen.
Zu dieser Arbeitslast gehören nicht zum wenigsten die Vorbereitungen zu dem internationalen Kongress für Philosophie, der in der ersten Septemberwoche hier tagen soll. ich bin (z. T. gegen Wunsch und Neigung[5]) veranlasst worden, der Tagung in Genf 1904 beizuwohnen, und die Folge ist die Wahl Heidelbergs für 1908 gewesen. Für manches, was dabei schwierig ist, hoffe ich Entschädigung in dem Besuch bedeutender Menschen zu finden, und ich denke daran, dass es mir vielleicht vergönnt sein wird, auch Sie dabei wiederzusehen[6]. Es ist ja eine gute Zeit für die transatlantischen Kollegen, und wir hoffen, dass unsre in den nächsten Tagen ausgehenden Einladungen gerade aus Ihrem Lande zahlreiche Annahme finden werden.
Und hierin möchte ich mir nun erlauben, Ihren gütigen Rat zu erbitten. Der Kongress hält 4 Hauptsitzungen ab mit allgemeinen Vorträgen je aus einer der vier Sprachen: deutsch, englisch, französisch, italienisch. Nun wäre es mir sehr sympathisch, wenn der englische Redner ein amerikanischer Kollege wäre, dem vielleicht ein ethisches Thema (man muss auch im Gegenstand für Abwechslung sorgen) am nächsten läge. Und so wende ich mich an Sie mit der Bitte, ob Sie mir einen Kollegen bezeichnen können, an den ich mit Vertrauen und der Aussicht auf Erfolg mich wenden könnte, um ihn für einen dieser allgemeinen Vorträge[7] zu gewinnen. Am nächsten lag mir, Sie selbst zu bitten; aber es schien mir ein Akt der Höflichkeit gegen die genuinen Amerikaner zu sein, wenn ich einen von Ihnen auffordere; ich denke, Sie werden das verstehen und billigen, und ich hoffe wie ich bitte, dass Sie mich darin mit Ihrem Rate unterstützen. In Genf war, wenn ich mich recht entsinne, nur Strong von Columbia, New York[8]; sollte ich mich an ihn wenden? Und wie denken Sie überhaupt darüber? Eine freundliche Notiz würde mich sehr fördern und verbinden.
Mit aufrichtig ergebnem Gruss getreulich der Ihrige
W Windelband