Windelband an Ernst Troeltsch, Heidelberg, 10.6.1906, 1 S., hs. (lat. Schrift), UA Heidelberg, RA 5214 (Kuno Fischer-Preis-Stiftung 1904–1914)
Heidelberg, 10 Juni 1906
Ew. Magnificenz
beehre ich mich beiliegenden Brief[a] zu geneigter Vorlage an den Engeren Senat ergebenst zu unterbreiten.
Der Karlsruher Bildhauer Prof. H. Volz[1] hat der Kuno-Fischer-Preis-Stiftung ein wohlgelungenes Porträt-Medaillon des Jubilars[2] geschenkt. Gegen Ende des Jahres 1904 haben Herr College Thode[3] und ich das Werk im Auftrage des Senats besichtigt und dabei mit Herrn[b] Volz über die weitere Behandlung der Sache gesprochen. Das Modell muss behufs Herstellung der Preismedaillen verkleinert und dazu eine einfache Rückseite entworfen werden. Hierfür empfahl Herr[c] Volz damals Herrn[d] Prof. R. Mayer[4] an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, und ihm übergab er das Modell vor Antritt einer längeren italienischen Reise. Seitdem erfuhr ich lange Zeit Nichts von der Angelegenheit und verlor auch mit meinem Ausscheiden aus dem Engeren Senat die amtliche Beziehung dazu. Als ich dann erfuhr, dass auch dem Senat Nichts weiter darüber zugegangen sei, schrieb ich an Herrn Prof. Mayer und erhielt die Antwort, die Arbeit sei nicht seine Sache, sondern die einer mechanischen Technik, für die nur die Kunstprägeanstalten in Betracht kämen. Daraufhin nahm ich im vergangnen Winter Gelegenheit, in Karlsruhe mit Herrn Volz in erneute Besprechung zu treten, und dann erhielt ich nach geraumer Zeit den anliegenden Brief.
Obwohl nun die Sache nicht dringlich ist – die erste Medaille wird 1909 zu erteilen sein –, so möchte ich doch bitten, dass der Engere Senat[5] die Verhandlungen mit der von Herrn[e] Volz vorgeschlagenen Pforzheimer Firma[6] und die Herstellung des Reverses durch einen Schüler des Herrn[f] Prof. Volz in die Wege leiten wolle.
Mit vorzüglicher Hochachtung Ew. Magnificenz ergebenster
W Windelband[g]