Windelband an Heinrich Rickert, Heidelberg, 5.8.1905, 2 S., hs. (lat. Schrift), Briefkarte, UB Heidelberg, http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_52
Heidelberg, 5.8.05
Lieber Herr College,
In aller Eile mit dem herzlichen Dank für Ihren Brief[1], der mich sehr erfreut hat, die Mitteilung, dass ich leider für jetzt auf die Rast in Freiburg verzichten muss. ich habe mir gestern eine sog[enannte] Balggeschwulst, Grützbeutel oder wie man es nennt, aus dem Rücken schneiden lassen, eine sehr einfache Sache, die aber doch, da ich allein reisen will, ganz ausgeheilt sein muss, ehe ich aufbreche. Das wird nicht vor Mitte nächster Woche sein, und dann sollte ich, weil ich gegen den 26 d[es] M[onats] zurück sein will, um meine Frau nach Wildbad[2] abzuholen, keinen Tag verlieren. Deshalb fahre ich über Triberg[3], da kann ich morgens früh hier 8 Uhr abreisen, schon am Abend in Davos und am | nächsten Mittag im Engadin sein. Vielleicht bleibe ich in Schuls-Tarasp[4]. Also ein ander Mal! – Ueber die Berliner Sache weiss ich nur dies: zu Anfang vorigen Winters war man so gut wie einig über eine Art der Besetzung von D[ilthey]ʼs Professur[5], die der Geschichte der Philosophie zu gute gekommen wäre: da hat plötzlich Stumpf erklärt, er sei der Psychologie überdrüssig und wünsche die Geschichte d[er] Ph[ilosophie] zu vertreten!?! Deshalb sollte bei der Besetzung auf die Psych[ologie] besonders Rücksicht genommen werden, und da hatten dann die neuen Combinationen und „Weichenstellungen“ begonnen, die zu Ostern[6], als ich dies authentisch erfuhr[7], noch nicht entschieden waren. Im Uebrigen – habeant sibi![8]
Mit herzlichem Wunsch für gute Ferienerholung die besten Grüsse von Haus zu Haus! Getreulich der Ihrige
W Windelband