Paul Siebeck an Windelband, Tübingen, 20.6.1904, Text nach einer Transkription von Klaus Christian Köhnke[1], Umfang und Besonderheiten nicht bekannt, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488
20. Juni 1904.[2]
Herrn Geheimrat Professor Dr. W. Windelband in Heidelberg.
Hochverehrter Herr Geheimrat, als ich mich kürzlich auf der Durchreise von Halle zu einer kurzen Besprechung mit Herrn Jaffé[3] in Heidelberg aufhielt, wäre ich gar zu gerne auch zu Ihnen gekommen, allein einmal wollte ich nicht so ganz unangemeldet vorsprechen da ich einiges auf dem Herzen hatte, und dann wollte auch die Zeit nicht mehr reichen.
Was ich im Schilde führe, ist folgendes: irre ich nicht, so sind die philosophischen Zeitschriften, die wir jetzt haben, nach und nach in ein etwas tantenhaftes Alter eingetreten und könnte es daher vielleicht an der Zeit sein, eine neue Zeitschrift ins Auge zu fassen. Da schien mir das Gegebene zu sein, dass diese neue Zeitschrift unter Ihrer Aegide erschiene und aus dem Kreise Ihnen nahestehenden Gelehrten ihre Beiträge empfinge. Die Redaktionsarbeit könnte Ihnen ja vielleicht einer der jüngeren Herrn abnehmen. Wie denken Sie über einen solchen Plan?
Das war aber nicht das Einzige, sondern ich wollte auch noch bei Ihnen anklopfen, ob Sie nicht Lust hätten, einmal in einem Bändchen im Umfange der Präludien „Philosophische Charakterköpfe“[4] zu zeichnen. Ich glaube nämlich, dass es Ihnen darin niemand gleichtun könnte und vermute auch, dass Sie das Material dazu schon ziemlich beisammen haben.
Ich brauche nicht hinzuzufügen, dass ich mich sehr freuen würde, wenn meine Anträge bei Ihnen ein geneigtes Ohr finden würden.
In grösster Verehrung bin ich Ihr ganz ergebener
P. Siebeck.