Windelband an Kuno Fischer, Straßburg, 14.2.1904, 2 S., hs. (lat. Schrift), UB Heidelberg, digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2618-51_12/0001

Hochverehrter Herr Wirklicher Geheimerat

Der Gedächtnistag Kantʼs[1] ist für mich wie für uns Heidelberger alle durch den Schmerz darüber getrübt worden, dass Ew. Excellenz, der Sie der Berufenste gewesen wären, dem Tag durch Ihr Wort die Weihe zu geben, durch Ihr Befinden leider davon zurückgehalten wurden. Um so tröstlicher war es, dass die Universität Königsberg den Tag nicht hat vorübergehen lassen, ohne sich durch Ihre Ernennung zum Ehrendoktor der Rechte[2] zu ehren; und ich möchte Sie bitten, mir zu gestatten, dass ich meiner Freude darüber hierdurch herzlichst Ausdruck gebe. Damit verbinde ich die ergebenste Bitte, | das beifolgende Exemplar der Rede[3], die ich bei diesem Anlass in der Aula auf Wunsch der Collegen gehalten habe, gütig aufzunehmen. ich hege den innigsten Wunsch, dass die Stärkung Ew. Excellenz immer erfreulicher fortschreiten und mir bald gestatten möge, Sie wieder persönlich zu sprechen, was ich nun schon seit langen Wochen entbehre. Mit diesem Wunsche und in dieser Hoffnung verbleibe ich in treuer Verehrung Ew. Excellenz ergebenster

W Windelband

Kommentar der Herausgeber

1Gedächtnistag Kantʼs ] vgl. Windelband an Heinrich Rickert vom 14.1.1904
2Ehrendoktor der Rechte ] vgl. Eintrag Fischer, Kuno in Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon 1803–1932. Berlin u. a.: Springer 1986, S. 69.
3Rede ] vgl. Windelband: Immanuel Kant und seine Weltanschauung. Gedenkrede zur Feier der 100. Wiederkehr seines Todestages, an der Universität Heidelberg. Heidelberg: C. Winter 1904.