Windelband an Paul Siebeck, Straßburg, 6.3.1903, Text nach einer Transkription von Klaus Christian Köhnke[1], Umfang und Besonderheiten nicht bekannt, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488
Strassburg i/E. 6.3.03
Hochgeehrter Herr Doctor,
Sie werden sich gewiß gewundert haben, daß ich so lange nichts von mir habe hören lassen. Aber mir ist es wunderlich ergangen, – nicht gut. Ich bin Mitte Dezember von einer recht schweren Influenza[2] befallen worden, habe erst Mitte Januar kümmerlich wieder zu lesen angefangen und noch lange an der dieser tückischen Krankheit eignen Faulheit gelitten. So ist durch force majeure[3] die Frage nach der Willensfreiheit[4] und ihrer endlichen Verwirklichung wieder für das Semester negativ beantwortet worden. Mein Comte[5] ist vollständig liegen geblieben. Nur an den Nachbesserungen für die dritte Auflage der „Geschichte der Philosophie“[6] habe ich dauernd gearbeitet, und ich hoffe, wenn jetzt die Abschiedsunruhen vorüber sind, Ihnen in 2–[…][a] Wochen das Manuskript zustellen zu können, – ehe mein Umzug nach Heidelberg beginnt. Wäre Ihnen das recht, und könnte dann der Druck bald beginnen? Für die Correkturen werde ich in Heidelberg immer Zeit haben, wenn auch das Einladen[7] zunächst viel in Anspruch nehmen wird.
Den Conto-Auszug erlaube ich mir unterzeichnet beizulegen[8].
In vorzüglicher Hochachtung und mit bestem Gruß von Haus zu Haus ergebenst der Ihrige
Windelband