Windelband an Paul Siebeck, Straßburg, 2.11.1902, Text nach einer Transkription von Klaus Christian Köhnke[1], Umfang und Besonderheiten nicht bekannt, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488

Sehr geehrter Herr Doctor,

In der Anlage beehre ich mich Ihnen die Bestätigung der Honorar-Abrechnung für die zweite Auflage der Präludien zuzustellen, und wäre dankbar, wenn Sie die Güte hätten, die Zahlung des Restbetrages anzuweisen.

Meinen Dank für die ganz vortreffliche Ausstattung dieser neuen Auflage wiederhole ich hiermit gern persönlich: insbesondere möchte ich auch meine Anerkennung für die tadellose Arbeit Ihrer Freiburger Druckerei[2] dankbar aussprechen. Wenn ich hoffe, Ihnen gegen Ende des Jahres ein Manuskript für die Willensfreiheit[3] einsenden zu können, so freue ich mich schon auf die gute Ausführung auch dieses Drucks.

Hinsichtlich der Frei-Exemplare der Praeludien II lege ich eine Liste bei und wäre für directe Sendung je eines Exemplars an die bezeichneten Adressaten dankbar: das Porto bitte ich mir bei nächster Abrechnungsgelegenheit zu meinen Lasten zu verrechnen. Die übrigbleibenden Exemplare erbitte ich an meine eigne Adresse.

Für die von Prof. Hensel inaugurirte Encyclopädie[4] habe ich die „Prolegomena“, einen Abriß meines in den Praeludien entworfenen Begriffs der Philosophie und ihrer Methode als allgemeiner kritischer Werttheorie zugesagt. Der Herausgeber wünscht, daß ich außerdem noch die Ethik übernehmen möchte: doch hoffe ich sicher, daß er dafür noch einen andern Bearbeiter finden wird. Sollte ich je selbst darauf eingehen, so würde es sich um eine Uebersicht handeln, die einer systematischen Darstellung wie ich sie für das „System der Kritischen Philosophie“[5] im Auge habe, niemals hinderlich und im Wege sein dürfte.

Mit vorzüglicher Hochachtung allzeit Ihr getreulich ergebner

W Windelband


Freiexemplare der Praeludien II. zu senden an:

Prof. Dr. Ulr[ich] Stutz[6], Freiburg i/Br. Erwinstr. 16

Geh[eimer] Hofr[at] Prof. Dr. v. Kries, Freiburg i/Br. Goethestr. 42

Prof. Dr. H[einrich] Rickert, Freiburg i/Br. Goethestr. 57

Oberlehrer Dr. Goette, Schöneberg b[ei]/Berlin, Hauptstr. 20

Postdirector Dr. Weithase[7], St. Johann a[n der]/Saar.

Mädchenschullehrer Lawall[8], St. Johann a[n der]/Saar, Bleichstr. 16

Progymnasiallehrer Günzel[9], Neunkirchen, Rheinprovinz.

Prof. Dr. Hensel, Erlangen

Prof. Dr. Theob[ald] Ziegler, Strassburg i/E. Odilienstr. 4.

Staatsrat Prof. Dr. Sigwart, Tübingen

Frl. Bertha Lindner[10], Strassburg i/E. Am Wareneck 6

Rittmeister Jebens[11], Saarbrücken, Thalstr. 23.

Ministerialrat Dr. Böhm, Karlsruhe, Westendstr. 22

Prof. Dr. C[arl] Dilthey, Goettingen.

Kommentar der Herausgeber

1Transkription von Klaus Christian Köhnke ] Kollation derzeit nicht möglich. Der Transkription liegt die Datei Manuskript: Windelband Briefe | herauszugeben von K. C. Köhnke | Ausdruck vom 1.3.2012 zugrunde, die den Herausgebern zur Verfügung steht. Ein Ausdruck dieser Datei befindet sich in öffentlichem Besitz (Universität Leipzig, Nachlass Klaus Christian Köhnke NL 330/3/1/2). Die Signatur des Originals ist mit Stichtag 14.5.2018 noch nicht bekannt. Laut telefonischer Auskunft von Roland Klein, Referat für Nachlässe und Autographen der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz vom 21.11. und 2.12.2016 ist die Erfassung des Nachlasses 488 (Verlagsarchiv Mohr-Siebeck) noch nicht abgeschlossen.
2Freiburger Druckerei ] vgl. Windelband an Siebeck vom 9.9.1902
3Manuskript für die Willensfreiheit ] vgl. Windelband an Heinrich Rickert vom 13.1.1903 sowie Windelband: Über Willensfreiheit. Zwölf Vorlesungen. Tübingen/Leipzig: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1904.
4von Prof. Hensel inaugurirte Encyclopädie ] kam nicht zu Stande, jedenfalls nicht in dieser Gestalt, vgl. Windelband an Heinrich Rickert vom 25.7.1900 u. 17.3.1901.
5„System der Kritischen Philosophie“ ] Windelband hat kein solches Werk verfaßt, vgl. jedoch die Andeutungen in Windelband an Siebeck vom 30.1.1888.
6Stutz ] im Internet-Antiquariatshandel war 2016 ein Exemplar, allerdings der Erstausgabe der Präludien von 1884 als Widmungsexemplar Windelbands an Ulrich Stutz nachgewiesen (Antiquariat Mang, Saarbrücken; zvab-Abfrage vom 14.9.2016).
7Dr. Weithase ] Hugo Weithase, Postdirektor/Postkassierer, Autor von: Geschichte des Weltpostvereins. Straßburg: J. H. Ed. Heitz (Heitz & Mündel) 1895. Näheres nicht ermittelt.
8Lawall ] nichts Näheres ermittelt
9Günzel ] nichts Näheres ermittelt
10Bertha Lindner ] genaue Lebensdaten nicht ermittelt, Pädagogin, Autorin u. a. von: Fünf pädagogische Betrachtungen. Strassburg 1859. Unterhielt eine Höhere Schule für Mädchen in Straßburg (u. U. besucht von Windelbands Töchtern, von denen Dora Lehrerin wurde), zuvor in Breslau (Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert, Eintrag Sophie Lesser; Lexikon deutscher Frauen der Feder, Eintrag Sophie Lesser; http://adressbuecher.genealogy.net/addressbook/entry/54745eb81e6272f5cfb6edcf (30.5.2018); Bericht: Höhere Töchterschule und die Lehrerinnen Bildungs-Anstalt der Bertha Lindner. Breslau 1873).
11Jebens ] nichts Näheres ermittelt