Windelband an Verlag Breitkopf & Härtel, Langackern, o. D. (Eingangsvermerk: 16.8.1898), 3 S., hs. (dt. Schrift), Wasserzeichen: Schwalbe, darunter Beischrift Extrafein, Sächsisches Staatsarchiv Leipzig, 21081 Breitkopf & Härtel, Leipzig, Nr. 5895
Langackern bei Freiburg i/Br[a]
Sehr geehrte Herrn[1],
Wegen der neuen Auflage meiner „Geschichte der neueren Philosophie“, bin ich jetzt, nachdem ein sehr beschäftigtes Semester mit einer Hochzeit – Vermählung meiner Tochter[2] – zu Ende gegangen und die Ruhe der Sommerfrische begonnen ist[b], in der Lage, Ihnen Genaueres zu bestimmen. Sie fällt zusammen, wie ich Ihnen mitzuteilen mich verpflichtet halte, mit der zweiten Auflage meiner bei P. Siebeck (Mohr – Freiburg iBr)[c] erschienenen allgemeinen „Geschichte der Philosophie“[3], die gleichzeitig vorbereitet wird. Das steht sich beides nicht im Wege. Es handelt sich also nur darum, wann Sie den Druck | beginnen lassen wollen. Meine Notizen liegen so bereit, daß ich sie nur in ein durchschossenes Exemplar einzutragen brauche, um das druckfertige Manuskript herzustellen. Ein solches durchschossenes Exemplar wäre mir allerdings sehr erwünscht, mein bisher benutztes ist für allerhand Bemerkungen bestimmt gewesen, die nicht nur den Neudruck, sondern daneben auch das Colleg, und Anderes im Auge hatten.
Ferner steht nichts im Wege, beide Bände gleichzeitig in Angriff zu nehmen, – wenn Sie es wünschen. Oder auch den zweiten, der ja kürzer ist, einige Zeit nach dem ersten, wenn dieser noch nicht beendet ist, zu beginnen: dann werden beide zusammen fertig. Hoffentlich ge|lingt es mir – obwol ich nicht dafür stehen kann – das Ms. zum dritten Bande[4] soweit zu fördern, daß er sich unmittelbar anschließen kann; aber er hat freilich große Schwierigkeiten sachlich wie formell zu überwinden.
Hiernach bitte ich Sie ganz zu bestimmen, wann begonnen werden soll; ich selbst wünsche die Sache möglichst beschleunigt zu sehen. Augenblicklich bin ich hier im Schwarzwalde, aber nahe genug an Str[d][aßburg], um, wenn der Druck bald anfangen soll, mir die Materialien zur Umschrift herzubesorgen. Wenn das gewünscht wird, bitte ich mich bald zu benachrichtigen und ein Manuskriptexemplar, womöglich durchschossen, mir zugleich zuzustellen.
In vorzüglicher Hochachtung mit verbindlichster Empfehlung Ihr ergebenster
Windelband