Windelband an Heinrich Rickert, Straßburg, 22.7.1888, 1 S., hs. (dt. Schrift), UB Heidelberg, http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_3

Lieber Herr Rickert,

Sein Sie doch ja nicht böse! ich komme, nachdem ich vierzehn Tage lang mit dem beschleunigten Abschluß eines Manuskripts (Leibniz[1] für Ersch u. Gruber) redlich in Anspruch genommen war, Sonntag Nachmittags an meine Briefmappe und finde, daß ich Ihren Brief[2] völlig vergessen habe! Entschuldigen Sie freundlichst!

Mit dem beabsichtigten, zurückerfolgenden Stück über Schuppe[3] bin ich völlig einverstanden. Wenn der Druck nicht schon darüber hinaus ist, könnten Sie, um Schuppe völlig zu befriedigen, vielleicht noch als Parallelerscheinung anfügen[4], daß auch die Verdrängung der traditionellen Lehre von Begriff und Urtheil, wie ich sie (Strassburger Abhand[lungen] zur Philos[ophie], zum 70 Geb[urtsttag] von E[duard] Zeller, p. 180 ff.) angedeutet habe, von ganz andern Gesichtspunkten ausgeht, als Ihre Untersuchung, – und deshalb auch andern Sinn hat.

Mit den besten Grüßen und den herzlichsten Wünschen für nächste und weitere Zukunft[a] Ihr

Windelband

Kommentar zum Textbefund

aZukunft ] Wort stark verschrieben

Kommentar der Herausgeber

1Leibniz ] vgl. Windelband: Leibniz. In: Ersch/Gruber: Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste, 2. Section, hg. v. August Leskien. 43. Theil. Leipzig: Brockhaus 1889, S. 2–12.
2Ihren Brief ] vgl. Rickert an Windelband vom 5.7.1888
3Stück über Schuppe ] vgl. Rickert an Windelband vom 5.7.1888
4anfügen ] vgl. die Anmerkung Rickerts in der Druckfassung von Zur Lehre von der Definition, 1888, Abschnitt III, 2: Begriff und Urteil.