Windelband an Karl Dilthey, Freiburg i. Br., 26.8.1878, 1 S., hs. (dt. Schrift), Postkarte an Herrn Prof. Dr. Karl Dilthey | St. Moriz-Dorf (Graubünden) | Villa-Schmidt, mit Poststempeln BRUNNEN | 26 VIII 78-4; ST. MORIZ-DORF | 28 VIII 78 XII-, Niedersächsische Staats- und UB Göttingen, Dilth. 141
Hotel Axenfels über Brunnen[1]. 26 Aug[ust] 1878
Lieber Freund, Deine Karte trifft mich, von meiner Frau nachgesandt, hier soeben im Genusse des Regen und Uebelblicks auf den Vierwaldstätter See. Du siehst daraus, daß auch ich den total abgewirthschafteten Nerven nachgegeben und volle Einsamkeit aufgesucht habe. Die absolute Ruhe thut mir unsagbar wohl. Wann ich wieder zurückgehe, bleibt dahingestellt – lange hab’ ich ja leider nicht Zeit. – Eben auch zu meiner tiefen Betrübniß die Todesanzeige von Hug’s Frau[2], vom 23. datirt. Das ist ein schwerer Schlag für den Armen. –
Deines Bruders Abhandlung[3] soll Dir, wenn man sie unter meinen Sachen in meiner Abwesenheit herausfindet, sogleich zugehen, – ich habe bereits meine Frau darum ersucht. –
Jedenfalls, Carlo carissimo[4], rechnen wir mit aller Bestimmtheit auf Deinen Besuch am Schluß der Reise! Es soll auch ganz gewiß nicht wieder gerade dabei gestohlen werden[5]!
Mit herzlichem Gruße Dein
Windelband