Windelband an Gustav Vogt, Hottingen, 16.7.1876, 1 S., hs. (dt. Schrift), Staatsarchiv des Kantons Zürich[1], U 103.4.40, Bl. 9

An das Tit. Rectorat der Universität Zürich

Hochverehrter Herr Rector!

In Erwiderung Ihrer geehrten Zuschrift vom gestrigen Tage bemerke ich zunächst, daß die Beschränkung meiner Vorlesungen auf die knapp gesetzliche Zahl von 9–10 Stunden bei mir lediglich aus dem collegialischen Bestreben hervorgegangen, bei der geringen Anzahl von Zuhörern, auf welche philosophische Vorlesungen an unserer Hochschule rechnen können, in keiner Richtung mit meinem Collegen, dem Herrn Prof. Kym[2] zu collidiren.

Wenn gleichwohl die unbestimmte Bezeichnung 2–3 Stunden nicht für zulässig erklärt worden ist, so ersuche ich Sie ergebenst, meine Vorlesungsanzeigen dahin abzuändern, daß an Stelle der „2–3 Stunden“ nur 2 Stunden für die philosophischen Uebungen angesetzt und außerdem eine einstündige Vorlesung: „Kritik der schopenhauerischen Philosophie“ angekündigt[3] wird.

Hochachtungsvoll

W Windelband[a]

Kommentar zum Textbefund

aW Windelband ] Namenszug von anderer Hand mit blauem Farbstift unterstrichen

Kommentar der Herausgeber

1Staatsarchiv des Kantons Zürich ] mit Dank an Florian Christen, Menziken (Schweiz)
2Kym ] Andreas Ludwig Kym (1822–1900), 1850 ao. Prof., 1857–1900 o. Prof. der Philosophie in Zürich (BEdPh).
3angekündigt ] im Vorlesungsverzeichnis der Universität Zürich ist für Windelband im WS 1876 ausgewiesen: Aesthetik (Dienstags–Donnerstags 16–17 Uhr, dreistündig); Geschichte der antiken Philosophie (Dienstags–Freitags 15–16 Uhr, vierstündig); Kritik der Schopenhauer’schen Philosophie (einstündig); Philosophische Uebungen mit Lectüre des ersten Buches von Spinoza’s Ethik (zweistündig).