Windelband an Gottlieb Ziegler, Leipzig, 28.2.1876, 1 S., hs. (dt. Schrift), Staatsarchiv des Kantons Zürich[1], U 103.4.40, Bl. 7
Leipzig 28 Febr[uar] 1876.
Herrn Regierungsrath Ziegler in Zürich
Hochgeehrter Herr!
Mit aufrichtigem und herzlichen Danke für Ihre gütigen Bemühungen habe ich Ihre Benachrichtigung von der Erhöhung des Umzugszuschusses auf 1000 Fr.[a][2] erhalten, und ich würde Ihnen diesen Dank schon früher ausgesprochen haben, wenn ich nicht die Abwickelung der militairischen Verhandlungen hätte abwarten wollen. Jetzt steht diese Angelegenheit so, daß man mir das Urlaubsgesuch abgeschlagen und mir für dieses Frühjahr (April und Mai) eine Uebung in Aussicht gestellt, außerdem aber mir anheim gegeben hat, für den Fall, daß diese und die ferneren Uebungen sich mit meiner amtlichen Thätigkeit nicht vertragen sollten, behufs Auswanderung[3] meinen Abschied einzureichen. Das Letztere habe ich nunmehr gethan, da ich nach übernommener Verpflichtung zum April meine Professur anzutreten, worauf Sie damals besonderes Gewicht legten, und überhaupt zur ungestörten Ausführung meiner dortigen Thätigkeit diese hiesigen Verpflichtungen lösen mußte. ich glaubte unmöglich meine Züricher Stellung mit einem sechs- bis achtwöchentlichen Urlaub antreten zu dürfen. ich komme somit zu Ihnen unter Lösung meiner hiesigen Verhältnisse und werde mich dann über die etwaige Naturalisirung in der Schweiz[4] informiren müssen.
Ueber den Zeitpunct meiner Ankunft in Zürich[5] kann ich noch nichts Bestimmtes sagen. Da meine Frau frühestens im Juli[6] mir wird nachkommen können, so werde ich vor Anfang des Semesters nur in dem Fall nach Z[ürich] kommen, daß mir durch bereits eingeleitete Vermittlungen schon jetzt eine mir entsprechende Familienwohnung zur Miethe angeboten wird.
Jedenfalls hoffe ich dann die mir so werthe hier begonnene Bekanntschaft[7] zu erneuern und verbleibe in vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster
W Windelband