<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Vaihinger an Paul Ernst, Halle, 13.4.1919, 2 S., Ts. mit eU, Deutsches Literaturarchiv Marbach, A:Ernst, Paul</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001366-6"/><style type="text/css">
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Paul Ernst Gesammelte Werke [Abteilung 1]: Gesammelte Dramen, Bd. 3. 1.–3. Tsd. München: Georg Müller 1919. Enthält: Manfred und Beatrice. Der Gärtnerhund. Preußengeist. Kassandra. Pantalon und seine Söhne. York.&#xD;&#xA;">neuen Dramenband</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="neuen Dramenband ] vgl. Paul Ernst Gesammelte Werke [Abteilung 1]: Gesammelte Dramen, Bd. 3. 1.–3. Tsd. München: Georg Müller 1919. Enthält: Manfred und Beatrice. Der Gärtnerhund. Preußengeist. Kassandra. Pantalon und seine Söhne. York.">[2]</a>. Ich beglückwünsche Sie dazu, dass Sie nicht blos die meisten dieser Dramen in der bewegten Zeit der letzten Jahre vollenden konnten, sondern auch dazu, dass Sie einen Verleger gefunden haben, der trotz der Schwere der Zeit die Herausgabe übernommen hat. Es wird mir ein grosser Genuss sein, mir diese Dramen vorlesen zu lassen, zumal sie teilweise dem Titel nach unmittelbar in die Zeit hineingehören und doch wohl andererseits darüber hinaus heben. Denn jetzt braucht man notwendig Erhebung, um gegenüber den furchtbaren Ereignissen ein ästhetisches Gegengewicht zu bekommen. Die <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="Ereignisse der letzten Wochen ] u. a. mit Ausrufung der Münchner Räterepublik am 7.4.1919.&#xD;&#xA;">Ereignisse der letzten Wochen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="Ereignisse der letzten Wochen ] u. a. mit Ausrufung der Münchner Räterepublik am 7.4.1919.">[3]</a> zeigen immer deutlicher, dass die von vielen so warm begrüsste und so hoch gepriesene neue Zeit einem unreifen Volke in den Schoss gefallen ist, einem Volke, dass die Freiheit nicht ertragen kann und sie in schändlicher Weise missbraucht. Man wird an die Zeit <span class="ED-name">Luther</span>s erinnert, dessen Freiheitsevangelium auch von den Bauern in <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="furchtbarster ] furchstbarster&#xD;&#xA;">furchtbarster</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="furchtbarster ] furchstbarster">[a]</a> Weise missverstanden worden ist: Diese Bauern hatten aber doch wenigstens reale Gründe zu ihren Aufständen, denn es ging ihnen tatsächlich sehr schlecht, aber die Massen die sich jetzt gegen die von ihnen selbst geschaffene Neuordnung erheben, haben keine Entschuldigung für sich. <span class="ED-pb">|</span></p><p class="ED-p">Längst hätte ich Ihre beiden Briefe beantworten sollen, aber auch jetzt kann ich es nicht im Einzelnen tun: meine Kraft ist jetzt zu schwach dazu. Ich muss mich auf das Allgemeine beschränken und da genügt ja auch die Mitteilung, dass mir Ihre Ausführungen in jenen Briefen sehr sympathisch sind und sich mit Gedanken decken, die ich selbst in mir schon angesponnen hatte. Besonders der Gegensatz von genetisch-kausaler Betrachtungsweise einerseits und ästhetisch-ethisch-logisch gerichteter Wertung oder auch Geltung andererseits hat mich schon oft bewegt und ich habe mir nach der Lektüre Ihrer Briefe vorgenommen, Ihren Anregungen entsprechend jene meine älteren Gedankengänge nochmals durchzugehen und zu überarbeiten. Aber jeder Tag bringt ja politisch so furchtbare Überraschungen und Schrecknisse, dass die Ruhe zum Denken genommen wird.</p><p class="ED-p">Ihr Herr Verleger hat <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="mir geschrieben ] Schreiben nicht überliefert&#xD;&#xA;">mir geschrieben</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="mir geschrieben ] Schreiben nicht überliefert">[4]</a>, dass er durch einen <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="nachträglich eingelegten Zettel ] nicht nachgewiesen&#xD;&#xA;">nachträglich eingelegten Zettel</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="nachträglich eingelegten Zettel ] nicht nachgewiesen">[5]</a>, wie das so in solchen Fällen nicht selten gemacht wird, die Erwähnung der Philosophie des Als Ob in Ihrem „Zusammenbruch des Idealismus“ nachholen möchte. Das wäre in der Tat ein guter Ausweg. Dass beim Zusammenstellen Ihrer einzelnen Aufsätze das ursprünglich vorhandene Zitat durch ein Versehen weggefallen ist, ist ja unbequem, aber ich kann das sehr gut verstehen, und weiss aus eigener Erfahrung, wie leicht man Derartiges übersehen kann, im Drange der geistigen Arbeit.</p><p class="ED-p">Mit besten Wünschen und Grüssen Ihr ergebener</p><p class="ED-signed">Vaihinger</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">furchtbarster</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">furchstbarster</span></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Ihre zwei ausführlichen Briefe</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>es ist lediglich das Schreiben Paul Ernst an Vaihinger vom 14.3.1919 überliefert.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">neuen Dramenband</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Paul Ernst Gesammelte Werke [Abteilung 1]: Gesammelte Dramen, <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> 3. 1.–3. <abbr title="Tausend" class="ED-abbr">Tsd.</abbr> München: Georg Müller 1919. Enthält: Manfred und Beatrice. Der Gärtnerhund. Preußengeist. Kassandra. Pantalon und seine Söhne. York.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Ereignisse der letzten Wochen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="unter anderem" class="ED-abbr">u. a.</abbr> mit Ausrufung der Münchner Räterepublik am 7.4.1919.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">mir geschrieben</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Schreiben nicht überliefert</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">nachträglich eingelegten Zettel</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>nicht nachgewiesen</div></div></body></html>