<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Vaihinger an Paul Ernst, Halle, 8.3.1919, 2 S., Ts. mit eU, Deutsches Literaturarchiv Marbach, A:Ernst, Paul</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001361-6"/><style type="text/css">
.ED-TEI {
font-family: serif;
line-height: 1.2em;
}
.ED-text {
border: 1px solid LightGray;
padding: 1em;
}
.ED-titleStmt,
.ED-app-title {
font-size: 1.1em;
font-family: serif;
font-style: italic;
font-weight: normal;
margin: 2em 0em 1em;
}
.ED-dateline {
text-align: right;
margin: 0em;
margin-top: 1em;
}
.ED-title,
.ED-p,
.ED-salute,
.ED-signed,
.ED-docAuthor {
text-indent: 0em;
margin: 0em;
margin-top: 1em;
}
.ED-p + .ED-p {
text-indent: 1em;
margin: 0em;
}
.ED-title + .ED-title,
.ED-dateline  + .ED-dateline,
.ED-salute    + .ED-salute,
.ED-signed    + .ED-signed,
.ED-docAuthor + .ED-docAuthor {
margin: 0em;
}
.ED-back,
.ED-postscript {
border: 1px solid LightGray;
margin: 1em 0em;
}
.ED-add,
.ED-pb {
color: Gray;
}
.ED-label-formprint {
font-family: sans-serif;
}
sup {
vertical-align: super;
font-size: 80%;
line-height: 100%;
}
a.ED-anchor {
font-style: normal;
vertical-align: super;
font-size: 80%;
line-height: 100%;
}
.ED-text-lem {
text-decoration: underline dotted;
}
.ED-app-philological,
.ED-app-editorial {
position: relative;
margin: .3em 0em;
margin-left: 2.5em;
font-style: italic;
}
.ED-app-num {
left: -2.5em;
}
.ED-app-corresp {
left: -.8em;
}
.ED-app-num,
.ED-app-corresp {
position: absolute;
text-indent: 0em;
font-style: normal;
}
.ED-lem,
.ED-lem-sep,
.ED-rdg {
font-style: normal;
}</style></head><body><div class="ED-TEI"><p class="ED-titleStmt"><span class="ED-persName-sent">Vaihinger</span> an <span class="ED-persName-received">Paul Ernst</span>, <span class="ED-location-sent">Halle</span>, <span class="ED-date">8.3.1919</span>, <span class="ED-note">2 S., Ts. mit eU</span>, <span class="ED-pubPlace">Deutsches Literaturarchiv Marbach, A:Ernst, Paul</span></p><div class="ED-text"><p class="ED-p">Diktat.</p><p class="ED-dateline">Halle Reichardtstr. 15, den 8. März 1919.</p><p class="ED-salute">Hochgeehrter Herr <abbr title="Doktor" class="ED-abbr">Dr.</abbr> Paul Ernst!</p><p class="ED-p">Durch Ihren Verleger erhalte ich soeben ein Exemplar <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Ihrer neuen Schrift ] vgl. Paul Ernst an Vaihinger vom 12.1.1917&#xD;&#xA;">Ihrer neuen Schrift</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="Ihrer neuen Schrift ] vgl. Paul Ernst an Vaihinger vom 12.1.1917">[1]</a> „Der Zusammenbruch des deutschen Idealismus“. Haben Sie verbindlichsten Dank dafür, dass Sie Ihren Verleger dazu veranlasst haben.</p><p class="ED-p">Für Jemand, der kein Wort selbst mehr lesen kann und sich alles vorlesen lassen muss ist es unmöglich, rasch sich in einem grossen Buche zurechtzufinden und sich ein Urteil darüber zu bilden. So habe ich nur vorläufig durch die Inhaltsangabe, durch die Einleitung und durch Herauslesen einzelner kürzerer Stellen mich über die äussere Struktur und den inneren Verlauf zu orientieren gesucht. Das Buch ist offenbar reich an guten Gedanken und treffenden Einfällen.</p><p class="ED-p">Es überrascht durch die Fülle der Gesichtspunkte, die zunächst mehr literarhistorischen Eindruck machen, bis man entdeckt, dass hinter dem Literarhistoriker ein Philosoph steckt. Es sind mir auch Stellen vorgelesen worden, aus denen die Philosophie des Als Ob herausleuchtet, doch scheint nach dem Bericht meiner Vorleserin <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="der Titel derselben nicht erwähnt ] vgl. Paul Ernst an Vaihinger vom 14.3.1919&#xD;&#xA;">der Titel derselben nicht erwähnt</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="der Titel derselben nicht erwähnt ] vgl. Paul Ernst an Vaihinger vom 14.3.1919">[2]</a> zu sein. Vielleicht findet sich das aber noch und das würde dann Manchen veranlassen können, sich mit der Fiktionenlehre, die Sie öfters erwähnen, eingehender zu befassen. Fehlt das Zitat meines Buches doch, so könnten Sie es ja in der <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="2. Auflage ] erschien noch 1918 als Bd. 13 der Ausgabe Paul Ernst Gesammelte Werke; 3. Aufl. 1931.&#xD;&#xA;">2. Auflage</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="2. Auflage ] erschien noch 1918 als Bd. 13 der Ausgabe Paul Ernst Gesammelte Werke; 3. Aufl. 1931.">[3]</a> Ihres Buches nachtragen, die hoffentlich bald herauskommt.</p><p class="ED-p">Die Fiktionenlehre erscheint ja wohl als dasjenige, woran man sich nach dem „Zusammenbruch des deutschen Idealismus“ noch halten kann. Was jetzt zusammengestürzt ist, ist der in ausgefahrenen Geleisen sich bewegende Idealismus eines <span class="ED-name">Eucken</span> und anderer Propheten, welche im August 1914 einseitigen Idealismus mit ebenso einseitigem Nationalismus verquickten.</p><p class="ED-p">Was von dem alten Idealismus haltbar ist kann nur bestehen, wenn es mit dem Haltbaren des Positivismus vereinbar ist. In diesem Sinne habe ich die neue Zeitschrift „Annalen der Philosophie mit besonderer Rücksicht auf die Als Ob Betrachtung“ begründet, deren Programm ich <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="Ihnen gleichzeitig zuschicke ] folglich zum wiederholten Male (liegt nicht bei); vgl. Vaihinger an Paul Ernst vom 11.5.1918.&#xD;&#xA;">Ihnen gleichzeitig zuschicke</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="Ihnen gleichzeitig zuschicke ] folglich zum wiederholten Male (liegt nicht bei); vgl. Vaihinger an Paul Ernst vom 11.5.1918.">[4]</a>. Dies Programm will dem neuen Deutschland eine neue Philosophie geben. Vielleicht trifft diese neue Richtung in Vielem mit dem zusammen, was Sie wollen. Das werde ich ja noch in Ihrem Buche näher finden, dem ich meine nächste Zeit widmen werde und so werde ich auch wohl in der Lage sein, im nächsten Hefte der neuen Zeitschrift Ihr neues Buch <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="selbst besprechen zu können ] vgl. an Stelle dessen die Rezension v. Raymund Schmidt über Paul Ernst in: Annalen der Philosophie. Mit besonderer Rücksicht auf die Probleme der Als Ob-Betrachtung 2 (1921), S. 120–127.&#xD;&#xA;">selbst besprechen zu können</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="selbst besprechen zu können ] vgl. an Stelle dessen die Rezension v. Raymund Schmidt über Paul Ernst in: Annalen der Philosophie. Mit besonderer Rücksicht auf die Probleme der Als Ob-Betrachtung 2 (1921), S. 120–127.">[5]</a>. <span class="ED-pb">|</span></p><p class="ED-p">Soweit ich erfahre haben Sie sowohl in Ihrem Buche, als auch sonst die neue Zeit sympathisch begrüsst. Die alte hatte gewiss grosse Fehler, aber die neue Zeit scheint nicht minder grosse zu haben und ihre grösste Gefahr liegt in ihr selbst: nicht blos in der <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="Übertreibung des sozialistischen Gedankens ] vgl. Vaihinger an Hermann Gocht vom 31.1.1919 bzw. vom 11.1.1919 an Karl von Bülow.&#xD;&#xA;">Übertreibung des sozialistischen Gedankens</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-6" id="app-editorial-6-ref" title="Übertreibung des sozialistischen Gedankens ] vgl. Vaihinger an Hermann Gocht vom 31.1.1919 bzw. vom 11.1.1919 an Karl von Bülow.">[6]</a>, sondern in dessen Umschlagen in den Terrorismus.</p><p class="ED-p">Doch das führt mich weit hinaus über dasjenige, was mir am nächsten liegt: nämlich Ihnen herzlich zu danken für Ihr verständnisvolles Eingehen auf die Fiktionenlehre, worin ich eine wertvolle Bestätigung und Weiterbildung erblicke.</p><p class="ED-p">Mit wiederholten Dank Ihr ganz ergebener</p><p class="ED-signed">Vaihinger</p><hr class="ED-postscript"/><p class="ED-p"><abbr title="Post Skriptum" class="ED-abbr"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="P. S. ] hs. von anderer Hd.&#xD;&#xA;">P. S.</span></abbr><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="P. S. ] hs. von anderer Hd.">[a]</a> Ich sende Ihnen <u>mehrere</u> Programme der neuen Zeitschrift, in dem Gedanken, daß Sie vielleicht, falls Sie ihm einigermaßen zustimmen, das Bedürfnis hätten, Gleichgesinnte auf dieses neue Unternehmen aufmerksam zu machen. Freilich ist die neue Zeitschrift in ihrem 1. Bande erst am Anfang dessen angekommen, was sie im Laufe der Zeit leisten will.</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><abbr title="Post Skriptum" class="ED-abbr">P. S.</abbr></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="handschriftlich" class="ED-abbr">hs.</abbr> von anderer <abbr title="Hand" class="ED-abbr">Hd.</abbr></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Ihrer neuen Schrift</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Paul Ernst an Vaihinger vom 12.1.1917</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">der Titel derselben nicht erwähnt</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Paul Ernst an Vaihinger vom 14.3.1919</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">2. Auflage</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>erschien noch 1918 als <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> 13 der Ausgabe Paul Ernst Gesammelte Werke; 3. <abbr title="Auflage" class="ED-abbr">Aufl.</abbr> 1931.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Ihnen gleichzeitig zuschicke</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>folglich zum wiederholten Male (liegt nicht bei); <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Paul Ernst vom 11.5.1918.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">selbst besprechen zu können</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> an Stelle dessen die Rezension <span>v.</span> Raymund Schmidt über Paul Ernst in: Annalen der Philosophie. Mit besonderer Rücksicht auf die Probleme der Als Ob-Betrachtung 2 (1921), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 120–127.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-6"><span class="ED-app-num">6</span><a href="#app-editorial-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Übertreibung des sozialistischen Gedankens</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Hermann Gocht vom 31.1.1919 <abbr title="beziehungsweise" class="ED-abbr">bzw.</abbr> vom 11.1.1919 an Karl von Bülow.</div></div></body></html>