<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Vaihinger an Albert Einstein, Bad Rothenfelde, 23.9.1918, Ts. mit eU, Korrekturen und Zusätzen von anderer Hd., abgedruckt und kommentiert in: https://einsteinpapers.press.princeton.edu/vol8b-doc/326 (bis 329)</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001353-2"/><style type="text/css">
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Vaihinger: Lesefrüchte. In: Annalen der Philosophie. Mit besonderer Rücksicht auf die Probleme der Als Ob-Betrachtung 2 ([1920]/1921), S. 310–311: Georg Simmel und das Als-Ob. Georg Simmel, der Allzufrühdahingeschiedene [!], stand der „Philosophie des Als-Ob“ sehr nahe. Das hat sich auch darin gezeigt, daß er noch auf seinem Krankenlager sich für die Begründung unserer „Annalen“ lebhaft interessierte: Er hätte sich noch als Herausgeber daran beteiligt, wenn die Parze ihm nicht den Lebensfaden abgeschnitten hätte. In seiner „Philosophie des Geldes“ 1. Aufl. (1900) S. 61–72 findet sich ein vollendet klarer Abschnitt über den Wert der Als-Ob-Betrachtung. Dieser Abschnitt sei hier reproduziert in der kurzen Fassung, die ihm Dr. Max Adler in seiner vortrefflichen Schrift „Georg Simmels Bedeutung für die Geistesgeschichte“ (Anzengruber Verlag in Wien, Brüder Suschitzky; Leipzig 1919) gegeben hat (S. 10–13) […]. Adler zeigt überzeugend, daß diese Simmelsche Auffassung mit ihrem „Pluralismus der Prinzipien“, welcher der „inneren Dualität des menschlichen Geistes“ entspricht, weder Skeptizismus noch Eklektizismus ist und daß dieser Relativismus nicht ein Zeichen von Schwäche ist, daß diese „Relativität“ auch nicht eine „Abschwächung des Wahrheitsbegriffs, kein Abzug an der Wahrheit, sondern das Wesen der Wahrheit selbst ist“ (S. 14). […] Die Totalität des Seins und Werdens so zu erfassen, war, wie Adler vorzüglich weiter entwickelt, das Ziel, das Simmel der kritischen Metaphysik gesteckt hat. Er wollte eine Metaphysik der lebendigen Wirklichkeit geben, so wurde der Begriff des Lebens sein Grundprinzip und seine Endabsicht eine „Lebensmetaphysik“. Das Leben mit allen seinen Widersprüchen zu erfassen, dazu erschien ihm ein einseitiger Standpunkt nicht fähig, sondern nur ein Pluralismus widersprechender Prinzipien. […] Dies sind die Grundzüge einer Metaphysik, die auch den Grundgedanken der Philosophie des „Als-Ob“ entsprechen. Wer in der Letzteren eine abschließende Metaphysik vermißt, kann einzig und allein im Verfolgen dieser Richtungslinien zu befriedigenden Resultaten gelangen. Hierzu ist die Schrift von Adler eine vorzügliche Führerin.&#xD;&#xA;">in weiten Teilen übereinstimmend</span></span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="in weiten Teilen übereinstimmend ] ein weiteres Schreiben dieser Art war offenbar an Georg Simmel († 26.9.1918) gegangen, vgl. Vaihinger: Lesefrüchte. In: Annalen der Philosophie. Mit besonderer Rücksicht auf die Probleme der Als Ob-Betrachtung 2 ([1920]/1921), S. 310–311: Georg Simmel und das Als-Ob. Georg Simmel, der Allzufrühdahingeschiedene [!], stand der „Philosophie des Als-Ob“ sehr nahe. Das hat sich auch darin gezeigt, daß er noch auf seinem Krankenlager sich für die Begründung unserer „Annalen“ lebhaft interessierte: Er hätte sich noch als Herausgeber daran beteiligt, wenn die Parze ihm nicht den Lebensfaden abgeschnitten hätte. In seiner „Philosophie des Geldes“ 1. Aufl. (1900) S. 61–72 findet sich ein vollendet klarer Abschnitt über den Wert der Als-Ob-Betrachtung. Dieser Abschnitt sei hier reproduziert in der kurzen Fassung, die ihm Dr. Max Adler in seiner vortrefflichen Schrift „Georg Simmels Bedeutung für die Geistesgeschichte“ (Anzengruber Verlag in Wien, Brüder Suschitzky; Leipzig 1919) gegeben hat (S. 10–13) […]. Adler zeigt überzeugend, daß diese Simmelsche Auffassung mit ihrem „Pluralismus der Prinzipien“, welcher der „inneren Dualität des menschlichen Geistes“ entspricht, weder Skeptizismus noch Eklektizismus ist und daß dieser Relativismus nicht ein Zeichen von Schwäche ist, daß diese „Relativität“ auch nicht eine „Abschwächung des Wahrheitsbegriffs, kein Abzug an der Wahrheit, sondern das Wesen der Wahrheit selbst ist“ (S. 14). […] Die Totalität des Seins und Werdens so zu erfassen, war, wie Adler vorzüglich weiter entwickelt, das Ziel, das Simmel der kritischen Metaphysik gesteckt hat. Er wollte eine Metaphysik der lebendigen Wirklichkeit geben, so wurde der Begriff des Lebens sein Grundprinzip und seine Endabsicht eine „Lebensmetaphysik“. Das Leben mit allen seinen Widersprüchen zu erfassen, dazu erschien ihm ein einseitiger Standpunkt nicht fähig, sondern nur ein Pluralismus widersprechender Prinzipien. […] Dies sind die Grundzüge einer Metaphysik, die auch den Grundgedanken der Philosophie des „Als-Ob“ entsprechen. Wer in der Letzteren eine abschließende Metaphysik vermißt, kann einzig und allein im Verfolgen dieser Richtungslinien zu befriedigenden Resultaten gelangen. Hierzu ist die Schrift von Adler eine vorzügliche Führerin.">[1]</a><span class="t-word">. Bittet </span><span class="ED-name">Einstein</span><span class="t-word">, dem </span><span class="t-word"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="wissenschaftlichen Beirat ] Einstein wird dort nicht aufgeführt, vgl. Annalen der Philosophie etc. 1 (1919); zu Einsteins nicht überlieferter Ablehnung vgl. Vaihinger an Einstein vom 27.4.1919.&#xD;&#xA;">wissenschaftlichen Beirat</span></span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="wissenschaftlichen Beirat ] Einstein wird dort nicht aufgeführt, vgl. Annalen der Philosophie etc. 1 (1919); zu Einsteins nicht überlieferter Ablehnung vgl. Vaihinger an Einstein vom 27.4.1919.">[2]</a><span class="t-word"> der zu gründenden Zeitschrift „Annalen der Philosophie.</span> <span class="t-word">Mit besonderer Rücksicht auf die Probleme der Als-Ob-Betrachtung“ beizutreten: „Soeben erfahre ich nun durch Herrn Professor </span><span class="ED-name">Frischeisen-Köhler</span><span class="t-word">, dass Sie, hochgeehrter Herr Kollege, sich dahin geäussert haben, dass Sie der von mir vertretenen Richtung innerlich nahe stehen, und so darf ich vielleicht den Versuch wagen, Sie zu bitten, sich dem oben geschilderten Redaktions-Ausschuss anzuschliessen und damit auch äusserlich die Verbindung mit der neuen philosophischen Richtung herzustellen. Schon längst habe ich Ihre hochbedeutenden Veröffentlichungen mit Aufmerksamkeit verfolgt, und es ist mir bald klar geworden, dass in denselben ein philosophischer Geist wirksam ist, der in wesentlichen Stücken mit denjenigen Überzeugungen zusammentrifft, die ich selbst für die richtigen halte. So würde durch einen solchen </span>Zusammenschluss<span class="t-word"> die Wirkung gegenseitig verstärkt und es müsste sich daraus ein fruchtbares Zusammenarbeiten ergeben das beiden Teilen zu statten käme. Einerseits würde Ihre neue Relativitätstheorie in das Ganze einer philosophischen Strömung eingegliedert, andererseits würde diese letztere durch Ihre Ideen bereichert.“ Bietet an, Einstein ein Exemplar von Vaihinger: Die Philosophie des Als Ob (3. </span><abbr title="Auflage" class="ED-abbr">Aufl.</abbr><span class="t-word"> 1918) zu </span><span class="t-word"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="senden ] vgl. Einstein an Vaihinger vom 3.5.1919&#xD;&#xA;">senden</span></span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="senden ] vgl. Einstein an Vaihinger vom 3.5.1919">[3]</a><span class="t-word">.</span></p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="t-word">in weiten Teilen übereinstimmend</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>ein weiteres Schreiben dieser Art war offenbar an <span class="ED-name">Georg Simmel</span> († 26.9.1918) gegangen, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger: Lesefrüchte. In: Annalen der Philosophie. Mit besonderer Rücksicht auf die Probleme der Als Ob-Betrachtung 2 ([1920]/1921), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 310–311:<span class="ED-rdg"> Georg Simmel und das Als-Ob. Georg Simmel, der Allzufrühdahingeschiedene [!], stand der „Philosophie des Als-Ob“ sehr nahe. Das hat sich auch darin gezeigt, daß er noch auf seinem Krankenlager sich für die Begründung unserer „Annalen“ lebhaft interessierte: Er hätte sich noch als Herausgeber daran beteiligt, wenn die Parze ihm nicht den Lebensfaden abgeschnitten hätte. In seiner „Philosophie des Geldes“ 1. Aufl. (1900) S. 61–72 findet sich ein vollendet klarer Abschnitt über den Wert der Als-Ob-Betrachtung. Dieser Abschnitt sei hier reproduziert in der kurzen Fassung, die ihm Dr. Max Adler in seiner vortrefflichen Schrift „Georg Simmels Bedeutung für die Geistesgeschichte“ (Anzengruber Verlag in Wien, Brüder Suschitzky; Leipzig 1919) gegeben hat (S. 10–13) […]. Adler zeigt überzeugend, daß diese Simmelsche Auffassung mit ihrem „Pluralismus der Prinzipien“, welcher der „inneren Dualität des menschlichen Geistes“ entspricht, weder Skeptizismus noch Eklektizismus ist und daß dieser Relativismus nicht ein Zeichen von Schwäche ist, daß diese „Relativität“ auch nicht eine „Abschwächung des Wahrheitsbegriffs, kein Abzug an der Wahrheit, sondern das Wesen der Wahrheit selbst ist“ (S. 14). […] Die Totalität des Seins und Werdens so zu erfassen, war, wie Adler vorzüglich weiter entwickelt, das Ziel, das Simmel der kritischen Metaphysik gesteckt hat. Er wollte eine Metaphysik der lebendigen Wirklichkeit geben, so wurde der Begriff des Lebens sein Grundprinzip und seine Endabsicht eine „Lebensmetaphysik“. Das Leben mit allen seinen Widersprüchen zu erfassen, dazu erschien ihm ein einseitiger Standpunkt nicht fähig, sondern nur ein Pluralismus widersprechender Prinzipien. […] Dies sind die Grundzüge einer Metaphysik, die auch den Grundgedanken der Philosophie des „Als-Ob“ entsprechen. Wer in der Letzteren eine abschließende Metaphysik vermißt, kann einzig und allein im Verfolgen dieser Richtungslinien zu befriedigenden Resultaten gelangen. Hierzu ist die Schrift von Adler eine vorzügliche Führerin.</span></div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="t-word">wissenschaftlichen Beirat</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">Einstein</span> wird dort nicht aufgeführt, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Annalen der Philosophie <abbr title="et cetera" class="ED-abbr">etc.</abbr><span class="t-word"> </span>1 (1919); zu <span class="ED-name">Einstein</span>s nicht überlieferter Ablehnung <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Einstein vom 27.4.1919.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="t-word">senden</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Einstein an Vaihinger vom 3.5.1919</div></div></body></html>