<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Heinrich Rickert an Vaihinger, Heidelberg, 3.5.1917, 2 S., hs., Postkarte (mit abgetrennter Antwortkarte) an Herrn Geh. Reg. Rat | Prof. Dr. Vaihinger | Halle/Saale | Reichardtstr. 15, Poststempel HEIDELBERG | -3.5.17. 1-2N | * 1 k, Briefkopf als Stempel PROF. HEINRICH RICKERT | HEIDELBERG, SCHEFFELSTR. 4, Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 3 l, Nr. 16</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001310-0"/><style type="text/css">
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Rat | Prof. Dr. Vaihinger | Halle/Saale | Reichardtstr. 15</span><span class="ED-note">, Poststempel </span><span class="ED-rdg">HEIDELBERG | -3.5.17. 1-2N | * 1 k</span><span class="ED-note">, Briefkopf als Stempel </span><span class="ED-rdg">PROF. HEINRICH RICKERT | HEIDELBERG, SCHEFFELSTR. 4</span>, <span class="ED-pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 3 l, Nr. 16</span></p><div class="ED-text"><p class="ED-dateline">3.5.17.</p><p class="ED-p">Geehrter Herr College! <span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Kroner ] vgl. Vaihinger an Rickert vom 7.9.1917 sowie Ernst Hoffmann an Ernst Cassirer vom 20.8.1916 in: Ernst Cassirer Nachgelassene Manuskripte und Texte ECN Bd. 18, S. 22–23; sowie Bruno Bauch: [Leserbrief]. In: Der Panther . Deutsche Monatszeitschrift für Politik und Volkstum 4 (1916), Heft 4 von Juni: Auf Kants Stellung zum Judentum in ethisch-religiöser Hinsicht näher als durch die Bemerkung, daß nach Kant „das Judentum eigentlich gar keine Religion“, sondern lediglich eine „theokratische“ Gemeinschaft von „Menschen, die zu einem besonderen Stamme gehören“, ist, einzugehen, ist brieflich nicht gut möglich. Genauer behandle ich diese Stellung in einer großen, nach dem Kriege erscheinenden, aber schon gedruckten Gesamtdarstellung der Kantischen Lehre. Hier weise ich auch einen so vorsichtigen Versuch, wie den von Herrn Dr. Kroner, die Kantische Gottesauffassung im Geiste des Judentums zu färben, ohne freilich das Judentum beim Namen zu nennen, gebührend zurück. In Herrn Dr. Kroners Kant-Büchlein findet sich der für einen Kant-Kenner ganz unglaublich klingende Satz: „In die ethisch-religiöse Weltanschauung Kants paßt sich die Vorstellung des rächenden und gerechten Gottes eher ein, als die des verzeihenden und erlösenden.“ Dazu habe ich in dem erwähnten Buche doch die Bemerkung machen müssen: „Als ob Rache und Gerechtigkeit unzertrennlich, Gerechtigkeit und Liebe und Erlösung unvereinbar wären; und als ob Kant nicht der Philosoph der christlich-protestantischen Moralität und Religion, sondern des Judentums gewesen wäre. Es fehlt bloß noch, daß man ihm die heimliche Synagogengemeinschaft unterschiebt.“ Freilich ausdrücklich nennt Herr Dr. Kroner, wie gesagt, das Judentum gar nicht einmal beim Namen. Aber gerade darum muß sich gegen einen so leisen Versuch, Kants Gottesauffassung im Geiste des Judentums umzufärben, das ethische Pathos Cohens mit seiner jüdischen Ausgesprochenheit nur um so würdevoller abheben (abgedruckt und kommentiert in ECN 9, S. 283).&#xD;&#xA;">Kroner</span></span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="Kroner ] vgl. Vaihinger an Rickert vom 7.9.1917 sowie Ernst Hoffmann an Ernst Cassirer vom 20.8.1916 in: Ernst Cassirer Nachgelassene Manuskripte und Texte ECN Bd. 18, S. 22–23; sowie Bruno Bauch: [Leserbrief]. In: Der Panther . Deutsche Monatszeitschrift für Politik und Volkstum 4 (1916), Heft 4 von Juni: Auf Kants Stellung zum Judentum in ethisch-religiöser Hinsicht näher als durch die Bemerkung, daß nach Kant „das Judentum eigentlich gar keine Religion“, sondern lediglich eine „theokratische“ Gemeinschaft von „Menschen, die zu einem besonderen Stamme gehören“, ist, einzugehen, ist brieflich nicht gut möglich. Genauer behandle ich diese Stellung in einer großen, nach dem Kriege erscheinenden, aber schon gedruckten Gesamtdarstellung der Kantischen Lehre. Hier weise ich auch einen so vorsichtigen Versuch, wie den von Herrn Dr. Kroner, die Kantische Gottesauffassung im Geiste des Judentums zu färben, ohne freilich das Judentum beim Namen zu nennen, gebührend zurück. In Herrn Dr. Kroners Kant-Büchlein findet sich der für einen Kant-Kenner ganz unglaublich klingende Satz: „In die ethisch-religiöse Weltanschauung Kants paßt sich die Vorstellung des rächenden und gerechten Gottes eher ein, als die des verzeihenden und erlösenden.“ Dazu habe ich in dem erwähnten Buche doch die Bemerkung machen müssen: „Als ob Rache und Gerechtigkeit unzertrennlich, Gerechtigkeit und Liebe und Erlösung unvereinbar wären; und als ob Kant nicht der Philosoph der christlich-protestantischen Moralität und Religion, sondern des Judentums gewesen wäre. Es fehlt bloß noch, daß man ihm die heimliche Synagogengemeinschaft unterschiebt.“ Freilich ausdrücklich nennt Herr Dr. Kroner, wie gesagt, das Judentum gar nicht einmal beim Namen. Aber gerade darum muß sich gegen einen so leisen Versuch, Kants Gottesauffassung im Geiste des Judentums umzufärben, das ethische Pathos Cohens mit seiner jüdischen Ausgesprochenheit nur um so würdevoller abheben (abgedruckt und kommentiert in ECN 9, S. 283).">[1]</a> ist jüdischer Abstammung. Insoweit hat <span class="ED-name">Bauch</span> recht. Im Übrigen ist <span class="ED-name">Kroner</span> schon jung getauft und ein so guter Deutscher wie nur irgend einer. Um nur das zu bemerken: er war schon mehrere Jahre vor dem Kriege Artillerie-Officier und hat vom ersten Kriegstage an dem Vaterland die besten Dienste geleistet. Jetzt steht er als <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="Regimentsadjutant ] Regimentsadjudant&#xD;&#xA;">Regimentsadjutant</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="Regimentsadjutant ] Regimentsadjudant">[b]</a> in den Vogesen, über ein Jahr hat er vor Verdun die unerhörtesten Strapazen ausgehalten. Es ist sehr zu bedauern, daß solchen Männer ihr Deutschtum abgesprochen wird. Nicht minder bedauerlich aber finde <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="ich ] Einfügung über der Zeile&#xD;&#xA;">ich</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-3" id="app-philological-3-ref" title="ich ] Einfügung über der Zeile">[c]</a> es, daß man <span class="ED-name">Bauch</span> aus den K<span class="ED-add">[ant]</span> St<span class="ED-add">[udien]</span> gedrängt hat. <span class="ED-name">Cohen</span> ist nicht <u>nur</u> der Abstammung nach Jude, sondern <u>will</u> Jude sein, und darauf hinzuweisen, war <span class="ED-name">Bauch</span>s gutes <u>Recht.</u> Die Toleranz der <span class="ED-name">Cohen</span>ianer, die sich mit übertriebener Empfindlichkeit verbindet, scheint mir unerträglich, und der Fall <span class="ED-name">Bauch</span> bedarf <u>dringend</u> der Aufklärung, falls <span class="ED-name">Bauch</span>s Darstellung wirklich irreführend sein sollte. Hätten wir Frieden, dann wäre ich <u>längst</u> bemüht <span class="ED-pb">|</span> gewesen, mir volle Klarheit zu verschaffen, und hätte eventuell aus der Kantgesellschaft <u>austreten</u> müssen. Es giebt Leute, die glauben, <span class="ED-name">Bauch</span> sei unter dem <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Eindruck der Angst ] vgl. gegen die Zuschreibung dieser Opferrolle z. B. Allgemeine Zeitung des Judentums, Nr. 13 vom 30.3.1917, S. 149 (abgedruckt in: Ernst Cassirer Nachgelassene Manuskripte und Texte Bd. 9, S. 292–293): Wir lesen in der „Frankfurter Zeitung“ [Nr. 80, Abendblatt vom 22.3.1917, S. 2]: – Ein Streit in der Kant-Gesellschaft. Vor einiger Zeit hat der Professor der Philosophie in Jena, Bauch, die Redaktion der von der Kant-Gesellschaft herausgegebenen Zeitschrift „Kant-Studien“ niedergelegt. Der Grund liegt darin, daß sich jüdische Mitglieder der Kant-Gesellschaft durch schriftliche Aeußerungen Bauchs verletzt fühlten, woraus Auseinandersetzungen entstanden, in deren Verlauf er es für das Richtige hielt zurückzutreten. Die Sache wäre nicht von Belang, wenn nicht einige Blätter die Gelegenheit benutzt hätten, die Sache in eine verkehrte Richtung zu rücken, die Bauch als Opfer eines Terrorismus erscheinen läßt. Das war um so leichter, als er selber eine Erklärung veröffentlichte, die sich in dieser Richtung bewegt. Aber diese Opferkrone kommt ihm nicht zu […]. Wissenschaftlich-exakte Geistesforschung hat es immer nur mit bestimmten Problemen und mit logischen Argumenten zu tun, die nicht das eine Mal wahr sein können, wenn sie ein Arier, und das andere Mal falsch, wenn sie ein Jude ausspricht. Steht man aber auf jenem zeitlich-rassig-persönlichen Standpunkt, dann kann es, wie es bei Bauch sicherlich der Fall war, in aller Harmlosigkeit geschehen, von „Grenzscheiden deutschen und jüdischen Geistes“, da das Judentum „fremdvölkisch“ sei, vom „deutschen Denker Kant“ und vom „jüdischen Denker Cohen“, von den „durch den Unterschied der Volkscharaktere scharf gezogenen Grenzen des Verstehens“ usw. zu reden. […] Es ist nur die Oberfläche, wenn er [Bauch] seinen Rücktritt damit motiviert, daß er „über der Redaktion eine Art jüdischer Oberzensurbehörde nicht anerkennen konnte.“ Dagegen wäre nicht das geringste zu sagen, wenn es sich darum handelte. Aber die Tatsache, aus der der Streit hervorging, ist ein ganz natürlicher Mißmut jüdischer Mitglieder der Kant-Gesellschaft über die Methode, zwischen Menschen in geistigen Dingen nach Prinzipien der Schafzucht zu scheiden; wobei man es den Juden zugute halten darf, daß solche Scheidungen in der Regel Antisemitismus atmen. […] die geistige Grenzscheide, die Bauch errichtet und die Aergernis erregt hat, ist so unkantisch wie nur möglich. Wer das bestreitet, hat Kant nicht verstanden. So aber liegt in einer Situation, die Bauch nur den Rücktritt von „Kant-Studien“ übrig ließ, eine immanente Gerechtigkeit.&#xD;&#xA;">Eindruck der Angst</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="Eindruck der Angst ] vgl. gegen die Zuschreibung dieser Opferrolle z. B. Allgemeine Zeitung des Judentums, Nr. 13 vom 30.3.1917, S. 149 (abgedruckt in: Ernst Cassirer Nachgelassene Manuskripte und Texte Bd. 9, S. 292–293): Wir lesen in der „Frankfurter Zeitung“ [Nr. 80, Abendblatt vom 22.3.1917, S. 2]: – Ein Streit in der Kant-Gesellschaft. Vor einiger Zeit hat der Professor der Philosophie in Jena, Bauch, die Redaktion der von der Kant-Gesellschaft herausgegebenen Zeitschrift „Kant-Studien“ niedergelegt. Der Grund liegt darin, daß sich jüdische Mitglieder der Kant-Gesellschaft durch schriftliche Aeußerungen Bauchs verletzt fühlten, woraus Auseinandersetzungen entstanden, in deren Verlauf er es für das Richtige hielt zurückzutreten. Die Sache wäre nicht von Belang, wenn nicht einige Blätter die Gelegenheit benutzt hätten, die Sache in eine verkehrte Richtung zu rücken, die Bauch als Opfer eines Terrorismus erscheinen läßt. Das war um so leichter, als er selber eine Erklärung veröffentlichte, die sich in dieser Richtung bewegt. Aber diese Opferkrone kommt ihm nicht zu […]. Wissenschaftlich-exakte Geistesforschung hat es immer nur mit bestimmten Problemen und mit logischen Argumenten zu tun, die nicht das eine Mal wahr sein können, wenn sie ein Arier, und das andere Mal falsch, wenn sie ein Jude ausspricht. Steht man aber auf jenem zeitlich-rassig-persönlichen Standpunkt, dann kann es, wie es bei Bauch sicherlich der Fall war, in aller Harmlosigkeit geschehen, von „Grenzscheiden deutschen und jüdischen Geistes“, da das Judentum „fremdvölkisch“ sei, vom „deutschen Denker Kant“ und vom „jüdischen Denker Cohen“, von den „durch den Unterschied der Volkscharaktere scharf gezogenen Grenzen des Verstehens“ usw. zu reden. […] Es ist nur die Oberfläche, wenn er [Bauch] seinen Rücktritt damit motiviert, daß er „über der Redaktion eine Art jüdischer Oberzensurbehörde nicht anerkennen konnte.“ Dagegen wäre nicht das geringste zu sagen, wenn es sich darum handelte. Aber die Tatsache, aus der der Streit hervorging, ist ein ganz natürlicher Mißmut jüdischer Mitglieder der Kant-Gesellschaft über die Methode, zwischen Menschen in geistigen Dingen nach Prinzipien der Schafzucht zu scheiden; wobei man es den Juden zugute halten darf, daß solche Scheidungen in der Regel Antisemitismus atmen. […] die geistige Grenzscheide, die Bauch errichtet und die Aergernis erregt hat, ist so unkantisch wie nur möglich. Wer das bestreitet, hat Kant nicht verstanden. So aber liegt in einer Situation, die Bauch nur den Rücktritt von „Kant-Studien“ übrig ließ, eine immanente Gerechtigkeit.">[2]</a>, die Kantgesellschaft könne jüdisches Geld verlieren, schweres Unrecht getan. Ich weiß nicht, was daran ist, aber daß solche Meinung entsteht, wundert mich nicht. Entschuldigen Sie diese unerbetene Meinungsäußerung, aber ich wollte sowohl für <span class="ED-name">Kroner</span> als auch für <span class="ED-name">Bauch</span> eintreten, die mir <u>beide</u> lieb sind.</p><p class="ED-p">Mit collegialem Gruß Ihr</p><p class="ED-signed">Rickert.</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-note">Antwortkarte</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>es haben sich lediglich Fragmente der Antwort auf der vorliegenden Postkarte erhalten: <span class="ED-rdg">t | en | t | ch</span> Die Antwortkarte Vaihingers ist nicht überliefert.</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Regimentsadjutant</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">Regimentsadjudant</span></div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-3"><span class="ED-app-num">c</span><a href="#app-philological-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">ich</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Einfügung über der Zeile</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-name">Kroner</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Rickert vom 7.9.1917 sowie <span class="ED-name">Ernst Hoffmann</span> an <span class="ED-name">Ernst Cassirer</span> vom 20.8.1916 in: Ernst Cassirer Nachgelassene Manuskripte und Texte ECN <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> 18, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 22–23; sowie Bruno Bauch: [Leserbrief]. In: Der Panther . Deutsche Monatszeitschrift für Politik und Volkstum 4 (1916), Heft 4 von Juni: <span class="ED-rdg">Auf Kants Stellung zum Judentum in ethisch-religiöser Hinsicht näher als durch die Bemerkung, daß nach Kant „das Judentum eigentlich gar keine Religion“, sondern lediglich eine „theokratische“ Gemeinschaft von „Menschen, die zu einem besonderen Stamme gehören“, ist, einzugehen, ist brieflich nicht gut möglich. Genauer behandle ich diese Stellung in einer großen, nach dem Kriege erscheinenden, aber schon gedruckten Gesamtdarstellung der Kantischen Lehre. Hier weise ich auch einen so vorsichtigen Versuch, wie den von Herrn Dr. Kroner, die Kantische Gottesauffassung im Geiste des Judentums zu färben, ohne freilich das Judentum beim Namen zu nennen, gebührend zurück. In Herrn Dr. Kroners Kant-Büchlein findet sich der für einen Kant-Kenner ganz unglaublich klingende Satz: „In die ethisch-religiöse Weltanschauung Kants paßt sich die Vorstellung des rächenden und gerechten Gottes eher ein, als die des verzeihenden und erlösenden.“ Dazu habe ich in dem erwähnten Buche doch die Bemerkung machen müssen: „Als ob Rache und Gerechtigkeit unzertrennlich, Gerechtigkeit und Liebe und Erlösung unvereinbar wären; und als ob Kant nicht der Philosoph der christlich-protestantischen Moralität und Religion, sondern des Judentums gewesen wäre. Es fehlt bloß noch, daß man ihm die heimliche Synagogengemeinschaft unterschiebt.“ Freilich ausdrücklich nennt Herr Dr. Kroner, wie gesagt, das Judentum gar nicht einmal beim Namen. Aber gerade darum muß sich gegen einen so leisen Versuch, Kants Gottesauffassung im Geiste des Judentums umzufärben, das ethische Pathos Cohens mit seiner jüdischen Ausgesprochenheit nur um so würdevoller abheben</span> (abgedruckt und kommentiert in <abbr title="Ernst Cassirer Nachlassausgabe" class="ED-abbr">ECN</abbr> 9, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 283).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Eindruck der Angst</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> gegen die Zuschreibung dieser Opferrolle <abbr title="zum Beispiel" class="ED-abbr">z. B.</abbr> Allgemeine Zeitung des Judentums, <abbr title="Nummer" class="ED-abbr">Nr.</abbr> 13 vom 30.3.1917, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 149 (abgedruckt in: Ernst Cassirer Nachgelassene Manuskripte und Texte <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> 9, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 292–293): <span class="ED-rdg">Wir lesen in der „Frankfurter Zeitung“ [</span><abbr title="Nummer" class="ED-abbr">Nr.</abbr> 80, Abendblatt vom 22.3.1917, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 2<span class="ED-rdg">]: – Ein Streit in der Kant-Gesellschaft. Vor einiger Zeit hat der Professor der Philosophie in Jena, Bauch, die Redaktion der von der Kant-Gesellschaft herausgegebenen Zeitschrift „Kant-Studien“ niedergelegt. Der Grund liegt darin, daß sich jüdische Mitglieder der Kant-Gesellschaft durch schriftliche Aeußerungen Bauchs verletzt fühlten, woraus Auseinandersetzungen entstanden, in deren Verlauf er es für das Richtige hielt zurückzutreten. Die Sache wäre nicht von Belang, wenn nicht einige Blätter die Gelegenheit benutzt hätten, die Sache in eine verkehrte Richtung zu rücken, die Bauch als Opfer eines Terrorismus erscheinen läßt. Das war um so leichter, als er selber eine Erklärung veröffentlichte, die sich in dieser Richtung bewegt. Aber diese Opferkrone kommt ihm nicht zu […]. Wissenschaftlich-exakte Geistesforschung hat es immer nur mit bestimmten Problemen und mit logischen Argumenten zu tun, die nicht das eine Mal wahr sein können, wenn sie ein Arier, und das andere Mal falsch, wenn sie ein Jude ausspricht. 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Aber die Tatsache, aus der der Streit hervorging, ist ein ganz natürlicher Mißmut jüdischer Mitglieder der Kant-Gesellschaft über die Methode, zwischen Menschen in geistigen Dingen nach Prinzipien der Schafzucht zu scheiden; wobei man es den Juden zugute halten darf, daß solche Scheidungen in der Regel Antisemitismus atmen. […] die geistige Grenzscheide, die Bauch errichtet und die Aergernis erregt hat, ist so unkantisch wie nur möglich. Wer das bestreitet, hat Kant nicht verstanden. So aber liegt in einer Situation, die Bauch nur den Rücktritt von „Kant-Studien“ übrig ließ, eine immanente Gerechtigkeit.</span></div></div></body></html>