<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Ernst Cassirer an Vaihinger, Berlin, 8.4.1917, abgedruckt in: Ernst Cassirer Nachgelassene Manuskripte und Texte Bd. 18. Ausgewählter wissenschaftlicher Briefwechsel. Hamburg: Meiner 2009, S. 31–32 (vgl. https://agora.sub.uni-hamburg.de/subcass/digbib/view?did=c1:1316&amp;sdid=c1:1317, Kopie aus: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 4 h).</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001306-0"/><style type="text/css">
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Hamburg: Meiner 2009, S. 31–32 (vgl. </span><span class="ED-link"><a href="https://agora.sub.uni-hamburg.de/subcass/digbib/view?did=c1:1316&amp;sdid=c1:1317">https://agora.sub.uni-hamburg.de/subcass/digbib/view?did=c1:1316&amp;sdid=c1:1317</a></span><span class="ED-pubPlace">, </span><a id="_Hlk82762518" xml:id="_Hlk82762518"/><span class="ED-pubPlace">Kopie aus: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 4 h</span><span class="ED-pubPlace">).</span></p><div class="ED-text"><p class="ED-p">Regest: Über den im Zusammenhang mit Anfeindungen gegen <span class="ED-name">Hermann Cohen</span> stehenden Rücktritt <span class="ED-name">Bruno Bauch</span>s Ende November 1916 von der Redaktion der Kant-Studien und die geplante <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Stellungnahme des Herausgebers Vaihinger ] vgl. die lapidare: Mitteilung betr. Wechsel in der Redaktion der „Kantstudien“. In: Kant-Studien 21 ([1916]/1917), S. 492 (d. i. zum Schluß des Jahrganges, nach den Registern): Mit diesem Hefte scheidet Herr Professor Dr. Bruno Bauch aus der Redaktion dieser Zeitschrift aus. Da in der Presse die Notiz verbreitet wurde, der Rücktritt des Herrn Professor Dr. Bauch sei „aus Gesundheitsrücksichten“ erfolgt, so bemerken wir hiermit ausdrücklich, dass diese Mitteilung absolut unzutreffend ist. Für Herrn Professor Dr. Bauch treten die Herren Dr. Max Frischeisen-Köhler, a. o. Professor an der Universität Halle, und Dr. Arthur Liebert, Dozent an der Handelshochschule Berlin, in die Redaktion ein. […] Redaktion und Verlag der „Kantstudien“. Eine weitere Stellungnahme erschien nicht.&#xD;&#xA;">Stellungnahme des Herausgebers Vaihinger</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="Stellungnahme des Herausgebers Vaihinger ] vgl. die lapidare: Mitteilung betr. Wechsel in der Redaktion der „Kantstudien“. In: Kant-Studien 21 ([1916]/1917), S. 492 (d. i. zum Schluß des Jahrganges, nach den Registern): Mit diesem Hefte scheidet Herr Professor Dr. Bruno Bauch aus der Redaktion dieser Zeitschrift aus. Da in der Presse die Notiz verbreitet wurde, der Rücktritt des Herrn Professor Dr. Bauch sei „aus Gesundheitsrücksichten“ erfolgt, so bemerken wir hiermit ausdrücklich, dass diese Mitteilung absolut unzutreffend ist. Für Herrn Professor Dr. Bauch treten die Herren Dr. Max Frischeisen-Köhler, a. o. Professor an der Universität Halle, und Dr. Arthur Liebert, Dozent an der Handelshochschule Berlin, in die Redaktion ein. […] Redaktion und Verlag der „Kantstudien“. Eine weitere Stellungnahme erschien nicht.">[1]</a> zur öffentlichen Diskussion über diesen <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Skandal ] der Kant-Studien und der Kant-Gesellschaft um Bruno Bauch, vgl. die zugehörigen Korrespondenzen 1916/1917. Bauch, seit 1904 neben Vaihinger Mitherausgeber der Kant-Studien, hatte sich mit einem zunächst separat erschienenen und dann in die Kant-Studien 21 ([1916]/1917) aufgenommenen Vortragsmanuskript u. d. T.: Vom Begriff der Nation, als Vertreter eines völkischen, in der Konsequenz (die Bauch nicht abgesehen hatte und die er in der Debatte von sich wies) antisemitischen Begriffs von Nation offenbart, indem er zur Grundvoraussetzung nicht bloß einer Nation, sondern auch zum Verständnis ihrer Philosophie (prominent der Philosophie Kants) eine ethnisch homogene, gemeinsame „Abstammung“ erklärte, womit er in Kauf nahm, die Mitglieder der Kant-Gesellschaft jüdischer Herkunft, in erster Linie Hermann Cohen und Ernst Cassirer, direkt zu brüskieren. Zusätzlichen Zündstoff erhielt der Skandal durch die Tatsache der „judenstatistischen“ Erhebungen über die Beteiligung an den Kriegshandlungen des deutschen Heers. Bauch meinte sich zusätzlich gegen von völkischer Seite geäußerte Kritik an seinem Begriff von Nation (vgl. Leonore Ripke-Kühn: Ein Briefwechsel. In: Der Panther 4 (1916), S. 477–484) verwahren zu müssen, was ihm wiederum den Beifall dieser Seite zutrug. Cassirer hätte seinerseits ohne Rücksichtname einen Gegenartikel in Kant-Studien veröffentlicht, wenn nicht die von Vaihinger hinzugebetenen Arthur Liebert (als Geschäftsführer der Kantgesellschaft) und Rudolf Eucken Schlichtungsversuche unternommen hätten. Es kam indes zu keiner Einigung. Cohen und Cassirer traten im Herbst 1916 aus der Kantgesellschaft aus, während Bauch aus der Redaktion der Kant-Studien ausschied. Zu einer eigentlichen Beilegung des Streites kam es nicht, da Vaihinger politisch v. a. daran interessiert war, die Kant-Studien und die Kantgesellschaft vor Beschädigung ihres Ansehens zu bewahren. Rickert hat in dieser Sache keine Stellung bezogen – obwohl oder gerade weil sowohl Bauch (1901) als auch Leonore Ripke-Kühn bei Rickert ihre Doktorprüfung (1908) abgelegt hatten. Von Seiten Marburgs setzte sich erst nach längeren internen Debatten Paul Natorp für Cohen ein. Vgl. Bruno Bauch: Leserbrief an Leonore Ripke-Kühn. In: Der Panther. Deutsche Monatsschrift für Politik und Volkstum 4 (1916), Heft 6 von Juni 1916, S. 742–746 (abgedruckt in Ernst Cassirer Nachgelassene Manuskripte und Texte Bd. 9. Zu Philosophie und Politik. Hamburg: Meiner 2008, S. 279–284); Mein Rücktritt von den „Kant-Studien“. Eine Antwort auf viele Fragen. In: Der Panther 5 (1917), Heft 1 von Januar 1917, S. 148–154 (abgedruckt in dass., S. 285–291); Vom Begriff der Nation. (Ein Kapitel zur Geschichtsphilosophie.) Vortrag gehalten in der Staatswissenschaftlichen Gesellschaft zu Jena. In: Kant-Studien 21 ([1916]/1917), Doppelheft 2/3 von August 1916, S. 139–162; Cassirer: Zum Begriff der Nation. Eine Erwiderung auf den Aufsatz von Bruno Bauch. In: Ernst Cassirer Nachgelassene Manuskripte und Texte Bd. 9. Zu Philosophie und Politik. Hamburg: Meiner 2008, S. 29–60 sowie Sven Schlotter: Die Totalität der Kultur. Philosophisches Denken und politisches Handeln bei Bruno Bauch. Würzburg: Königshausen &amp; Neumann 2004 (Studien und Materialien zum Neukantianismus Bd. 22), S. 61–75. Die zugehörige Korrespondenz zwischen Cohen und Natorp ist abgedruckt in: Helmut Holzhey: Der Marburger Neukantianismus in Quellen. Basel/Stuttgart: Schwabe 1986 (Cohen und Natorp Bd. 2), S. 449–470. – Zum beschädigten Ruf der Zeitschrift Kant-Studien ist ferner eine in Parenthesen gehaltene briefliche Äußerung von Heinz Heimsoeth gegenüber Nicolai Hartmann vom 19.2.1918 erwähnenswert: „Mein Austritt aus den Kantstudien“ schreibt Dr. Bauch in einem halbpolitischen Blatt als Artikel – ich konnt es nicht bekommen, und weiß so wenig Genaues davon, wie über die Ursachen des Dr. Michaelis: mein Austritt aus der Reichsregierung. Vermutlich merkte er, daß die Kant-St. endgültig verjudet sind und wollte gegen die These remonstrieren, daß Kant, Judentum und – Bauch dasselbe seien (Frida Hartmann und Renate Heimsoeth (Hg.): Nicolai Hartmann und Heinz Heimsoeth im Briefwechsel. Bonn: Bouvier 1978, S. 286).&#xD;&#xA;">Skandal</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="Skandal ] der Kant-Studien und der Kant-Gesellschaft um Bruno Bauch, vgl. die zugehörigen Korrespondenzen 1916/1917. Bauch, seit 1904 neben Vaihinger Mitherausgeber der Kant-Studien, hatte sich mit einem zunächst separat erschienenen und dann in die Kant-Studien 21 ([1916]/1917) aufgenommenen Vortragsmanuskript u. d. T.: Vom Begriff der Nation, als Vertreter eines völkischen, in der Konsequenz (die Bauch nicht abgesehen hatte und die er in der Debatte von sich wies) antisemitischen Begriffs von Nation offenbart, indem er zur Grundvoraussetzung nicht bloß einer Nation, sondern auch zum Verständnis ihrer Philosophie (prominent der Philosophie Kants) eine ethnisch homogene, gemeinsame „Abstammung“ erklärte, womit er in Kauf nahm, die Mitglieder der Kant-Gesellschaft jüdischer Herkunft, in erster Linie Hermann Cohen und Ernst Cassirer, direkt zu brüskieren. Zusätzlichen Zündstoff erhielt der Skandal durch die Tatsache der „judenstatistischen“ Erhebungen über die Beteiligung an den Kriegshandlungen des deutschen Heers. Bauch meinte sich zusätzlich gegen von völkischer Seite geäußerte Kritik an seinem Begriff von Nation (vgl. Leonore Ripke-Kühn: Ein Briefwechsel. In: Der Panther 4 (1916), S. 477–484) verwahren zu müssen, was ihm wiederum den Beifall dieser Seite zutrug. Cassirer hätte seinerseits ohne Rücksichtname einen Gegenartikel in Kant-Studien veröffentlicht, wenn nicht die von Vaihinger hinzugebetenen Arthur Liebert (als Geschäftsführer der Kantgesellschaft) und Rudolf Eucken Schlichtungsversuche unternommen hätten. Es kam indes zu keiner Einigung. Cohen und Cassirer traten im Herbst 1916 aus der Kantgesellschaft aus, während Bauch aus der Redaktion der Kant-Studien ausschied. Zu einer eigentlichen Beilegung des Streites kam es nicht, da Vaihinger politisch v. a. daran interessiert war, die Kant-Studien und die Kantgesellschaft vor Beschädigung ihres Ansehens zu bewahren. Rickert hat in dieser Sache keine Stellung bezogen – obwohl oder gerade weil sowohl Bauch (1901) als auch Leonore Ripke-Kühn bei Rickert ihre Doktorprüfung (1908) abgelegt hatten. Von Seiten Marburgs setzte sich erst nach längeren internen Debatten Paul Natorp für Cohen ein. Vgl. Bruno Bauch: Leserbrief an Leonore Ripke-Kühn. In: Der Panther. Deutsche Monatsschrift für Politik und Volkstum 4 (1916), Heft 6 von Juni 1916, S. 742–746 (abgedruckt in Ernst Cassirer Nachgelassene Manuskripte und Texte Bd. 9. Zu Philosophie und Politik. Hamburg: Meiner 2008, S. 279–284); Mein Rücktritt von den „Kant-Studien“. Eine Antwort auf viele Fragen. In: Der Panther 5 (1917), Heft 1 von Januar 1917, S. 148–154 (abgedruckt in dass., S. 285–291); Vom Begriff der Nation. (Ein Kapitel zur Geschichtsphilosophie.) Vortrag gehalten in der Staatswissenschaftlichen Gesellschaft zu Jena. In: Kant-Studien 21 ([1916]/1917), Doppelheft 2/3 von August 1916, S. 139–162; Cassirer: Zum Begriff der Nation. Eine Erwiderung auf den Aufsatz von Bruno Bauch. In: Ernst Cassirer Nachgelassene Manuskripte und Texte Bd. 9. Zu Philosophie und Politik. Hamburg: Meiner 2008, S. 29–60 sowie Sven Schlotter: Die Totalität der Kultur. Philosophisches Denken und politisches Handeln bei Bruno Bauch. Würzburg: Königshausen &amp; Neumann 2004 (Studien und Materialien zum Neukantianismus Bd. 22), S. 61–75. Die zugehörige Korrespondenz zwischen Cohen und Natorp ist abgedruckt in: Helmut Holzhey: Der Marburger Neukantianismus in Quellen. Basel/Stuttgart: Schwabe 1986 (Cohen und Natorp Bd. 2), S. 449–470. – Zum beschädigten Ruf der Zeitschrift Kant-Studien ist ferner eine in Parenthesen gehaltene briefliche Äußerung von Heinz Heimsoeth gegenüber Nicolai Hartmann vom 19.2.1918 erwähnenswert: „Mein Austritt aus den Kantstudien“ schreibt Dr. Bauch in einem halbpolitischen Blatt als Artikel – ich konnt es nicht bekommen, und weiß so wenig Genaues davon, wie über die Ursachen des Dr. Michaelis: mein Austritt aus der Reichsregierung. Vermutlich merkte er, daß die Kant-St. endgültig verjudet sind und wollte gegen die These remonstrieren, daß Kant, Judentum und – Bauch dasselbe seien (Frida Hartmann und Renate Heimsoeth (Hg.): Nicolai Hartmann und Heinz Heimsoeth im Briefwechsel. Bonn: Bouvier 1978, S. 286).">[2]</a> in der Tagespresse. Die in dem Schreiben <span class="ED-name">Cassirer</span>s erwähnte frühere Korrespondenz zwischen ihm und Vaihinger zu diesen Themen ist nicht überliefert.</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Stellungnahme des Herausgebers Vaihinger</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> die lapidare: Mitteilung betr. Wechsel in der Redaktion der „Kantstudien“. In: Kant-Studien 21 ([1916]/1917), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 492 (<abbr title="das ist" class="ED-abbr">d. i.</abbr> zum Schluß des Jahrganges, nach den Registern): <span class="ED-rdg">Mit diesem Hefte scheidet Herr Professor Dr. Bruno Bauch aus der Redaktion dieser Zeitschrift aus. Da in der Presse die Notiz verbreitet wurde, der Rücktritt des Herrn Professor Dr. Bauch sei „aus Gesundheitsrücksichten“ erfolgt, so bemerken wir hiermit ausdrücklich, dass diese Mitteilung absolut unzutreffend ist. Für Herrn Professor Dr. Bauch treten die Herren Dr. Max Frischeisen-Köhler, a. o. Professor an der Universität Halle, und Dr. Arthur Liebert, Dozent an der Handelshochschule Berlin, in die Redaktion ein. […] Redaktion und Verlag der „Kantstudien“. </span>Eine weitere Stellungnahme erschien nicht.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Skandal</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>der Kant-Studien und der Kant-Gesellschaft um <span class="ED-name">Bruno Bauch</span>, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> die zugehörigen Korrespondenzen 1916/1917. <span class="ED-name">Bauch</span>, seit 1904 neben Vaihinger Mitherausgeber der Kant-Studien, hatte sich mit einem zunächst separat erschienenen und dann in die Kant-Studien 21 ([1916]/1917) aufgenommenen Vortragsmanuskript <abbr title="unter dem Titel" class="ED-abbr">u. d. T.</abbr>: Vom Begriff der Nation, als Vertreter eines völkischen, in der Konsequenz (die <span class="ED-name">Bauch</span> nicht abgesehen hatte und die er in der Debatte von sich wies) antisemitischen Begriffs von Nation offenbart, indem er zur Grundvoraussetzung nicht bloß einer Nation, sondern auch zum Verständnis ihrer Philosophie (prominent der Philosophie Kants) eine ethnisch homogene, gemeinsame „Abstammung“ erklärte, womit er in Kauf nahm, die Mitglieder der Kant-Gesellschaft jüdischer Herkunft, in erster Linie <span class="ED-name">Hermann Cohen</span> und <span class="ED-name">Ernst Cassirer</span>, direkt zu brüskieren. Zusätzlichen Zündstoff erhielt der Skandal durch die Tatsache der „judenstatistischen“ Erhebungen über die Beteiligung an den Kriegshandlungen des deutschen Heers. <span class="ED-name">Bauch</span> meinte sich zusätzlich gegen von völkischer Seite geäußerte Kritik an seinem Begriff von Nation (<abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Leonore Ripke-Kühn: Ein Briefwechsel. In: Der Panther 4 (1916), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 477–484) verwahren zu müssen, was ihm wiederum den Beifall dieser Seite zutrug. <span class="ED-name">Cassirer</span> hätte seinerseits ohne Rücksichtname einen Gegenartikel in Kant-Studien veröffentlicht, wenn nicht die von Vaihinger hinzugebetenen <span class="ED-name">Arthur Liebert</span> (als Geschäftsführer der Kantgesellschaft) und <span class="ED-name">Rudolf Eucken</span> Schlichtungsversuche unternommen hätten. Es kam indes zu keiner Einigung. <span class="ED-name">Cohen</span> und <span class="ED-name">Cassirer</span> traten im Herbst 1916 aus der Kantgesellschaft aus, während <span class="ED-name">Bauch</span> aus der Redaktion der Kant-Studien ausschied. Zu einer eigentlichen Beilegung des Streites kam es nicht, da Vaihinger politisch <abbr title="vor allem" class="ED-abbr">v. a.</abbr> daran interessiert war, die Kant-Studien und die Kantgesellschaft vor Beschädigung ihres Ansehens zu bewahren. <span class="ED-name">Rickert</span> hat in dieser Sache keine Stellung bezogen – obwohl oder gerade weil sowohl <span class="ED-name">Bauch</span> (1901) als auch <span class="ED-name">Leonore Ripke-Kühn</span> bei Rickert ihre Doktorprüfung (1908) abgelegt hatten. Von Seiten Marburgs setzte sich erst nach längeren internen Debatten <span class="ED-name">Paul Natorp</span> für <span class="ED-name">Cohen</span> ein. <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">Vgl.</abbr> Bruno Bauch: Leserbrief an Leonore Ripke-Kühn. In: Der Panther. Deutsche Monatsschrift für Politik und Volkstum 4 (1916), Heft 6 von Juni 1916, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 742–746 (abgedruckt in Ernst Cassirer Nachgelassene Manuskripte und Texte <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> 9. Zu Philosophie und Politik. Hamburg: Meiner 2008, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 279–284); Mein Rücktritt von den „Kant-Studien“. Eine Antwort auf viele Fragen. In: Der Panther 5 (1917), Heft 1 von Januar 1917, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 148–154 (abgedruckt in <abbr title="dasselbe" class="ED-abbr">dass.</abbr>, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 285–291); Vom Begriff der Nation. (Ein Kapitel zur Geschichtsphilosophie.) Vortrag gehalten in der Staatswissenschaftlichen Gesellschaft zu Jena. In: Kant-Studien 21 ([1916]/1917), Doppelheft 2/3 von August 1916, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 139–162; Cassirer: Zum Begriff der Nation. Eine Erwiderung auf den Aufsatz von Bruno Bauch. In: Ernst Cassirer Nachgelassene Manuskripte und Texte <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> 9. Zu Philosophie und Politik. Hamburg: Meiner 2008, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 29–60 sowie Sven Schlotter: Die Totalität der Kultur. Philosophisches Denken und politisches Handeln bei Bruno Bauch. Würzburg: Königshausen &amp; Neumann 2004 (Studien und Materialien zum Neukantianismus <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> 22), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 61–75. Die zugehörige Korrespondenz zwischen Cohen und Natorp ist abgedruckt in: Helmut Holzhey: Der Marburger Neukantianismus in Quellen. Basel/Stuttgart: Schwabe 1986 (Cohen und Natorp <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> 2), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 449–470. – Zum beschädigten Ruf der Zeitschrift Kant-Studien ist ferner eine in Parenthesen gehaltene briefliche Äußerung von <span class="ED-name">Heinz Heimsoeth</span> gegenüber <span class="ED-name">Nicolai Hartmann</span> vom 19.2.1918 erwähnenswert: <span class="ED-rdg">„Mein Austritt aus den Kantstudien“ schreibt Dr. Bauch in einem halbpolitischen Blatt als Artikel – ich konnt es nicht bekommen, und weiß so wenig Genaues davon, wie über die Ursachen des Dr. Michaelis: mein Austritt aus der Reichsregierung. Vermutlich merkte er, daß die Kant-St. endgültig verjudet sind und wollte gegen die These remonstrieren, daß Kant, Judentum und – Bauch dasselbe seien</span> (<span class="reference-text">Frida Hartmann und Renate Heimsoeth (</span><abbr title="Herausgeber" class="ED-abbr">Hg.</abbr><span class="reference-text">): Nicolai Hartmann und Heinz Heimsoeth im Briefwechsel. Bonn: Bouvier 1978, </span><abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> <span class="reference-text">286).</span></div></div></body></html>