<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Eduard Spranger an Vaihinger, Leipzig, 10.3.1915, 1 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 k</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001219-0"/><style type="text/css">
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In: Kant-Studien 19 (1914), S. 442–443 (auch in: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Nr. 386 vom 1.8.1914, Abend-Ausgabe, S. 3), wo es u. a. heißt: Das Gebäude muß also am besten in der Form eines antiken Tempels errichtet werden, und hier bietet sich nun die Gelegenheit, schon in der äußeren Anordnung der Teile eine symbolische Veranschaulichung des Kantischen Lehrgebäudes zu geben. Die Tempelhalle müßte sich auf einem zweifach abgestuften Sockel erheben. Diese beiden Sockel stellen die fundamentalen Formen Raum und Zeit dar, auf denen das Weltgebäude aufgebaut ist, so wie es unserer menschlichen Anschauungsweise sich darstellt. Vor dem Tempeleingang stehen 12 Säulen in dorischem Stil in 2 Reihen zu je 6 Säulen. Diese stellen die 12 Kategorien dar, welche über den Anschauungsformen von Raum und Zeit sich als die Verstandesnormen erheben, durch welche das ganze Erkenntnisgebäude bedingt und gestützt ist. Über diesen Säulen erhebt sich der dreieckige Giebel. Dieser zeigt drei plastische Figuren, welche den drei Ideen Gott, Freiheit und Unsterblichkeit entsprechen. In der Mitte des Giebels thront Gott, dargestellt durch eine Figur, welche vielleicht die Formen des Zeus von Phidias mit den Formen des Moses von Michelangelo vereinigt: Gott als Gesetzgeber und Richter. Nach links hin (vom Beschauer gesehen) liegt in der Giebelecke ein Mann, welcher die ihn fesselnden Ketten zerreisst, das Symbol der Freiheit, welche der Mensch sich erwirbt, indem er von den Fesseln der Natur und der Sinnlichkeit sich löst. Nach rechts hin wird die Giebelecke ausgefüllt durch eine halbliegende Frauengestalt, welche in die Ferne und damit in die Zukunft schaut und vielleicht noch durch das beliebte Symbol des Schmetterlings gekennzeichnet wird als eine Darstellung der Unsterblichkeit. […] Sekundär gegenüber allem diesem ist nun die Frage, wie das Innere des Tempelraumes ausgestaltet wird. Ich würde vorschlagen, an der dem Eingang gegenüberliegenden Wand einen Kolossalkopf Kants aufzustellen, vielleicht noch mit einer Jünglingsgestalt daneben, welche eine Fackel hält, in Erinnerung an das bekannte Platonische Wort von denjenigen, welche die Fackel der Wahrheit schwingen und weitergeben. Über dem innerhalb des Tempelraumes befindlichen Grab würde eine einfache Metallplatte mit den Worten: Immanuel Kant zu liegen kommen.&#xD;&#xA;">geistvollen Projektes</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="geistvollen Projektes ] vgl. Vaihinger: Idee zu einem Kantmausoleum. In: Kant-Studien 19 (1914), S. 442–443 (auch in: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Nr. 386 vom 1.8.1914, Abend-Ausgabe, S. 3), wo es u. a. heißt: Das Gebäude muß also am besten in der Form eines antiken Tempels errichtet werden, und hier bietet sich nun die Gelegenheit, schon in der äußeren Anordnung der Teile eine symbolische Veranschaulichung des Kantischen Lehrgebäudes zu geben. Die Tempelhalle müßte sich auf einem zweifach abgestuften Sockel erheben. Diese beiden Sockel stellen die fundamentalen Formen Raum und Zeit dar, auf denen das Weltgebäude aufgebaut ist, so wie es unserer menschlichen Anschauungsweise sich darstellt. Vor dem Tempeleingang stehen 12 Säulen in dorischem Stil in 2 Reihen zu je 6 Säulen. Diese stellen die 12 Kategorien dar, welche über den Anschauungsformen von Raum und Zeit sich als die Verstandesnormen erheben, durch welche das ganze Erkenntnisgebäude bedingt und gestützt ist. Über diesen Säulen erhebt sich der dreieckige Giebel. Dieser zeigt drei plastische Figuren, welche den drei Ideen Gott, Freiheit und Unsterblichkeit entsprechen. In der Mitte des Giebels thront Gott, dargestellt durch eine Figur, welche vielleicht die Formen des Zeus von Phidias mit den Formen des Moses von Michelangelo vereinigt: Gott als Gesetzgeber und Richter. Nach links hin (vom Beschauer gesehen) liegt in der Giebelecke ein Mann, welcher die ihn fesselnden Ketten zerreisst, das Symbol der Freiheit, welche der Mensch sich erwirbt, indem er von den Fesseln der Natur und der Sinnlichkeit sich löst. Nach rechts hin wird die Giebelecke ausgefüllt durch eine halbliegende Frauengestalt, welche in die Ferne und damit in die Zukunft schaut und vielleicht noch durch das beliebte Symbol des Schmetterlings gekennzeichnet wird als eine Darstellung der Unsterblichkeit. […] Sekundär gegenüber allem diesem ist nun die Frage, wie das Innere des Tempelraumes ausgestaltet wird. Ich würde vorschlagen, an der dem Eingang gegenüberliegenden Wand einen Kolossalkopf Kants aufzustellen, vielleicht noch mit einer Jünglingsgestalt daneben, welche eine Fackel hält, in Erinnerung an das bekannte Platonische Wort von denjenigen, welche die Fackel der Wahrheit schwingen und weitergeben. Über dem innerhalb des Tempelraumes befindlichen Grab würde eine einfache Metallplatte mit den Worten: Immanuel Kant zu liegen kommen.">[1]</a> eine lebhafte Freude bereitet! Ganz gewiß wäre dies eine schöne Symbolik. Aber ob nicht die <u>Freiheit</u> noch mehr als das Allerheiligste hervortreten könnte?</p><p class="ED-p">Darf ich Ihnen noch einmal danken für <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Ihren Besuch ] Termin nicht ermittelt&#xD;&#xA;">Ihren Besuch</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="Ihren Besuch ] Termin nicht ermittelt">[2]</a>, der <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="mich ] Einfügung über der Zeile&#xD;&#xA;">mich</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="mich ] Einfügung über der Zeile">[a]</a> hoch geehrt und erfreut hat! Ich empfehle mich Ihrer hochverehrten Frau Gemahlin und Ihnen mit den besten Wünschen als Ihr ganz ergebener</p><p class="ED-signed">Eduard Spranger</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">mich</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Einfügung über der Zeile</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">geistvollen Projektes</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger: Idee zu einem Kantmausoleum. In: Kant-Studien 19 (1914), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 442–443 (auch in: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, <abbr title="Nummer" class="ED-abbr">Nr.</abbr> 386 vom 1.8.1914, Abend-Ausgabe, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 3), wo es <abbr title="unter anderem" class="ED-abbr">u. a.</abbr> heißt: <span class="ED-rdg">Das Gebäude muß also am besten in der Form eines antiken Tempels errichtet werden, und hier bietet sich nun die Gelegenheit, schon in der äußeren Anordnung der Teile eine symbolische Veranschaulichung des Kantischen Lehrgebäudes zu geben. Die Tempelhalle müßte sich auf einem zweifach abgestuften Sockel erheben. Diese beiden Sockel stellen die fundamentalen Formen Raum und Zeit dar, auf denen das Weltgebäude aufgebaut ist, so wie es unserer menschlichen Anschauungsweise sich darstellt. Vor dem Tempeleingang stehen 12 Säulen in dorischem Stil in 2 Reihen zu je 6 Säulen. Diese stellen die 12 Kategorien dar, welche über den Anschauungsformen von Raum und Zeit sich als die Verstandesnormen erheben, durch welche das ganze Erkenntnisgebäude bedingt und gestützt ist. Über diesen Säulen erhebt sich der dreieckige Giebel. Dieser zeigt drei plastische Figuren, welche den drei Ideen Gott, Freiheit und Unsterblichkeit entsprechen. In der Mitte des Giebels thront Gott, dargestellt durch eine Figur, welche vielleicht die Formen des Zeus von Phidias mit den Formen des Moses von Michelangelo vereinigt: Gott als Gesetzgeber und Richter. Nach links hin (vom Beschauer gesehen) liegt in der Giebelecke ein Mann, welcher die ihn fesselnden Ketten zerreisst, das Symbol der Freiheit, welche der Mensch sich erwirbt, indem er von den Fesseln der Natur und der Sinnlichkeit sich löst. Nach rechts hin wird die Giebelecke ausgefüllt durch eine halbliegende Frauengestalt, welche in die Ferne und damit in die Zukunft schaut und vielleicht noch durch das beliebte Symbol des Schmetterlings gekennzeichnet wird als eine Darstellung der Unsterblichkeit. […] Sekundär gegenüber allem diesem ist nun die Frage, wie das Innere des Tempelraumes ausgestaltet wird. Ich würde vorschlagen, an der dem Eingang gegenüberliegenden Wand einen Kolossalkopf Kants aufzustellen, vielleicht noch mit einer Jünglingsgestalt daneben, welche eine Fackel hält, in Erinnerung an das bekannte Platonische Wort von denjenigen, welche die Fackel der Wahrheit schwingen und weitergeben. 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