<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Vaihinger an Hans Prager, Halle, 5.10.1914, 1 S., Ts. mit eU und vereinzelten hs. Korrekturen, Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131824</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001211-0"/><style type="text/css">
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Reichardtstr. 15</p><p class="ED-dateline">5.10.14.</p><p class="ED-p">Herrn Dr. Prager</p><p class="ED-p">Wien.</p><p class="ED-salute">Sehr geehrter Herr Doktor!</p><p class="ED-p">Verbindlichsten Dank für Ihre <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="freundliche Karte ] nicht überliefert&#xD;&#xA;">freundliche Karte</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="freundliche Karte ] nicht überliefert">[1]</a>, die mich sehr erfreut hat, da sie mir meldet, dass es Ihnen gut geht, insbesondere freue ich mich, dass Sie sich wieder so weit wohl befinden, dass Sie wieder an wissenschaftliche Arbeit denken können.</p><p class="ED-p">Auch mir geht es natürlich so wie Ihnen: Philosophische Arbeit ist unter den jetzigen Umständen nicht recht möglich, doch gibt es ja für mich noch allerlei zu tun, dazu gehört die Korrespondenz mit meinen Freunden und so freue ich <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="mich ] micht&#xD;&#xA;">mich</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="mich ] micht">[a]</a>, auch Ihnen schreiben zu können.</p><p class="ED-p">Der Krieg, der so vieles zerstört, hat auch mir persönlich einen überaus grossen Schaden gebracht: eine französische <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Übersetzung meines Buches ] vgl. die annotierte Bibliographie in Bohr/Hartung: Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger zu Übersetzungen von: Die Philosophie des Als Ob (1911).&#xD;&#xA;">Übersetzung meines Buches</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="Übersetzung meines Buches ] vgl. die annotierte Bibliographie in Bohr/Hartung: Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger zu Übersetzungen von: Die Philosophie des Als Ob (1911).">[2]</a> war schon in Angriff genommen, der Vertrag mit der Firma Felix Alcan in Paris schon geschlossen. Der Übersetzer, der nebenbei bemerkt ein geborener Österreicher ist, (ein <abbr title="Doktor" class="ED-abbr">Dr.</abbr> Mens, der aber seit vielen Jahren in Paris lebt) ist jetzt gar nicht mehr in Paris, sondern in Christiania. Eine französische Übersetzung kann auf Jahre hinaus schwer erscheinen. Auch Übersetzungen ins Russische und ins Englische waren in Aussicht genommen und sind natürlich jetzt ebenso unmöglich. Eine amerikanische Übersetzung soll in die Wege geleitet werden und vielleicht auch eine italienische. Aber das ist natürlich alles behindert, solange der Krieg dauert.</p><p class="ED-p">Es sind natürlich viele Mitglieder der Kantgesellschaft in den Krieg gezogen. Eine Versendung der Publikationen an diese Mitglieder, sowie an die Ausländer in denen mit uns Krieg führenden Staaten ist natürlich unmöglich. Etwa 50 Mitglieder haben für das Jahr 1914 noch nicht bezahlt und diese Beiträge sind nicht mehr zu bekommen, so haben wir schon für das Jahr 1914 einen Ausfall von 1000 <abbr title="Monsieur" class="ED-abbr">M</abbr> und wir werden im folgenden Jahre einen noch viel grösseren Ausfall haben, aber wir hoffen doch, durch die schwere Zeit hindurch zu kommen.</p><p class="ED-p">Es wird Sie interessieren, zu erfahren, dass am Mittwoch 14. <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="ds. ] lies: dieses (Monats)&#xD;&#xA;">ds.</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="ds. ] lies: dieses (Monats)">[b]</a> <abbr title="Professor" class="ED-abbr">Prof.</abbr> <span class="ED-name">Hermann Cohen</span>, früher in Marburg, jetzt in Berlin, daselbst einen Vortrag in der K<span class="ED-add">[ant]</span> G<span class="ED-add">[esellschaft]</span> halten wird: „Über das Eigentümliche des deutschen <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="Geistes ] Geites&#xD;&#xA;">Geistes</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-3" id="app-philological-3-ref" title="Geistes ] Geites">[c]</a>“. Der Vortrag wird dann <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="im Druck ] vgl. Cohen: Über das Eigentümliche des deutschen Geistes. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1914 (Philosophische Vorträge. Veröffentlicht von der Kantgesellschaft, Nr. 8).&#xD;&#xA;">im Druck</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="im Druck ] vgl. Cohen: Über das Eigentümliche des deutschen Geistes. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1914 (Philosophische Vorträge. Veröffentlicht von der Kantgesellschaft, Nr. 8).">[3]</a> erscheinen.</p><p class="ED-p">Mir persönlich geht es erträglich, doch hat mein Augenleiden immer mehr zugenommen; in meiner Familie geht es soweit gut. <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="Mein einziger Sohn ] Richard Vaihinger&#xD;&#xA;">Mein einziger Sohn</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="Mein einziger Sohn ] Richard Vaihinger">[4]</a> ist leider zurückgestellt, hoffentlich kann er sich später doch noch an dem Kampfe beteiligen. Sollten Sie doch noch <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="einberufen werden ] vgl. Vaihinger an Prager vom 8.1.1915&#xD;&#xA;">einberufen werden</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="einberufen werden ] vgl. Vaihinger an Prager vom 8.1.1915">[5]</a>, so wünsche ich Ihnen insofern dazu Glück, <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-4" title="als das ein Zeichen dafür wäre, ] von anderer Hd. über der Zeile eingefügt&#xD;&#xA;">als das ein Zeichen dafür wäre,</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-4" id="app-philological-4-ref" title="als das ein Zeichen dafür wäre, ] von anderer Hd. über der Zeile eingefügt">[d]</a> dass Ihre Gesundheitsverhältnisse jetzt günstigere sind. Möge uns dann allen ein frohes Wiedersehen beschieden sein. Dieser Wunsch erstreckt sich insbesondere auch noch auf Herrn <abbr title="Doktor" class="ED-abbr">Dr.</abbr> <span class="ED-name">Ewald</span>. Sein <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="Jahresbericht pro 1913 ] vgl. Oskar Ewald: Die deutsche Philosophie im Jahre 1913. In: Kant-Studien 20 (1915), S. 29–64.&#xD;&#xA;">Jahresbericht pro 1913</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-6" id="app-editorial-6-ref" title="Jahresbericht pro 1913 ] vgl. Oskar Ewald: Die deutsche Philosophie im Jahre 1913. In: Kant-Studien 20 (1915), S. 29–64.">[6]</a> ist zum Glück noch vor dem Kriege bei uns <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-5" title="eingelaufen ] eingelaufen.&#xD;&#xA;">eingelaufen</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-5" id="app-philological-5-ref" title="eingelaufen ] eingelaufen.">[e]</a> und wird noch in diesem Winter gedruckt. Die Korrekturen wird er freilich nicht selbst lesen können.</p><p class="ED-p">Mit besten Grüssen und Wünschen Ihr treu ergebener</p><p class="ED-signed">Vaihinger</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">mich</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">micht</span></div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">ds.</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>lies: dieses (Monats)</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-3"><span class="ED-app-num">c</span><a href="#app-philological-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Geistes</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">Geites</span></div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-4"><span class="ED-app-num">d</span><a href="#app-philological-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">als das ein Zeichen dafür wäre,</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>von anderer <abbr title="Hand" class="ED-abbr">Hd.</abbr> über der Zeile eingefügt</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-5"><span class="ED-app-num">e</span><a href="#app-philological-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">eingelaufen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">eingelaufen.</span></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">freundliche Karte</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>nicht überliefert</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Übersetzung meines Buches</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> die annotierte Bibliographie in Bohr/Hartung: Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger zu Übersetzungen von: Die Philosophie des Als Ob (1911).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">im Druck</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Cohen: Über das Eigentümliche des deutschen Geistes. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1914 (Philosophische Vorträge. Veröffentlicht von der Kantgesellschaft, <abbr title="Nummer" class="ED-abbr">Nr.</abbr> 8).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Mein einziger Sohn</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">Richard Vaihinger</span></div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">einberufen werden</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 8.1.1915</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-6"><span class="ED-app-num">6</span><a href="#app-editorial-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Jahresbericht pro 1913</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Oskar Ewald: Die deutsche Philosophie im Jahre 1913. In: Kant-Studien 20 (1915), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 29–64.</div></div></body></html>