<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Vaihinger an Hans Delbrück, Halle, 14.4.1914, 4 S., hs. (andere Hd. mit eU), Briefkopf GEH. REG.-RAT | PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15., Bundesarchiv Koblenz, Teilnachlass Delbrück 2, N 1017/17</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001197-1"/><style type="text/css">
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Vaihinger an Delbrück vom 31.3.1914.&#xD;&#xA;">angekündigten Artikels</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="angekündigten Artikels ] die Rede ist von Delbrück: Die Sprachreinigung, Fürst Bismarck und Heinrich v. Treitschke. In: Preußische Jahrbücher 156, April–Juni 1914, S. 308–334. Zum Kontext vgl. Vaihinger an Delbrück vom 31.3.1914.">[1]</a> werde ich mir sogleich nachdem ich sie erhalten habe, vorlesen lassen, selbst wenn die Zusendung Ihres Artikels in den Tagen vom 18.–20. erfolgt, an denen ich, wie Sie <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="aus der Beilage ] liegt nicht bei, vermutlich eine Einladung zur Feier des zehnjährigen Jubiläums der Kantgesellschaft in Halle.&#xD;&#xA;">aus der Beilage</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="aus der Beilage ] liegt nicht bei, vermutlich eine Einladung zur Feier des zehnjährigen Jubiläums der Kantgesellschaft in Halle.">[2]</a> ersehen, stark in Anspruch genommen bin. Aber die Sache, die Sie vertreten, ist so wichtig, und so werde ich die Zeit dazu herausschlagen.</p><p class="ED-p">Es ist sehr zweckmäßig, wenn Sie eine Massenversendung Ihres Artikels in Aussicht nehmen. Ich bin persönlich sehr gern bereit dazu beizutragen und zeichne dafür vorläufig 25 <abbr title="Mark" class="ED-abbr">Mk</abbr>, die ich Ihnen <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="übersenden werde ] vgl. Elisabeth Vaihinger an Delbrück vom 16.4.1914&#xD;&#xA;">übersenden werde</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="übersenden werde ] vgl. Elisabeth Vaihinger an Delbrück vom 16.4.1914">[3]</a>, sobald die stürmischen <span class="ED-name">Kant</span>-Tage vorbei sind.</p><p class="ED-p">Eine regelmäßige Sprachecke einzurichten, halte ich für sehr zweckmäßig. Der Sprachverein sendet an eine große Anzahl von Zeitungen regelmäßig derartige Mitteilungen, meistens unter der Spitzmarke „Sprachecke“. Ich sende eine <span class="ED-pb">|</span> solche aus neuester Zeit Ihnen zu zu beliebigem Gebrauch.</p><p class="ED-p">Dieser <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="kleine Artikel ] nicht ermittelt&#xD;&#xA;">kleine Artikel</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="kleine Artikel ] nicht ermittelt">[4]</a> macht natürlich auf jeden Laien einen überwältigenden Eindruck. Dabei ist er im Grunde ganz sophistisch. Natürlich verlangt es der gute Ton, daß man nicht Fremdwörter gebraucht, welche außer Kurs gekommen sind. Natürlich hat man vor 100 Jahren und noch vor 50 Jahren Fremdwörter allgemein gebraucht, welche jetzt nicht mehr Mode sind. Diese noch zu gebrauchen, ist natürlich jetzt gegen den guten Ton und geschmacklos. Aber erstens gibt es doch noch eine unendliche Menge von Fremdwörtern, welche man auch in der Welt des guten Tones nicht entbehren kann, und welche durch Verdeutschung zu ersetzen unmöglich oder wenigstens mißverständlich wäre, und zweitens sind doch in den letzten 50 Jahren wieder eine große Anzahl neuerer Fremdwörter aufgekommen, welche wir absolut nicht entbehren können. (<abbr title="zum Beispiel" class="ED-abbr">z. B.</abbr> Sport)</p><p class="ED-p">Sehr wichtig ist es für Ihren Artikel, daß Sie an recht klaren Beispielen zeigen, wozu <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="verkehrte ] verkehre&#xD;&#xA;">verkehrte</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="verkehrte ] verkehre">[a]</a> Verdeutschungen führen. So hat der <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="Reichspostmeister Stephan ] Heinrich von Stephan (1831–1897) war 1876–1880 Generalpostmeister der Reichspost, danach bis 1897 Staatssekretär des Reichspostamtes (ADB).&#xD;&#xA;">Reichspostmeister </span><span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="Reichspostmeister Stephan ] Heinrich von Stephan (1831–1897) war 1876–1880 Generalpostmeister der Reichspost, danach bis 1897 Staatssekretär des Reichspostamtes (ADB).&#xD;&#xA;">Stephan</span></span><span class="ED-name"><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="Reichspostmeister Stephan ] Heinrich von Stephan (1831–1897) war 1876–1880 Generalpostmeister der Reichspost, danach bis 1897 Staatssekretär des Reichspostamtes (ADB).">[5]</a></span> sich verführen lassen, Telephon durch Fernsprecher zu übersetzen. Aber das Volk hat das nicht acceptiert. Man gebraucht die <span class="ED-pb">|</span> Worte Telephon, telephonisch, telephonieren. Darin liegt zugleich der Grund, warum unsere Sprache das Fremdwort in diesem Fall vollzieht: weil man von demselben Stamm ein Substantiv, ein Adjektiv und ein Verbum bilden kann. Das kann man aber von unserem Wort „Fernsprecher“ nicht machen, oder wenigstens nur mit sehr schwerfälligen Wortgebilden.</p><p class="ED-p">Es ist mir nicht bekannt, ob dieser Gesichtspunkt schon hervorgehoben ist. Mir ist es aber immer aufgefallen, daß besonders solche Fremdwörter unentbehrlich sind, aus denen andere sprachliche Formen abgeleitet werden können. Solche Ableitungen <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="erlauben ] danach gestrichen: uns&#xD;&#xA;">erlauben</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="erlauben ] danach gestrichen: uns">[b]</a> die lateinischen und griechischen Fremdwörter, nicht aber unsere deutschen Wörter.</p><p class="ED-p">Bei dem Fall „Telephon“ kommt noch besonders in Betracht, daß das Wort ein internationales Gut ist. Gerade dieses Beispiel ist besonders geeignet, zu zeigen, daß wir durch Ausmerzung derartiger Fremdwörter uns selbst schädigen in unserem internationalen Verkehr.</p><p class="ED-p">Es wäre also sehr zweckmäßig, wenn Sie eine regelmäßige Rubrik gegen den Sprachverein einführen <span class="ED-pb">|</span> würden. Am besten ist es, wenn Sie die Leser der „Preußischen Jahrbücher“ auffordern, derartige Beispiele einzusenden, die dann natürlich von der Redaktion gesichtet werden müssen.</p><p class="ED-p">Zweckmäßig ist dann auch, wenn von derartigen kurzen Mitteilungen ein paar 100 Abzüge gemacht werden, die dann regelmäßig an eine große Anzahl von Zeitungen zu beliebigem Abdruck versendet werden.</p><p class="ED-p">Mit kollegialen Gruß Ihr ganz ergebener</p><p class="ED-signed">Vaihinger</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">verkehrte</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">verkehre</span></div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">erlauben</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>danach gestrichen: <span class="ED-rdg">uns</span></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">angekündigten Artikels</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>die Rede ist von Delbrück: Die Sprachreinigung, Fürst Bismarck und Heinrich v. Treitschke. In: Preußische Jahrbücher 156, April–Juni 1914, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 308–334. Zum Kontext <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Delbrück vom 31.3.1914.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">aus der Beilage</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>liegt nicht bei, vermutlich eine Einladung zur Feier des zehnjährigen Jubiläums der Kantgesellschaft in Halle.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">übersenden werde</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Elisabeth Vaihinger an Delbrück vom 16.4.1914</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">kleine Artikel</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>nicht ermittelt</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Reichspostmeister <span class="ED-name">Stephan</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">Heinrich von Stephan</span> (1831–1897) war 1876–1880 Generalpostmeister der Reichspost, danach bis 1897 Staatssekretär des Reichspostamtes (<abbr title="Allgemeine Deutsche Biographie" class="ED-abbr">ADB</abbr>).</div></div></body></html>